Welcome to the Jungle: "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" aka "Das Dschungelcamp" wartet auch 2018 mit einem standesgemäßen Nicht-Star-Aufgebot auf. Inhaltlich schleppt es sich noch ein wenig, aber es sind ja auch erst drei Tage rum. Unser erstes Zwischenfazit.

Christian Vock
Eine Glosse
von Christian Vock, Freier Autor

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Die richtigen Kandidaten für das Dschungelcamp auszuwählen, ist wohl der härteste Job der Welt. Noch härter, als sich Überraschungseierspielzeug auszudenken oder diese Sprüche in Glückskeksen.

Schließlich muss für jeden etwas dabei sein: Da braucht es den Choleriker, die Hübsche, das Opfer, die Camp-Mutti, das Nesthäkchen, den Draufgänger, das Weichei, den Exzentriker, das Nervenbündel und die trübe Tasse.

Und das ist nur die Grundausstattung, Gastrollen und Doppelbesetzungen sind natürlich grundsätzlich möglich.

Den Nervtöter hat man als Einzelcharakter in der Zwischenzeit offenbar ganz leise abgeschafft, weil sich hier die meisten Kandidaten als überqualifiziert erwiesen haben. Seitdem wird einfach gemeinsam genervt.

Aus diesen Anforderungsprofilen und der aktuell verfügbaren C-Prominenz-Masse eine ansehnliche Schnittmenge zu bilden, ist also eine echte Herausforderung - und dennoch hat es RTL wieder geschafft, eine durchaus illustre Truppe in den Dschungel zu schicken.

Wer hat Tatjana Gsell lieb?

Die Jenny Frankhauser zum Beispiel. "Ich mach Youtube", glaubt die Halbschwester von Daniela Katzenberger ihren Beruf ausgemacht zu haben und signalisiert zugleich, dass es in Bezug auf ihren Bekanntheitsgrad noch Entwicklungspotenzial gibt: "Ich war einmal im Hintergrund beim Interview von David Hasselhoff gestanden." Für den RTL-Dschungel hat es jedenfalls gereicht.

Ähnliches gilt für Giuliana Farfalla. Ihr Weg führte das Model von der Heidi-Klum-Uni über ein Herrenmagazin in den Dschungel. Über sich selbst urteilt Giuliana: "Ich bin nicht die Hellste". Wenn sie es nicht gesagt hätte – im Dschungel wäre es wahrscheinlich gar nicht aufgefallen.

Ebenso prädestiniert für den Dschungel ist Tatjana Gsell, die ihre Karriere als "VIP" mit "es gab ein paar Fehlentscheidungen" geradezu tollkühn zusammenfasste. Ihr Ziel: "Dass man Tatjana endlich mal lieb hat". Da ist es natürlich nur logisch, diese Liebe in einem RTL-Dschungelcamp zu suchen.

Die Teilnahme der restlichen Camp-Bewohner ist nur unwesentlich weniger naheliegend: Da sind zum Beispiel Ex-DSDS-Darsteller Daniele Negroni, dessen geheime Superkraft im Dunkeln leuchtende Haare sind, oder David Friedrich, der gerade die jüngste Staffel von "Die Bachelorette" bis zum Finale durchgespielt hat.

Nicht fehlen darf in diesem Jahr Natascha Ochsenknecht, die sich sogar selbst beworben hat: "Jetzt erfülle ich mir den Wunsch, dass ich ins Dschungelcamp gehe." Angesichts dieses Selbstbewusstseins kann man nicht sicher sein, ob nun Natascha Ochsenknecht am Dschungelcamp teilnimmt oder das Dschungelcamp an Natascha Ochsenknecht.

Matthias Mangiapane: "Hätte am liebsten einen Orgasmus gekriegt"

Wer am Ende welche Rolle bekommt, entscheiden natürlich der Zuschauer und der Mann am Schneidetisch. Es kristallisiert sich nach den ersten drei Tagen aber bereits heraus, dass Matthias Mangiapane gleich mehrfach besetzt wurde.

An Tag eins schlüpft der exaltierte Reality-TVlerist zunächst in die Rolle des Sprücheklopfers: "Da sag noch einer, eine Schwuchtel kann in der Wildnis nicht überleben", tönt Mangiapane, nachdem er ein Feuerchen in Gang gebracht hat, und man ist sich ziemlich sicher, dass das so auch noch nie jemand behauptet hat.

Zwei Tage später verweigert er in der Rolle des Nervenbündels dann aber plötzlich die Unterwasser-durch-Kästen-mit-Tieren-kriech-Dschungelprüfung. Dabei war er doch an Tag zwei, als er den potenten Draufgänger gab, noch so aufgekratzt, weil er zehn Sterne fürs Team erspielt hatte – hätte die Jenny sich nicht so dusselig angestellt: "Ich hätte da unten am liebsten einen Orgasmus gekriegt, so stolz war ich." Nun ja.

Dabei sind die Herausforderungen auch 2018 nicht anders als in den Jahren zuvor: Ein Bad in toten Fischen, am Straußenzeh lutschen oder vom Krokodilpenis naschen. Wer verhaltensauffällig genug ist, wird nach wie vor seine Freude daran finden, dass Leute so etwas machen. Alle anderen wissen aber, dass der eigentliche Trash im Zwischenmenschlichen liegt.

Gut, das ist nicht weniger voyeuristisch, aber dafür nicht so eklig. Also darf die Gsell noch einmal die Geschichte ihrer Untersuchungshaft erzählen, David Friedrich plaudert aus dem "Bachelorette"-Nähkästchen und Jenny Frankhauser schweigt sich lautstark über ihren Streit mit Daniela Katzenberger aus.

Es läuft also alles in die gewünschte Richtung und einen Geheimfavoriten gibt es auch schon: Ansgar Brinkmann.

Dschungel-Favorit Ansgar Brinkmann

Für Ansgar Brinkmann spricht die Tatsache, dass es Ansgar Brinkmann ist und dem hat zumindest auf dem Fußballplatz noch nie jemand widersprochen. Jedenfalls kennt man niemandem, der noch davon erzählen kann.

Wenn Brinkmann also irgendwann den Wunsch äußert, Dschungelkönig zu werden, dann wird er das auch.

Dagegen spricht allerdings, dass Brinkmann selbst die Grundpfeiler dieses Jobs infrage stellt: "Ich bin Chef von niemand und niemand ist Chef von mir." Deutlicher kann man die natürliche Autorität eines Dschungelkönigs gar nicht ablehnen. Machen wir also an dieser Stelle lieber noch ein Fragezeichen.

Apropos Fragezeichen: Es war an Jenny Frankhauser, die Frage zu stellen, die sich jeder während des Dschungelcamps einmal stellt – egal, ob Zuschauer oder Teilnehmer. Als Frankhauser unter einem Berg Insekten liegt, jammert die 25-Jährige: "Warum muss ich das Opfer sein?"

Auf diese Frage gibt es so unglaublich viele Antworten, dass sie uns nicht wirklich zum Sinn der Sendung führt.

Lassen wir an dieser Stelle also lieber noch einmal Dschungelphilosoph Ansgar Brinkmann zu Wort kommen. "Wenn man Dschungelkönig wird, dann ist man der Kapitän der ganzen Wahnsinnigen. Der Oberidiot."