Das Dschungelcamp 2017 startet, Millionen Menschen werden vor den Fernsehern sitzen. Ich nicht. Und ich habe auch wenig Verständnis für Menschen, die sich diesen Dreck ansehen.

Ein Kommentar
von Mathias Ottmann, Redakteur Unterhaltung (nicht mehr im Unternehmen)

Jetzt beginnen wieder die zwei schlimmsten TV-Wochen des Jahres: Das Dschungelcamp startet. Millionen Menschen versammeln sich vor den Fernsehern, um dabei zuzusehen, wie sich vermeintliche Promis den letzten Rest Menschenwürde nehmen lassen, der ihnen geblieben ist. Und alle Medien berichten darüber - auch wir. Weil die Leute das eben sehen und lesen wollen.

Es passt ja auch irgendwie in unsere Zeit. Die USA wählen einen Menschen zum Präsidenten, der sich als Sexist und Rassist zu erkennen gegeben hat. Der sich über Schwächere, die sich nicht wehren können, lustig macht. Der ganze Bevölkerungsgruppen unter den Generalverdacht stellt, Verbrecher zu sein. Der eine Weltreligion komplett aus seinem Land ausschließen will. Ein klassischer Schulhofrüpel eben, der sich für etwas Besseres hält. Und das jeden spüren lässt, der ihm vermeintlich unterlegen ist.

Genau diese Instinkte spricht auch das Dschungelcamp an: Es gibt dem Zuschauer vor der Glotze das Gefühl, etwas Besseres zu sein als die Insassen im australischen Folterwald. Egal wie schlecht es einem geht - im Camp sitzen Menschen, denen geht es noch viel schlechter.

Dschungelcamp-Gucker spielt Henker

Die waren mal berühmt, wenn auch in den meisten Fällen nur genau die vielzitierten 15 Minuten. Viele von ihnen hatten mal Geld. Und können sich jetzt nicht damit anfreunden, ein normales Leben zu führen. Weshalb sie vor einem Millionenpublikum eklige Sachen essen, durch Insekten waten und sich mit Schleim übergießen lassen.

Der TV-Zuschauer zu Hause kann dazu auch noch den Henker spielen und für 50 Cent pro Anruf mitentscheiden, welcher Promi sich heute erniedrigen lassen muss. Wobei es eigentlich völlig egal ist, wer in die Dschungelprüfung muss - verloren haben alle, die da sitzen. Wenn sie vor Publikum einen Seelenstriptease hinlegen. Wenn sie ihre Rollen spielen, die von ihnen erwartet werden und damit als Zicke, Macho oder Idiot gebrandmarkt werden. Wenn jeder erfährt, dass sie nicht mit Geld umgehen können.

Damit der Zuschauer zu Hause auch ja merkt, auf wen er herabblicken kann, bekommt er Unterstützung von zwei Moderatoren. Die haben selbst Glück, dass RTL in ihnen Talente erkannt hat, die den meisten anderen verborgen geblieben wären. Wer weiß: Vielleicht wären sie als ehemalige Nachmittags-Talkerin und er als Ex-Kinder-Detektiv-Club-Moderator nach einem kleinen Schicksalsschlag ja auch passende Insassen für das Camp gewesen. So spielen sie die großen Kinder, die auf dem Schulhof die Meute anführen, wenn es daran geht, einen Außenseiter zu verprügeln.

"Dann verlieren wir alle"

Meryl Streep hielt bei der Verleihung der Golden Globes eine bemerkenswerte Rede, in der sie - ohne ihn beim Namen zu nennen - Donald Trump auf das reduzierte, was er ist: ein privilegierter reicher Schnösel, der andere herumschubst und heruntermacht. Sie sagte: "Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle."

Beim Dschungelcamp passiert genau das. Und halb Deutschland schaut zu und fühlt sich wie ein Gewinner.

Mehr Infos und News zum Dschungelcamp