Das Dschungelcamp startet wieder und alle gehen steil und sitzen jeden Abend brav vor der Glotze. Alle? Nein. Es gibt gute Gründe, seinen gesunden Menschenverstand zu bewahren und sich von diesem TV-Müll nicht einlullen zu lassen.

Doreen Hinrichs
Ein Kommentar
von Doreen Hinrichs, Redakteurin Unterhaltung

Seit 2004 beglückt RTL seine Zuschauer mit "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!", und auch nach über zehn Jahren fällt es schwer zu glauben, dass dies tatsächlich die erfolgreichste Show im deutschen Fernsehen sein soll.

In kuriosem Interview dementierte er die Teilnahme am Dschungelcamp.

Eine Show, in der sich Menschen gegenseitig beleidigen, ihre Darmausscheidungen thematisieren und lebende Tiere verspeisen.

Klar, man kann auch im tiefsten Höllenschlund Sonne sehen, und so bescheinigen auch kritische Geister der Sendung ob der Kandidatenauswahl, der angeblich "spitzzüngigen Moderationen" oder der Musikauswahl doch immerhin Professionalität - warum?

Als ob Ekel-TV in irgendeiner Form weniger schlimm wäre, nur weil es perfekt eklig ist. Von vorne bis hinten ist an dieser Sendung einfach alles verachtenswert.

Die Moderatoren

Von Anfang an dabei ist Sonja Zietlow, die schon seit Beginn der 1990er Jahre mit ihrer aufgesetzt fröhlichen Art über die Bildschirme geistert. Warum diese - eigentlich ja hochintelligente – Frau als Moderatorin so erfolgreich ist, bleibt ein Rätsel.

Sie verwechselt konsequent Zähne zeigen mit Lächeln; und man sieht ihr an, dass sie sich ganz bestimmt nicht nur per Teleprompter über die Kandidaten lustig macht, sondern ganz sicher auch über die Zuschauer.

Und der Typ an ihrer Seite? Ähm … Matthias Opdenhövel? Irgendein fresher Typ halt, mit Checker-Brille und verstrubbeltem Haar. Jung, frisch, dynamisch, austauschbar, glatt, charakterlos ...

Die Kommentare

Ja, ja. Witzig und spitzfindig ist das ja alles angeblich, was das Moderatoren-Duo da von sich gibt. Dass für diese voll lustigen Dialoge ein Autoren-Team im Hintergrund verantwortlich zeichnet, ist kein Geheimnis.

Wer sich über die Witze von Micky Beisenherz & Co. amüsieren möchte, kann das doch auch bei deren anderen Engagements tun, wie der tatsächlich lustigen "heute show" im ZDF.

Die Kandidaten

Hier beweisen die Macher vom Dschungelcamp immer wieder aufs Neue ein erschreckend gutes Händchen. Die zusammengestellte Gemeinschaft gescheiterter Existenzen und labiler Persönlichkeiten amüsiert das TV-Publikum immer wieder aufs Neue. Nirgends sonst liest man so oft die Vorsilbe "Ex" vor der Tätigkeitsbeschreibung und den Beruf Model in Anführungszeichen.

Aber was bitte ist lustig daran, Leuten wie Jenny Elvers oder Gunter Gabriel, deren Abstürze schon im TV zu bewundern waren, beim erneuten Zusammenbrechen zuzusehen? Wie abgestumpft muss man sein, in der Hoffnung auf einen Heulkrampf oder vorzeitiges Ableben (hoffentlich lässt sich Gunter Gabriel seinen Hochrisikoeinsatz vergolden) die Glotze anzuschalten?

Und die Kandidatin aus den Untiefen menschlicher Niederungen: Sophia Wollersheim. Ernsthaft? Die Lebensleistung dieser Frau besteht darin, sich einen wegen erpresserischen Menschenraubes verurteilten Bordellbesitzer geangelt zu haben. Und auch wenn die "Bild"-Zeitung etwas anderes suggeriert: Das "Milieu" ist keine lustige Soap, sondern ein krimineller Sumpf.

Am sympathischsten in der aktuellen Runde der zwölf armen Seelen ist wohl Jürgen Milski. Um den Ex(Hah!)-"Big Brother"-Kandidaten und Anruf-TV-Veteranen muss man sich am wenigsten Sorgen machen. Er hat das System Trash-TV verstanden, und gibt dem Pöbel, was er sehen will.

Die Prüfungen

Keine Sorge, das wird hier kein Pamphlet für die Persönlichkeitsrechte von Mehlwürmern. Doch man muss gar kein Peta-Aktivist sein, um den Umgang mit Lebewesen, die zur Belustigung der Zuschauer geschluckt und zermatscht werden, widerlich zu finden.

Dass die Kandidaten selbst im Grunde auch nur wie menschliche Maden behandelt werden, macht die Sache nicht besser.

Diese Sendung ist Müll. Abschaum. Dreck. So einfach ist das. Das lässt sich auch nicht durch eine ironische Betrachtung der Sendung ausblenden. Wer tatsächlich die Zeit findet, sich zwei Wochen lang vor dem TV-Gerät einzufinden, um Menschen beim Heulen, Kacken und Rumsitzen zuzuschauen, sollte sein Leben mal gründlich überdenken.

Alle News und Informationen zum RTL-Dschungelcamp 2016 gibt es in unserem Special.