Drei Jahre nach der letzten Ausgabe sucht das ZDF wieder "Deutschlands Superhirn". Ein neuer Versuch, endlich eine passende Sendung für Moderator Steven Gätjen zu finden. Doch irgendwie erinnert die Show dabei vor allem an eines: "Wetten, dass ..?" - nur mit Hochbegabten statt Baggern.

Ex-ProSieben-Chef ist sich sicher: "Natürlich wird er mal wiederkommen."

Willkommen im ZDF, wo alle Abendshows ein bisschen wie "Wetten, dass ..?" wirken. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest bei der Neuauflage von "Deutschlands Superhirn", das drei Jahre lang pausierte und jetzt wieder aus der Asservatenkammer des Senders auferstanden ist.

Nach Jörg Pilawa versucht sich nun Steven Gätjen als Herr der Hochbegabten, die in zwei Shows um 25.000 Euro kämpfen. In der Mitte des Studios steht die unvermeidliche Showcouch und eine Co-Moderatorin gibt es auch. Christiane Stenger gibt die Michelle Hunziker, einst jüngste Abiturientin Deutschlands und mehrfache Junior-Gedächtnisweltmeisterin.

Thematisch bleibt "Deutschlands Superhirn" dem Konzept des großen Show-Bruders treu: Harmlose Familienunterhaltung für die Familie, die nicht mehr gemeinsam vor dem Fernseher sitzt. Ein TV gewordener Abend mit Omi ohne große Überraschungen, dafür voller nostalgischer Erinnerungen an ähnliche Sendungen. Mit dem Unterschied, dass hier nicht Baggerfahrer rohe Eier sortieren, sondern Gedächtnissportler ihre Gedanken.

Er muss nicht einmal überlegen

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Den Auftakt macht Helge aus Köln. Er behauptet, Tänze nur durch den Klang der Schritte erkennen zu können. "Helge, bist du bereit?", fragt Gätjen wie einst Gottschalk. "Top, die Wette ...", ach nein, doch nicht, falsche Sendung. "Helge, hier dein erster Tanz", sagt Gätjen stattdessen.

Zwei Damen treten auf die Tanzfläche und werfen die Beine in die Luft. Tapp, tapp, tapp. Das ist seltsam anzuschauen, aber das waren die meisten Kandidaten bei "Wetten, dass ..?" schließlich auch. "Can Can!", ruft Helge und grinst. Sein erster richtiger Tipp.

Genauso problemlos löst er auch den Rest. Horon, Tango, Lindy Hop, Hip Hop, alles kein Problem für Helge. Er muss nicht einmal groß überlegen. Das ist zwar beeindruckend, aber dummerweise nicht sonderlich spannend. Vielleicht sollte Helge jemand fürs nächste Mal einbläuen, dass der Zuschauer in einer Show, nun ja, eben zumindest etwas Show erwartet.

Die liefert sein Nachfolger. Bei Dr. Dr. Mittring sind die Titel Programm. Er ist mehrmaliger Weltmeister im Kopfrechnen und muss auf einer riesigen Leinwand aus Ziffern Primzahlen finden, diese miteinander verbinden, den rechten Winkel erkennen und so den Code eines Tresors ausfindig machen.

Verstanden? Nein? Ist auch egal, denn Dr. Dr. Mittring verzieht so unterhaltsam das Gesicht, wedelt mit dem Zeigefinger und murmelt ständig: "Geht nicht, geht auch nicht, geht auch nicht ...", dass eigentlich egal ist, was er da macht.

Natürlich löst auch er am Ende das Rätsel und bekommt zur Belohnung seine Lieblingsschokolade: Nougat. Weil die "sein Gehirn so schön still stehen lässt".

Farben erkennen auf dem Weg nach unten

Nachrichten sind langweilig und dröge? Es kommt auf den Blickwinkel an.

Da es aber auf Dauer ziemlich langweilig ist, Menschen beim Denken zuzuschauen, schickt das ZDF Gedächtniskünstlerin Alisa Kellner ins Studio. Sie will sich Farbcodes merken, während sie an einem Seil die Fassade eines Hochhauses hinabgeht.

Nicht ganz so einfach, wie sie sich es vorgestellt hat, denn zwischen Merksätzen wie "Der Schlumpf kuckt aus dem Topf" mischt sich immer wieder ein herzhaftes: "Fuck, fuck, fuck!", als ihr auffällt, wie hoch so ein Hochhaus sein kann. Aber trotzdem: Auch sie löst ihre Aufgabe.

Spätestens da hätte dem ZDF klar sein müssen, dass es wenig Sinn ergibt, eine Sendung mit Hochbegabten zu füllen. Die scheitern einfach zu selten. Also muss es ein altbewährtes Mittel richten: Kinder, denen kann keiner widerstehen.

Schon gar nicht, wenn sie sich freudestrahlend selbst als "Klugscheißer" und "Streber" bezeichnen. Doch auch Aneska und Max lösen spielend ihre Aufgabe. Verdammt.

Die undankbare Aufgabe des Verlierer übernimmt ausgerechnet der sympathischste Kandidat des Abends: Johannes aus Magdeburg will sich die Daten von 100 Zuschauern merken, inklusive Flugnummern und Abflughafen.

Das funktioniert wie erwartet problemlos, doch ausgerechnet bei der allerletzten Kandidatin ist er sich unsicher. Er muss raten - und patzt. Die anderen Kandidaten schlagen die Hände vor dem Gesicht zusammen. Sie sind geschockt. Versagen sind sie einfach nicht gewohnt.

Das Mitleid ist groß, das des Publikum allerdings nicht. Es wählt Fassadenkletterin Alisa zur Gewinnerin der Show. Die kennt das Gefühl zumindest schon. Denn 2014 nahm sie bereits an einer anderen Show teil: "Wetten, dass ..?".