Das ist ja ein Ding: Bei der neuen ProSieben-Show "Das Ding des Jahres" stellen Erfinder ihre Produkte einer Jury vor. Klingt bekannt? Ist es auch, aber trotzdem ist "Das Ding des Jahres" keine neue "Höhle der Löwen". Und genau das ist das Problem der Show.

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Stefan Raab ist zurück. Nein, nicht mit einer x-ten Version einer Fantasie-Sportart – damit sind wir durch. Er kehrt auch nicht zu seiner "Schlag den Raab"-Show zurück, zumindest noch nicht.

2015 kehrte Raab der Show-Bühne den Rücken und dabei ist es geblieben. Denn für die neue ProSieben-Show "Das Ding des Jahres", die am Freitagabend ihren Auftakt feierte, arbeitet Raab diesmal als Produzent.

Das ist es aber dann auch schon fast an Innovationen, denn "Das Ding des Jahres" ist eine Erfinder-Show und wer in den vergangenen Jahren hin und wieder den Fernseher anhatte, weiß, dass es mit der "Höhle der Löwen" hier bereits einen Platzhirschen gibt und noch dazu einen sehr erfolgreichen.

"Die Höhle der Löwen" light

Und da man schlecht die Sendung der Konkurrenz kopieren kann, ist "Das Ding des Jahres" anders, aber weil "Die Höhle der Löwen" so erfolgreich ist, dann trotzdem ein bisschen ähnlich. So gibt es bei "Das Ding des Jahres" eine Jury und Kandidaten, die ihre Erfindungen in kurzen Präsentationen vorstellen.

Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Denn wo "Die Höhle der Löwen" bei der Jury auf Stallgeruch aus der Startup-Szene setzt, sieht es bei "Das Ding des Jahres" in puncto Expertise eher mau aus. Der einzige, der beruflich etwas mit Wirtschaft zu tun hat, ist Hans-Jürgen Moog, Geschäftsführer von Rewe.

Bei den anderen beiden Jury-Mitgliedern setzt der Sender eher auf andere Kompetenzen. Joko Winterscheidt weiß zumindest, wie man einen flotten Spruch ansetzt und über Model Lena Gercke sagt der Off-Sprecher immerhin, dass "sie sich mit Trends in Deutschland auskennt." Allerdings stellte der gleiche Sprecher sie auch als "Topmodel" und "Superstar" vor und der Zuschauer ahnt, dass hier mindestens einmal geflunkert wurde.

ProSieben baut bei "Das Ding des Jahres" also eher auf Unterhaltung statt auf Business-Simulation. Denn auch Hans-Jürgen Moog bleibt in seiner Expertenrolle eher blass. Viel mehr als ein gelegentliches "Was hat das Ganze gekostet?" kommt von Moog nicht.

Werbung statt Investitionen

Mehr muss Moog eigentlich auch nicht, denn anders als bei "Die Höhle der Löwen" geht es hier nicht um mögliche Unternehmensbeteiligungen. Der Gewinner der Show bekommt stattdessen Werbezeit bei einem Sender der ProSieben-Sat.1-Gruppe im Wert von 2,5 Millionen Euro.

Dementsprechend gibt es bei "Das Ding des Jahres" kein "Würdest du uns mal durch die Zahlen führen?" oder "Ich frage mich, inwieweit dein Produkt skalierbar ist." Stattdessen fragt Joko Sachen wie "Wie lange habt ihr daran herum getüftelt?"

Dass es bei den Produkten von "Das Ding des Jahres" nicht um wirtschaftliche Kennzahlen geht, sondern um deren Nützlichkeit, erklärt Moderatorin Janin Ullmann den Zuschauern so: "Was können Sie am besten gebrauchen." Und wenn Ullmann "am besten" sagt, dann bedeutet das, dass die Show als Wettbewerb konzipiert ist.

In jeder der insgesamt fünf Shows treten jeweils acht Erfinder im Duell gegeneinander an, das Saalpublikum entscheidet. Die vier Gewinner stellen sich dann in jeder Show noch einmal einer Finalabstimmung durch Publikum und Jury. Tippen beide gleich, kommt ein Erfinder in die Finalshow, wählen Publikum und Jury unterschiedlich, gibt es zwei Gewinner.

Kein Ding des Jahres

In der Auftaktfolge tritt dann beispielsweise der Hobby-Erfinder einer Cocktail-Mix-Maschine gegen die Besitzerin einer Werbeagentur an, die ein automatisches Messgerät für Schuhgrößen erfunden hat.

Im Gegensatz zum Cocktail-Mixer klingt das tatsächlich nach einer Erfindung, die das Leben bereichern könnte, insbesondere für Familien mit Kindern. Wenn das Gerät auch noch sagen könnte "Der steht ihnen aber wirklich gut", müssen sich Schuhverkäufer jedenfalls warm anziehen.

Sogar einen eigenen Slogan hat die Werbefachfrau mitgebracht: "Deutschland schaut in den Schuh, drum schau auch du!" Gut, man weiß natürlich nicht wie gut ihre Werbeagentur läuft. Doch trotz der professionellen Präsentation verliert der Schuhmesser am Ende gegen die Mischmaschine.

Das ist alles in allem ganz nett anzusehen, hier und da ist man auch kurz erstaunt über die eine oder andere Erfindung, aber bei "Das Ding des Jahres" hat man nie das Gefühl, dass die Macher die Sache allzu ernst nehmen, geschweige denn irgendeine Art von Wirtschaftssimulation machen wollen.

Das scheint auch Frank Thelen, einer der Juroren bei "Die Höhle der Löwen", geahnt zu haben. In einem Interview mit dem "Stern" sagte Thelen vor kurzem über die Erfolgsaussichten der Show: "Eine gute Gründershow zu machen, ist echt schwierig. Kann Stefan Raab das, obwohl er keine Erfahrung als Investor hat? Ich glaube nicht, dass er erfolgreich sein wird, weil er keine Ahnung von Startups hat."

Genau diese Expertise der Jury hat aber den Reiz von "Die Höhle der Löwen" ausgemacht. Für eine Abendunterhaltungsshow ist "Das Ding des Jahres" also maximal nett anzuschauen, das Ding des Jahres ist die Show aber mit Sicherheit eher nicht.

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