In "Comeback oder weg" schauen sich Prominente und ihre Kinder gemeinsam Dinge und Produkte an, die heute längst ausgestorben sind. Die perfekte Sendung für die tote Sendezeit vor dem "Tatort": Die RTL-Show ist schon beim Ansehen vergessen.

Das Reality-Sternchen verlangt 10.000 Euro Schmerzensgeld.

Was wäre RTL ohne Nostalgie? Seit Jahren strahlt der Sender in seiner Musikresterampe "Die ultimative Chartshow" unter wechselnden Mottos das vermeintlich Beste der 80er, 90er und von heute aus.

Auf dem Schwestersender RTLplus (der bezeichnenderweise so heißt, wie der Kölner Sender in seiner Anfangszeit) laufen die Neuauflagen alter Shows: "Der Preis ist heiß", "Ruckzuck", "Das Glücksrad".

RTL II reanimiert in genau einer Woche mit Detlef D. Soost die Nachmittagstalkshow. Die Sehnsucht nach dem Vergangenen ist ein gutes Geschäft für die Kölner Sendergruppe.

"Comeback oder weg": von YouTube geklaut

Warum sich also Neues ausdenken, wenn das Altbekannte viel besser funktioniert? Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch "Comeback oder weg" am Sonntagabend. Oder wie es der einstige Kinderstar Patrick Bach ("Anna", "Silas") in der Sendung sagt: "So ein bisschen retro, das brauchen wir doch heute wieder ein bisschen."

Die Idee zur Show ist offensichtlich diversen Formaten auf YouTube entliehen, in denen sich Kinder liebgewonnene Dinge aus der Vergangenheit anschauen und darüber wundern.

Auf RTL müssen das natürlich Prominente und ihr Nachwuchs sein. Nur so unterhaltsam wie ihre Vorbilder auf dem Videoportal sind die leider nicht.

Wie an Weihnachten sitzen Hugo Egon Balder, Janine Kunze, Verona Pooth, Guildo Horn, Silvan-Pierre Leirich, Anne-Sophie Briest und Patrick Bach mit ihren Kindern im Wohnzimmer und packen Geschenke aus. Darin die jeweiligen Gegenstände aus der Vergangenheit, die es heute nicht mehr gibt.

"Das ist etwas für armselige DJs"

Den Auftakt macht ein Kassettenrekorder. "Das ist etwas für armselige DJs", sagt Pooths Sohn. Der Rest dreht das Gerät nur ungläubig zwischen den Händen.

Janine Kunzes Tochter erklärt zunächst, sie habe als Kind auch noch Kassetten gehört. Scheitert sehr zur Schadenfreude ihrer Mutter aber schon daran, die Hülle des Tapes zu öffnen. Der Rest ist noch erfolgloser. Sie mühen sich ab, können aber mit dem klobigen Ding nicht viel anfangen.

Womit wir schon beim Highlight dieser Show wären: ein paar Heranwachsenden beim Versuch eine Kassette einzulegen zuzusehen.

Nachdem sie genug von der Technik ihrer Eltern haben, stimmen sie schließlich getreu dem Titel der Sendung ab, ob der Ghettoblaster ein Comeback verdient. Ungeachtet dessen, dass die Kassette in einem Nischenmarkt bereits seit einigen Jahren wieder zurück ist. Die Kinder der Promis entscheiden sich trotzdem dagegen.

"Jo, links du Opfer!"

So geht das eine Stunde lang weiter. Unter anderem versuchen die Stars und ihr Nachwuchs einen alten Amiga-Computer anzuschließen und wundern sich über die rudimentäre Grafik der damaligen Spiele, halten den Joystick falsch herum oder kommentieren die Games wortgewaltig mit: "Jo, links du Opfer!"

Oder sie rätseln über alte Taschenkameras und die ausgestorbene Jugendzeitschrift "Pop Rocky".

Unterbrochen wird das immer wieder durch wild durcheinander geworfene Einspieler aus der Vergangenheit. Der "Isch 'abe gar kein Auto"-Italiener, "Die Milch macht’s" oder wahllose Musik, deren einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie heute peinlich sein soll. Weil sie alt ist.

Zu Blümchen kommentiert ein Kind beispielsweise: "Das schlimmste, was ich je gehört habe."

"Comeback oder weg" tut niemandem weh

Das ist im Kosmos des Senders, der sonst gerne vermeintliche Superstars und Supertalente zusammenfaltet, erfrischend brav. Aber so egal, wie Fernsehen nur sein kann.

Das perfekte Format für die tote Sendezeit am Sonntagabend vor den Nachrichten und dem "Tatort". Tut niemandem weh, ist bereits während des Sehens vergessen und bügeln lässt sich mit Sicherheit auch wunderbar dazu. Eben ganz getreu dem Formatradio mit dem Besten aus den 80ern, 90ern und von heute. Das ist für die meisten auch nur ein Hintergrundrauschen.

Nur sonderlich spannend ist es nicht.