Nach vier Jahren und 136 Folgen beenden Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf ihren “Circus HalliGalli”. Kritiker des pubertären Humors werden aufatmen. Doch so respektlos wie das Moderatoren-Duo ist sonst niemand im deutschen Fernsehen - und das wird fehlen.

Die große Stärke von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf liegt nicht etwa darin, sich auf immer abstrusere Weise zu quälen. Dabei zuzuschauen, wie sich der andere vor Pein schüttelt, den Finger in den Hals steckt oder vor Scham die Kamera mit der Hand verdeckt.

Es ist die Fähigkeit, über die eigene Dummheit und die des anderen zu lachen - und zwar so herzhaft, dass es nie aufgesetzt wirkt und vor allem: unterhaltsam ist.

Das haben sie mit dem Vorbild ihrer endlosen Rivalität, das auch “Circus HalliGalli” über die letzten vier Jahre bestimmte, gemein: “Jackass”. Jener MTV-Show, die in 00er-Jahren Teenager auf der ganzen Welt dazu brachte, in Einkaufswagen in die Hecken ihrer Nachbarn zu fahren und sich Orangen in den Schritt zu werfen - und das auch noch lustig zu finden.

Natürlich ist “Circus HalliGalli” der Form nach eine Late Night Show. Es gibt einen Schreibtisch, eine Couch, Gäste und vernachlässigbare Rubriken. Und wie in Deutschland üblich, läuft sie nur einmal die Woche - was das Konzept dieser Sendeform ad absurdum führt.

Doch der eigentliche Kern der Show waren immer die Wettkämpfe der beiden Moderatoren, die sich dabei filmten, wie sie sich auf mal absurde, mal obszöne, auf jeden Fall aber alberne Art und Weise quälten. Und das schon wesentlich länger als seit “Circus HalliGalli”.

Joko und Klaas' Humor ist nicht alterslos

2009 begannen Winterscheidt und Heufer-Umlauf ihre gemeinsame Karriere bei “MTV Home” (2009 bis 2011). Die Blaupause für alle folgenden Sendungen der beiden.

So ausgelassen feiern Joko, Palina und Co. den Abschied ihrer Show.

Egal, ob sie den Sender wechselten - Winterscheidt und Heufer-Umlauf machten einfach so weiter wie bisher. Zuerst bei “Neo Paradise” (ZDF neo, 2011 bis 2013), danach im “Circus HalliGalli” (ProSieben, ab 2013). Die beiden gaben sich nicht einmal die Mühe, die immer wiederkehrenden Rubriken wie “Wenn ich du wäre …” umzubenennen. Nur die Namen der Shows änderten sich.

Acht Jahre später zeigt dieses Konzept Ermüdungserscheinungen. Überraschend, dass es überhaupt so lange überdauert hat.

Denn natürlich ist der Humor von Joko und Klaas nicht alterslos. Der Großteil ihres Publikum sind junge Erwachsene - und die sind nicht mit ihnen alt geworden.

Das zeigen zumindest die Quoten der Show, die von Ausgabe zu Ausgabe immer schlechter wurden. Selbst ein Wechsel vom Montag- auf den Dienstagabend konnte die Talfahrt nicht beenden.

Die Zuschauer sind der geistigen Pubertät entwachsen. Winterscheidt und Heufer-Umlauf nicht. Die Konsequenz konnte nur sein, die Show zu beenden, um nicht - wie Stefan Raab - lustlos immer weiter zu machen, weil es der Sender eben so will.

Ihr Umgang mit dem Medium Fernsehen wird fehlen

Also verschwindet jetzt nach vier Jahren “Circus HalliGalli” vom Bildschirm. Was durchaus mit Wehmut zu betrachten ist.

Zum Abschied die besten Szenen aus vier Jahren Show-Circus.

Die Respektlosigkeit und Detailverliebtheit von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf im Umgang mit dem Medium Fernsehen (Anzeige) wird fehlen.

In jeder Ausgabe von “Circus HalliGalli” steckten mehr Ideen als im ganzen Programm eines öffentlich-rechtlichen Senders. Nichts nahmen die beiden als gegeben hin, alles wurde in Frage gestellt.

Winterscheidt und Heufer-Umlauf arbeiteten permanent daran, das Medium und seine Lächerlichkeiten in Frage zu stellen. Von wem lässt sich das im deutschen Fernsehen schon sagen? Die Antwort ist leider: von niemandem sonst.

Nicht bis in alle Ewigkeit Furzwitze

Und genau aus diesem Grund ist es eben doch ein Verlust, dass “Circus HalliGalli” am Dienstagabend das Zeitliche segnet. Zwar sind Winterscheidt und Heufer-Umlauf längst mit ihren Samstagabendshows, die alle nach dem gewohnten Schema der beiden ablaufen, im Hauptprogramm von ProSieben angekommen. Doch mehr Sendezeit bedeutet eben nicht zwangsläufig eine bessere Sendung.

Und die Quälereien der beiden über den Globus zu verteilen, steigert nicht die Qualität des Inhalts. Größer ist nicht immer besser.

Aber letztlich bleibt dem Moderatorenduo nichts anderes übrig. Sie können nicht bis in alle Ewigkeit Furz- und Kotzwitzartisten bleiben. Ab einem gewissen Alter wirkt das albern. Im negativen Sinn.

Auch Johnny Knoxville und seine “Jackass”-Crew mussten das erkennen und fahren nicht mehr mit Einkaufswagen in die Hecke der Nachbarn. Eine wirkliche Karriere gelang allerdings keinem der Protagonisten nach dem Ende der Show.

Bei Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf steht das nicht zu befürchten. Sie haben bei ProSieben die gleiche Narrenfreiheit wie einst Stefan Raab. Hoffen wir, dass sie etwas daraus machen.