Bei RTLs neuer Samstagabendshow verkleiden sich Promis als ihre Musikidole und treten dann mit ihren Lieblingssongs auf. Motsi Mabuse, Guido Maria Kretschmer und Michelle Hunziker müssen raten, wer hinter den aufwendigen Maskierungen steckt. Das könnte funktionieren, gäbe es da nicht ein kleines Problem.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

Promis singen maskiert und ein prominentes Rateteam muss herausfinden, wer hinter den Verkleidungen steckt. Welche TV-Show könnte das sein? Wer jetzt instinktiv denkt: Mensch, das klingt doch nach ProSiebens "The Masked Singer", der liegt vollkommen richtig. Aber seit Samstagabend gibt es eine weitere Show, auf die genau diese Beschreibung ebenfalls passt.

"Big Performance" heißt die Brainpool-Produktion und wenn man sich nach dem Erfolg oder wegen des Erfolgs von "The Masked Singer" traut, eine Show mit einem derart ähnlichen Konzept zu machen, dann muss man sich wirklich Mühe geben. Sonst läuft man Gefahr, sich vor sich selbst und vor dem Zuschauer zu blamieren.

"Big Performance": Vier Promis verwandeln sich in ihren Lieblingssänger

"Big Performance" versucht es auf diese Weise: Vier Promis verwandeln sich mit der Hilfe von Maskenbildnern in ihren Lieblingssänger oder ihre Lieblingssängerin. In der ersten Ausgabe sind das Jennifer Lopez, Adele, Prince und Tom Jones. In dieser Kostümierung treten sie dann in der Show auf, zuerst mit Vollplayback und dann mit ihren eigenen Stimmen.

Das Studio-Publikum stimmt über die Auftritte ab und schickt die Kandidaten dann noch einmal in zwei Duelle. Am Ende entscheidet die Jury aus Motsi Mabuse, Michelle Hunziker und Guido Maria Kretschmer, wer ausscheidet und seine Maske abnehmen muss. In der nächsten Show rückt dann ein neuer Promi für den Ausgeschiedenen nach.

"Big Performance": Wer steckt unter den "Special-Effect-Masken"?

Beim genaueren Hinsehen sind die Überschneidungen zwischen "The Masked Singer" und "Big Performance" also noch offensichtlicher – und pikanter. Denn als seinerzeit die Rechte an "The Masked Singer" vergeben wurden, wollte auch RTL die Show, nur bekam ProSieben damals den Zuschlag.

Umso interessanter ist es daher, wenn RTL zum Start der Show twittert: "'Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung.' (Oscar Wilde) Jetzt um 20.15 Uhr #BigPerformance - Wer ist der Star im Star?" Mit Prince, Adele Adkins, Tom Jones und J.Lo." Da weiß man dann nicht genau, wen RTL damit meint: die Stars, die ihre Idole nachahmen oder RTL, das ProSieben nachahmt.

Unabhängig von dieser Vorgeschichte stellt sich bei so viel Ähnlichkeiten die Frage: Kommt "Big Performance" an "The Masked Singer" heran oder ist die neue Show vielleicht sogar besser? Schließlich war auch bei der ProSieben-Show nicht alles optimal, zum Beispiel die oft genug aufgesetzt wirkende Raterei der Promi-Jury.

Wie also schlägt sich "Big Performance"? Der Hauptunterschied zwischen den beiden Shows liegt darin, dass RTL seine singenden Promis nicht unter Masken versteckt, sondern hinter Schminke. Diese aufwendigen "Special-Effect-Masken" gelingen mal gut, wie bei Tom Jones, mal weniger gut, wie bei Adele.

Doch egal, wie gut die Promis auch hergerichtet wurden: RTL geht damit ein bisschen mehr ins Risiko als die Konkurrenz, denn die Raterei fällt hier deutlich leichter, weil man etwas Mimik, den Sprachhabitus und die Augengestik mitbekommt. Weil aber gerade das Mitraten den Reiz der Show ausmacht, geht hier der Punkt eindeutig an das Original.

Warum die Kopie, wenn es auch das Original gibt?

Das Gleiche gilt für das Drumherum. Hier war alles ein bisschen kleiner und auch die im Titel versprochene "Big Performance" blieb zumindest in der Auftaktfolge aus. Das mag vielleicht auch ein bisschen daran liegen, dass die maskierten Promis zuerst im Vollplayback singen, ehe man ihre eigenen Stimmen hören kann.

Brainpool erhofft sich, dass dadurch das "Ratespiel weiter angeheizt" wird, ein solcher Effekt ließ sich aber nicht beobachten. Erst recht nicht bei der Jury, denn Mabuse, Hunziker und Kretschmer fanden ohnehin alles super und vollführten einen etwas zu offensichtlichen Tanz um ihre Gedanken. Dass die Show im Gegensatz zur Konkurrenz nicht live gesendet wird, macht die Raterei der Jury nicht unbedingt authentischer.

Und so ähnlich sich die beiden Shows sind, so sehr ähneln sie sich auch bei der Auflösung – mit einem kleinen Unterschied. Wo sich bei "The Masked Singer" die Promis unnötig lange die Maske vom Kopf ziehen, muss bei "Big Performance" ein Team von Maskenbildnern dem Promi-Sänger auf dem "Maskenstuhl" mühsam den Kleister vom Gesicht friemeln. Das sieht ein bisschen eklig aus, sorgt aber immerhin für einen nostalgischen "Dalli-Klick"-Moment, wenn sich ganz langsam ein Bild zusammenfügt. In der Auftaktfolge steckte Sänger Prince Damien unter der Prince-Maske.

Der Glanz der Show: Daniel Hartwich

Auf der Habenseite der Show steht immerhin die Moderation von Daniel Hartwich, denn Daniel Hartwich ist eben Daniel Hartwich, will heißen: Egal, wie gut oder schlecht eine Show ist, Hartwich kriegt mit seiner flapsigen Attitüde und den schnoddrigen Sprüchen immer Stimmung rein.

Am Ende hilft aber auch das nicht, denn die große Schwäche der Show kann selbst Hartwich nicht wegmoderieren. "Big Performance" ist nunmal eine Kopie von "The Masked Singer". Für sich alleine könnte "Big Performance" vielleicht funktionieren, wäre vielleicht eine ganz gute Show. So aber hat man als Zuschauer ständig das Original im Kopf – das nun mal in allen Bereichen besser ist.

"Big Performance": Seit 12. September drei Folgen immer samstags um 20.15 Uhr bei RTL