Waschmaschinen-Experimente, ein Weitsprung-Wettbewerb und eine Ulk-Beerdingung: Mit langweiligen Gaga-Shows wollte Joko Winterscheidt am Samstagabend seinen Titel bei "Die beste Show der Welt" verteidigen. Etwas mehr Satire-Biss legte Klaas Heufer-Umlauf an den Tag und zeigte, was die Show einmal ausgezeichnet hat.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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"Die beste Show der Welt" war einmal das Innovativste und Raffinierteste, was das deutsche Fernsehen zu bieten hatte. Zumindest für einen kurzen Moment. Das war am 30. April 2016 und es war die allererste Folge der Show.

Das Raffinierte daran war, dass sie zum einen als ganz normale Unterhaltungsshow funktionierte, in der der Zuschauer nicht nur eine, sondern gleich acht Shows präsentiert bekam. Viel Unterhaltung zum kleinen Preis.

Noch viel besser aber funktionierte "Die beste Show der Welt" als große Mediensatire. Vor allem Klaas Heufer-Umlauf lotete mit seinen Shows aus, was Fernsehen alles kann, was Fernsehen alles darf und ganz besonders, was Kandidaten und Publikum alles mitmachen, bis sie die Show per Abstimmung absetzen.

Joko beerdigt Klaas

Inzwischen funktioniert "Die beste Show der Welt" aber in der Regel nur noch als ganz normale Unterhaltungsshow, wenn auch als eine der innovativsten am Samstagabend. Die ganz große Satire findet indes nur noch selten statt. Zumindest bis zum gestrigen Abend.

Es war wieder Klaas Heufer-Umlauf, der der Show ihre Bissigkeit zurückgab. Sein Kollege Joko Winterscheidt schien stattdessen mehr Gefallen daran zu finden, vor allem Gaga-Shows zu produzieren. Dabei fing auch er vielversprechend an.

In seiner ersten Show "Zwei Promis & ein Todesfall" sollte sein Kollege Klaas seine eigene Beerdigung vorbereiten. Winterscheidt ist sich sicher: "In diesem Thema steckt ein sehr großer Unterhaltungswert." In der Tat birgt die Idee ein Riesenpotenzial, Tabus zu brechen und bis an die Grenze des Erträglichen zu gehen – wenn man es denn machen würde.

Doch Winterscheidt kneift, macht statt Satire nur ein laues Gag-Feuerwerk. Es beginnt noch ein wenig provokant, als Heufer-Umlauf seinen eigenen Sarg aussuchen und Probe liegen soll, doch je länger das Ganze dauert, desto mehr läuft es auf völlig ironiefreien Klamauk hinaus. Am Ende liegt Klaas in einem Pappsarg im Studio während Promi-Kollegen Jux-Abschiede in die Kamera sprechen.

Der Idee fehlte es an allem: an Zynismus, Ironie, Radikalität, Geschmacklosigkeit. Statt großer Satire gab es das übliche durch den Kakao-Geziehe. Auch in seinen beiden anderen Shows setzt Winterscheidt lieber auf Klamauk und Nonsens.

Wasserrutschen – ernsthaft?

Bei "Wie weit fliegt meine Familie?" müssen zwei Familien in einem Freibad von verschiedenen Rutschen, Luftkissen oder Ähnlichem ins Wasser springen, flutschen oder schleudern. Das war alles und ist in der Tat so dröge wie es klingt. Bei Show Nummer drei ist Winterscheidt noch langweiliger, macht Experimente mit Waschmaschinen, die Kandidaten müssen deren Ausgang erraten.

Heufer-Umlauf hingegen ist komplett auf Schmerzgrenze gebürstet. In seiner zweiten Show "Liebe macht blind und taub" will ein Kandidat seine Freundin überraschen und ihr einen Heiratsantrag im Studio machen. Was beide nicht wissen: Während er eine Augenbinde bekommt, muss seine Freundin einen Kopfhörer tragen.

Was der Zuschauer dann zu sehen bekommt, ist zum einen ulkig anzusehen, wenn der Kandidat etwa auf dem Weg zu seiner tauben Freundin sämtliche Deko umschmeißt, um sich dann drei Meter von ihr entfernt für den Antrag hinzuknien, den sie dann aber gar nicht hören kann.

Viel Spannender aber ist die Frage, ob und wenn ja wie lange seine Freundin den Spaß mitmacht oder ob sie irgendwann hinschmeißt, weil sie sich ihre Verlobung anders vorgestellt hat. Doch die ist lediglich irritiert: "Ich kann nicht glauben, dass wir jetzt heiraten werden … wahrscheinlich", mutmaßt sie irgendwann, als ihr der Zweck des Ganzen dämmert. Am Ende macht sie den Spaß aber bis zur tatsächlichen Vermählung im Studio mit.

Taub-blinde Hochzeit gewinnt

Eine Hochzeit im Fernsehen zur Unterhaltung anderer – noch nie wurde das so konsequent umgesetzt wie hier. Zumindest fast, denn Klaas zieht das Ganze zwar durch, aber nicht bis zum Ende. Da dürfen die beiden für das Ja-Wort dann doch Kopfhörer und Augenbinde abnehmen.

Weniger Angst vor der eigenen Courage hat Heufer-Umlauf bei seinen anderen Shows. In "Wo bin ich? Was mach ich hier?" lebt der Moderator sein Faible für Schadenfreude und Sadismus aus, indem er ahnungslose ProSieben-Besucher ohne deren Wissen ins Studio bringt, die dort dann ohne irgendeine Erklärung eine Aufgabe erfüllen müssen.

In seiner letzten Show steuert eine Kandidatin seinen Kollegen Winterscheidt durch einen Hindernis-Parcours, je häufiger Winterscheidt gegen Hindernisse läuft, desto mehr Geld gibt es. Das ist vielleicht nicht die größte Satire der Welt, lotet aber immerhin ein bisschen mehr die Grenzen dessen aus, was Menschen für Geld so alles machen.

Ob es an diesen Grenzgängen oder an der schlussendlich doch romantisch geratenen Hochzeit lag, ist Spekulation, die Zuschauer jedenfalls entscheiden sich mehrheitlich für Heufer-Umlaufs "Liebe macht blind und taub" als beste Show der Welt.

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