In der kommenden Woche verabschiedet sich Stefan Raab endgültig aus dem Fernsehen. Auch wenn ihm in dem letzten Jahren oft Lustlosigkeit vorgeworfen wurde: Das vierstündige Best-of von "TV Total" zeigt, wie gut der Moderator immer noch ist.

Nein, natürlich hat Stefan Raab nichts gesagt. Kein Wort darüber, dass die kommende Woche seine letzte im Fernsehen sein wird. Das übernimmt ProSieben. In gefühlt jeder der unzähligen Werbepausen des vierstündigen Best-ofs von "TV Total" weist der Sender in martialischen Spots auf das Ende einer Ära hin.

Noch drei Mal "TV Total" und dann "Schlag den Raab". Der Moderator geht in die selbstgewählte Rente und beendet seine Fernsehkarriere.

Als die Nachricht vor einigen Monaten die Runde machte, war der Schock erst groß, dicht gefolgt von der Erkenntnis, dass Raab seine beste Zeit lange hinter sich habe. Die Quoten schwächeln, in seiner seit 16 Jahren laufenden Late Night Show wirke er oft zerfahren und lustlos.

In den Höhepunkten dieses Jahres ist das anders. Fünfzig Clips mit Pannen aus dem Fernsehen spult ProSieben am Freitagabend im Countdown ab. Elefanten, die Autos rammeln, Wurst essende Trucker, Frauen, die im Shopping-Kanal hyperventilieren.

Die Essenz dessen, was Raabs Show einmal ausmachte: Den gesammelten Schund des deutschen Fernsehens zerpflücken und etwas Neues, Unterhaltsameres daraus formen.

Comedians, YouTube-Stars und Tierbabys

In den letzten Jahren ist der Anteil dieser Clips in der Show aber immer weniger geworden. Am besser liegenden Fernsehprogramm kann es nicht liegen. Stattdessen verschob sich "TV Total" immer mehr in Richtung Late Night Show.

Das Problem ist nur: Raab ist weder ein guter Stand-up-Comedian noch ein halbwegs akzeptabler Interviewer. Also beinhaltet der Rückblick vor allem die Höhepunkte aus Studiogästen, Comedians, putzigen Babytieren.

Aber man muss zugestehen, dass Raab immer noch geniale Momente hat. Etwa wenn er Pep Guardiolas Sätze aus der Pressekonferenz des FC Bayern München mit Ravels Bolero unterlegt. Oder als Ralph Möller live im Studio Arnold Schwarzenegger per Videochat anruft. Da merkt man, dass Raab es durchaus noch könnte - wenn er denn wollte.

Schuld an der Krise von "TV Total" ist deren Erfolg. Stefan Raab brilliert vor allem immer dann, wenn er unschuldige Passanten in die Mangel nimmt. Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad war das nicht mehr möglich.

Raab stattete daraufhin Mitarbeiter mit Mikrofonen aus und dirigierte sie. Etwa seinen Sidekick Elton oder auch "Opa Willi", der im zweiten Teil des Best-ofs als Türsteher Clubbesucher beschimpft.

In den letzten Jahren biederte sich Raab dann vermehrt dem immer jünger werdenden Publikum ProSiebens an und lud YouTube-Stars ein. Die älteren Fans vergraulte er damit. Sie konnten mit diesen Menschen, die Beauty-Produkte in die Kamera halten, nichts anfangen.

Außerdem erinnerten sie sich nur allzu gut, wie anarchisch Raab einmal war.

Bloß nicht aufgeben

Für sie ist wohl die zweite Hälfte der Highlights von "TV Total" gedacht. In der Rubriken wie "Raab in Gefahr" und das "Raabigramm" auferstehen. Da erlebt der Zuschauer den Moderator in seiner Blütezeit. Etwa, wie er sich von einem Karatelehrer vermöbeln lässt.

Schon da ist sein Ehrgeiz nicht zu übersehen. Raab schreit und windet sich, während der Kampfsportler seine Nervenenden malträtiert. In einem anderen Clip entgleiten dem Moderator in einem Kunstflieger alle Gesichtszüge. Aber natürlich gibt er nicht auf. Dieser verbissene Willen lieferte später die Grundlade für die Show "Schlag den Raab".

Die absoluten Höhepunkte aus 16 Jahren "TV Total" aber sind Raabs musikalische Ausflüge. Mit Will Smith singt er "Men In Black", über beide Zahnreihen grinsend. Die RTL-Wetterfee Maxie Biewer unterlegt er mit Hip-Hop-Beats.

Aus einem einzelnen Wort bei "Barbara Salesch" entwickelte er einen Nummer-eins-Hit: "Maschendrahtzaun". Man muss neidlos anerkennen, dass sich in den letzten Jahrzehnten sich im Fernsehen kaum jemand so viel getraut hat wie Stefan Raab.

Und während die Top 20 mit immer älteren und besseren Ausschnitten weiter zur Spitze hin strebt, der Moderator mit James Brown singt oder Stars wie Rihanna und Til Schweiger nach Sekunden schon wieder von der Bühne schickt, wird auch dem letzten klar, wie gut Stefan Raab einmal war.

Und wie sehr er fehlen wird.