Wenn wenig witzige Wortwolken über beziehungsbedürftige Bauern brausen, dann läuft wieder "Bauer sucht Frau". Bei der gestrigen Pferde-Ausgabe überzog RTLs Stabreim-Magierin Inka Bause das Land wieder mit ihren Alliterationen und suchte für Ponyhof-Besitzer die große Liebe. Doch diesmal ist irgendetwas anders.

Hach, das Landleben. Weit draußen vor den Toren der Stadt, wo alles noch in Ordnung ist. Wo sich Fuchs und Hase nicht nur gute Nacht sagen, sondern auch noch gegenseitig in die Schlafanzüge helfen. Keine Hektik, kein Burnout, kein Mietpreiswucher.

Beim Festival triumphiert Sozial-Drama von Ken Loach.

Das Volk lechzt nach der guten alten Zeit, als die Gummistiefel noch aus Holz waren und man mit Alpenglühen noch Sonnenuntergänge verband und weniger das Schmelzen der Gletscher. Inzwischen hat sich sogar ein ganzes Zeitschriften-Segment um diese Landromantik-Sehnsucht aufgebaut. Wer heute als Großstädter den Duft nach Heuboden und Selbstgebackenem vermisst, der blättert in der "Landlust", der "Landleben" oder was der Kiosk sonst noch so alles an idyllischen Land-Zeitschriften hergibt.

Lieber Land statt Stadt

Landleben, das ist in der Vorstellung vieler Romantik pur und wenn jemand beides zusammenbringen kann, dann sind das RTL und Inka Bause. Seit 2005 helfen die beiden vermählungswilligen Landwirten bei der Suche nach der Liebe. Das Bild, das der Sender dabei von den Kandidaten zeichnet, ist oft genauso schlicht wie die Präsentation der bäuerlichen Betriebe. Für die Konsequenzen der konventionellen Landwirtschaft oder den Existenzkampf der Milchbauern ist kein Platz bei "Bauer sucht Frau".

Das alleine ist zwar auch nicht das ganze Bild der Landwirtschaft, aber es gehört eben oft genug dazu. Nur nicht für RTL - und das ist ja auch in Ordnung. Zu einer Partnervermittlungssendung passen eben nicht Milchquoten und Bodenbelastung, sondern Herzchen und Kitsch. Außerdem klingt "Arie, der holländische Hufschmied" natürlich auch viel drolliger als "Michi, der mästende Massentierhalter" oder "Norbert, der notorische Nitrat-Nebler".

Zwei sind einer zu viel

Nein, Landleben ist gefälligst Romantik pur und an der Spitze der Landromantik-Pyramide steht nicht der Schweinestall, sondern die Pferdekoppel. Also dreht RTL eine Pferdehof-Ausgabe von "Bauer sucht Frau" und versieht das Ganze mit dem Hammer-Wortspiel "Das Leben ist (k)ein Ponyhof". Warum das Leben kein Ponyhof ist oder vielleicht doch einer, wird nicht so ganz klar, aber Hauptsache, der Zuschauer kapiert, dass es diesmal pferdiger ist als sonst bei "Bauer sucht Frau".

Fünf Pferdehof-Besitzer will RTL in den nächsten Wochen unter die Haube bringen, vier davon wurden in der gestrigen Auftaktfolge vorgestellt. Da sind "Sunnyboy" Jürgen, Ponyhof-Besitzerin Angie, der Holländer Arie und das "Westerngirl" Katrin aus Thüringen. Alle haben sich via RTL nach Liebeskandidaten umgeguckt und die engere Auswahl auf ihre Höfe geladen. Beim Kennenlernen vor Ort geht dabei jeder Kandidat seinen eigenen Weg.

Ranch-Besitzerin Katrin zum Beispiel hat zwei Herren zu sich auf den Hof bestellt und setzt bei der finalen Auswahl offenbar auf das Prinzip "Vielleicht machen die beiden das einfach unter sich aus". Zumindest bringt sie die beiden Bewerber im selben Zimmer unter. Pferdehofbesitzer Jürgen geht da schon subtiler vor.

Gesundheit!

Er holt seine Auserwählten mit dem Pick-up ab. So weit nichts Ungewöhnliches, nur müssen die beiden Damen auf der mit Heu beladenen Ladefläche zurückfahren, weil Jürgen herausfinden will, ob die Frauen überhaupt tauglich für den Pferdehof sind: "Um zu testen, ob meine Frauen überhaupt für den Hof gebraucht werden können, müssen sie sich auf dem Pick-up direkt in frisches Heu begeben. Wenn die erste einen Heuschnupfen-Anfall oder sonst keine Luft mehr bekommt, dann war's das."

Gut, er hätte die beiden einfach nach irgendwelchen Allergien fragen können, aber vielleicht war das den Redakteuren der Produktionsfirma ein bisschen zu wenig Action. Da ist "die quirlige Angie" schon kooperativer und tollt mit ihrem Albert so richtig schön durchs Heu, dass es sich Jan Böhmermann nicht besser hätte ausdenken können.

Eine ganz neue Note bei "Bauer sucht Frau"

Auch die Pferde-Ausgabe von "Bauer sucht Frau – Das Leben ist (k)ein Ponyhof" lässt kaum ein Klischee aus. Und Inka Bause begleitet die ganze Landidyll-Romantik-Sause wieder in ihren syntaktisch simplen Sätzen, Hauptsache, die Alliteration sitzt: "Auch beim holländischen Hufschmied herrscht traute Dreisamkeit." Hut ab vor einem solchen phonetischen Feuerwerk!

Und natürlich wurde man auch gestern Abend nie den Eindruck los, dass die eine oder andere Szene nicht ganz so spontan ist, wie man den Zuschauer glauben machen will. Aber auch wenn man nicht unbedingt den Eindruck hatte, dass RTL in der gestrigen Folge einen seiner Kandidaten als Vollidioten dastehen lassen will, ist seit Jan Böhmermanns Kandidaten-Einschleusung bei "Schwiegertochter gesucht" auch bei "Bauer sucht Frau" einfach eine ganz neue Note drin.