Bei "Bauer sucht Frau" kommen sich die Paare traditionell im Schweinstall näher. Wären da nur nicht die Gesangseinlagen, eine riesige Sau und ein Popsternchen aus den 1990-ern.

Wenige Minuten, bevor die zweite Folge von "Bauer sucht Frau" auf Sendung geht, sitzt auf ProSieben Homer Simpson vorm Fernseher. Er schaut Eisangeln. Die gelbe Zeichentrickfigur im Bildschirm sagt: "Das hier ist Eisangeln. Das ist authentisch. So leben wir eben. So wie es uns das Drehbuch vorschreibt." Eigentlich könnte man sich ab hier jedes weitere Wort sparen. Denn genau darum geht es bei "Bauer sucht Frau": echte Liebe. Romantik. Und zwar so, wie sie sich die Redakteure einer Produktionsgesellschaft vorstellen, wenn sie der langweiligen Realität auf die Sprünge helfen.

"Bauer sucht Frau" geht in seine zehnte Staffel. Und eigentlich ist es so wie immer: lüsterne Bauern treffen in einem kaum zu ertragenden Format auf verzweifelte Frauen mit Dialogen direkt aus dem Poesiealbum. Eines ist aber neu: Für einen der Landwirte ist bereits in der ersten Folge Schluss.

Aber nach zehn Jahren gehen wohl auch den Verantwortlichen bei RTL die Ideen aus. Spannung am Abend sieht anders aus. "Bauer sucht Frau" 2014 ist vor allem eines: unfreiwillig komisch. Karlheinz und Louise etwa nennen sich bereits nach der ersten Nacht "Schatz". Nach einer getrennt verbrachten Nacht, wohlgemerkt. Dann geht es zum obligatorischen Mist schaufeln in den Schweinestall. Die beiden sehen dabei in ihren Schutzanzügen aus wie eine Mischung aus Gartenzwerg und Castor-Transport. Dazu brummt fröhlich ein Bud-Spencer-Liedchen im Hintergrund. Und während Louise einen ordentlichen Schweinehaufen wegschaufelt, sagt Inka Bause: "Sie zeigt viel Gefühl." Also alles im Lot. Läuft es mit der Scheiße, läuft es auch mit dem Bauern.

"Mein Name ist Karlheinz und ich suche eine Frau"

Dass Karlheinz auch viel Gefühl hat, beweist er wenig später. Vor den versammelten Freunden stimmt er ein Liedchen an. Kleine Kostprobe gefällig? "Mein Name ist Karlheinz und ich suche eine Frau." So weit, so richtig. "Und ein bisschen abgefahren soll sie sein, so wie ich, gestatten, Karlheinz." Wer sich bei diesen schiefen Tönen keine Heugabel quer durch den Gehörgang jagt, muss wirklich ein echter Freund sein. Oder stocktaub. Louise ist offenbar beides, sie ist begeistert.

Noch mehr Romantik kommt bei Gunther und Jenny auf. Sie bürsten eine riesige Sau. Also wirklich, das ist jetzt nicht als Metapher zu verstehen. Sie bürsten eine riesige Sau. Als Gunther erfährt, dass seine neue bessere Hälfte (also Jenny, nicht die Sau) arbeiten will und den Haushalt schmeißen, ist er begeistert. Da hat er das mit der Emanzipation die vergangenen Jahren ganz falsch verstanden. Gleichberechtigung, das heißt, dass die Frau nicht nur putzt, sondern auch das Geld nach Hause bringt! Wäre er doch bloß früher zu "Bauer sucht Frau" gegangen!

Dreams sind seine Reality

Das wünscht sich mit Sicherheit auch der Vater von Ralf, der nun erleben darf, wie sein Sohn mit 38 Jahren das erste Mal in seinem Leben eine Frau mit nach Hause bringt. Der steht verträumt an der Bushaltestelle und wartet auf Ursula. Dazu läuft der alte Schmachtfetzen "Dreams Are My Reality". Welche Frau würde sich da nicht sofort die Kleider vom Leib reißen?

Aber Ralf hat ein dunkles Geheimnis. Dass die vergangenen 38 Jahre Sense in Sachen Liebe war, hat einen Grund: Ralf ist Blümchen-Fan. Also nicht von denen auf der Wiese, das wäre noch irgendwie akzeptabel, nein, von dem 1990er-Jahre-Techno-Girlie Jasmin Wagner. Das hat sich wie ein Boom Boom Boom Boom Boomerang immer wieder in sein Herz geschlichen. Die ganzen einsamen Jahre. Dass sich da viel aufstaut, zeigt er bei jeder Gelegenheit. Selbst harmlose Küsse mit Ursula sehen aus, als bekämen ihre Mandeln eine Thai-Massage.

"Schweiß ist doch kein Gift. Das kommt von mir selber"

Doch "Bauer sucht Frau" wäre nicht die Show direkt aus der ländlichen Hölle, wenn man das nicht auch noch toppen könnte. Bei Schäfer Rainer ist Notstand angesagt. Ihm steht nicht nur der Hirtenstab sondern auch die Libido bis unter den Schlapphut. Beim Hoffest langte er schon Moderatorin Inka Bause an den Hintern, in der Kuppel-Show fummelt er an Krankenschwester Heike herum, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Glücklicherweise ist die nicht wählerisch, ist sie doch bereits zum zweiten Mal bei "Bauer sucht Frau".

Beim Picknick knabbern sie an einer Brezel, dazwischen wird noch mehr gegrabscht. Erst als sie erfährt, dass der Schäfer sich nur alle zwei Tage duscht, kommt ihr fast das Laugengebäck wieder hoch. Rainer kann das allerdings einleuchtend erklären: "Schweiß ist doch kein Gift, Schweiß ist von mir selber." Das überzeugt auch Heike. Wenige Minuten später klemmt er sich an sie und sagt in die Kamera: "Ich glaub, ich hab schon Schmetterlinge im Bauch." Die hat er mit Sicherheit. Aber eindeutig in tieferen Regionen.