Sucht der Bauer eine Frau, nimmt er die Regeln nicht genau: Auf der Suche nach Inhalt hat "Bauer sucht Frau" in Folge fünf die Bauernregel für sich entdeckt. Das ist insofern spannend, als dass es zwar nur eine gibt, sich bis auf einen Bauern aber keiner daran hält. Für so etwas wie eine Handlung reicht das RTL allemal.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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"Zwischen heftigen Krisen und innigen Küssen ist heute alles möglich", erklärt Inka Bause diesmal in ihrem obligatorischen Einstiegsständchen. Okay, das ist jetzt so banal wie es nur geht, aber in der Sache sollte die Bause diesmal Recht behalten.

Was alles möglich ist, zeigt nämlich gleich einmal Bauer Dirk im Sauerland. Dirk macht Frühstück für seinen Übernachtungsgast Lena und das bringt ihn offenbar so aus der Fassung, dass er den Toast anbrennen lässt.

"Ich war so aufgeregt, seit langem mal wieder eine Frau zu haben, die mit mir frühstückt. Und dann habe ich statt Toast Briketts gemacht", erklärt der Bauer sein Missgeschick und man fragt sich als Zuschauer, wie diese ganze Situation wohl abgelaufen sein mag.

Sitzt da das ganze Produktionsteam in der Küche und guckt auf den Toaster, bis die Scheiben endlich schwarz sind, damit man so etwas wie eine Geschichte hat?

Picknick? Ist nicht

Während beim Frühstück machen also eine gewisse Lockerheit herrscht, zeigt Dirk an derer Stelle beinharte Disziplin. Wenn es um Romantik geht, kennt der Landwirt keine Nachlässigkeit.

Der liebestolle Bauer macht mit seiner Lena nämlich zunächst einen romantischen Ausflug in den Schafstall, um ihr zu zeigen, wie man Klauen schneidet. Also die der Schafe.

Aber Dirk macht das nicht aus Jux und Tollerei, sondern verfolgt einen pädagogischen Ansatz: "Dass sie sieht, dass in der Landwirtschaft nicht immer nur Trecker fahren und nicht immer sofort in die Schafwiese gehen, Decke ausbreiten und 'nen Piccolo trinken ist." Richtig, ein Landwirt macht kein Picknick, aber woher sollte Lena das auch wissen.

Stephans fortgeschrittene Familienplanung

"Bauer sucht Frau": Die liebestollen Landwirte kommen endlich zur Sache. © RTL Television

Bauer Stephan aus Bayerisch-Schwaben kannte das eherne Bauerngesetz ebenfalls nicht. Er tollt mit seiner Steffi nämlich erst einmal ganz romantisch durchs Stroh. Dabei kennt sich Stephan eigentlich mit Gesetzestexten gut aus, zum Beispiel im Fachbereich Haushaltsrecht.

Als Steffi seiner Mutter nämlich beim Kochen zur Hand geht, zitiert Stephan Paragraf 78b, Absatz 2 des bayerischen Bauerngesetzes: "Normalerweise tut meine Mutter kochen oder den Haushalt schmeißen. Das ist halt in den Bauernhäusern so. Da kann man nichts dagegen machen", erklärt Stephan, als ob er das jemals versucht hätte.

Die Herz-Salami-Revolte

Doch Stephan ist nicht der einzige Bauer, der in Folge fünf auf die strengen Normen der internationalen Bauerngemeinschaft pfeift. Auch bei Bauer Bernhard regt sich Widerstand.

Zum Abschluss der Hofwoche entführt Bernhard seine Annett nicht nur zum Picknick, nein, der aufsässige Landwirt hat dafür sogar Schnittchen mit Herz-Salami geschmiert.

Ein klarer Verstoß gegen die Nur-die-Mutti-kocht-Regel. Ein Hauch von Aufruhr liegt in der Luft, was Annett durchaus attraktiv findet: "Sich in die Küche zu stellen und Brote zu schmieren – ich glaube, ich bedeute ihm was." Ja, noch nie war Widerstandskämpfer Bernhard so sexy wie in diesem Moment.

Und als seien diesmal alle verrückt geworden, bereitet auch Bauer Christian seiner Danielle ein kleines Picknick. Und der verliebte Bauer treibt es noch doller.

Dem Romantik-Verweigerer Dirk würde es zwar die Schamesröte ins Gesicht treiben, aber Christian wagt beim Picknick noch einen weiteren Vorstoß.

"Ich möchte mich gerne bei dir bedanken mit einem kleinen Kuss", führt Christian seiner Dani sein Verlangen aus und es zeugt von einem Riesenzufall, dass die Produktionsfirma ausgerechnet in der darauffolgenden kusserfüllten Millisekunde mit der Kamera dabei war. Ja, man muss auch mal Glück haben.

Bauer Dirk zeigt erneut Disziplin

Während also auf den Bauernhöfen die Revolution ausgebrochen ist, treibt bei Bauer Matthias etwas ganz anderes die Handlung voran.

Dort trifft nämlich Tayisias Zwillingsschwester Jana ein und man kann sich nur vorstellen, wie dem Redakteur der Produktionsfirma die Freudentränen in die Augen geschossen sind, als er das mit der Zwillingsschwester herausgefunden hat. Und da wusste er ja noch gar nicht, welche Dialoge diese Entdeckung mit sich bringen würde.

"Meine Schwester ist die allerwichtigste Person in meinem Leben. Ich finde, mein Freund sollte mich mit meiner Schwester im Doppelpack nehmen", erklärt Tayisia beispielsweise ihre Hoffnungen und offenbar hatte kein RTL-Redakteur Lust, die junge Dame zu fragen, ob sie sich so einen Satz nicht noch einmal überlegen möchte.

Aber weil es mit der ganzen Zwillingsnummer gerade so gut läuft, schafft es auch folgender Dialog in die Sendung. Jana erzählt über das Ankleide- und Shoppingverhalten ihrer Schwester nämlich dies: "Wenn Tayisia längere Sachen und dunklere Farben wählt, dann sieht sie ganz anders aus. So etwas intelligent. Nein warte: elegant."

Bei so viel Spracheleganz überlassen wir an dieser Stelle das Schlusswort Bauer Dirk aus dem Sauerland. Als Dirk nämlich mit seiner Lena die Schafe besichtigt, zeigt sich ein Bock besonders liebesbedürftig und bespringt ohne Unterlass die Schafe.

"Der Bock bei den Schafen hätte sich auch mal zurückhalten können. Das der da gerade so grille sein musste, wo Lena das erste Mal bei meinen Schafen ist. Ich hab' mich auch zurückgehalten", erklärt Dirk die Situation und wir bedanken uns bei ihm aufs Deutlichste, dass wenigstens einer in dieser Folge Disziplin beweist.

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