Rekordhitze, Ernteausfälle und zu niedrige Preise: Den deutschen Bauern geht es derzeit nicht gut. Seit Montagabend setzt RTL den Bauern noch zusätzlich zu und kratzt mit einer neuen Staffel "Bauer sucht Frau" wieder am Image der gebeutelten Landwirte. Eine Reise ins Herz von Absurdistan.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Der ländliche Raum. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer der neuen Staffel "Bauer sucht Frau", die, viele Lichtjahre von der Realität entfernt unterwegs ist, um fremde Welten zu entdecken, unverheiratete Lebensformen und neue Zivilisationen. "Bauer sucht Frau" dringt dabei in Kuhställe vor, die nie eine Frau zuvor gesehen hat.

Oder für alle Nicht-Trekkies: "Bauer sucht Frau" ist wieder da! Hätte man so gar nicht vermutet, fährt doch Inka Bause seit nunmehr 13 Jahren übers Land und verkuppelt alles, was nicht bei drei in der Scheune ist. Da verwundert es, dass es immer noch unverheiratete Landwirte gibt.

Gibt es aber, und deshalb schmeißt RTL auch 2018 wieder sein Dorf-Tinder-Format an und arbeitet an der demografischen Rückgewinnung des ländlichen Raums. Hier wird kein Dorf verloren gegeben, kein Bauer soll künftig noch sein Feld alleine bestellen oder ungeliebt ins Bett gehen müssen.

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Fehlbereich im Wohnbereich

Auch nicht Andreas, der erste Bauer der diesjährigen Staffel. Der gebürtige Schweizer lebt in Kanada und sucht nun in Deutschland nach einer Frau, die mit ihm auf seinen Mischbetrieb zieht. Der beherbergt neben Andreas – RTL hat genau nachgezählt – zwei Pferde, zwei Mini-Esel, einen Ochsen, drei Schafe, sechs Schweine und Nachzucht, drei Hunde, zwei Katzen, 60 Hühner und zehn Kaninchen.

Den Tierbestand der anderen Bauern ersparen wir uns, sie alle eint aber das gleiche Problem auf ihren Höfen – die Frauenlosigkeit. Zumindest bezüglich der Frauen, zu denen kein verwandtschaftliches Verhältnis besteht.

Was das genau bedeutet, erklärt Bauer Stephan: "Das Traurige am Singleleben ist ja, dass wenn man heimkommt, die weibliche Wärme im Wohnbereich fehlt." Also geht Moderatorin Bause mit ihren Bauern die Bewerberpost durch, ob sich nicht jemand für diesen Fehlbereich im Wohnbereich findet.

In der Tat wird Bauer Stephan im Posteingang fündig: "Nettes Lächeln, hübsche blaue Augen, ein gestandenes Weibsbild ist's und Mordsholz vor der Hütt'n", befindet der junge Mann aus Bayerisch Schwaben und vergisst dabei, dass er erstens im Fernsehen und zweitens im Jahr 2018 ist.

"Ich bin Fleischesser und ich kann schießen"

Die anderen Bauern sind ähnlich erfolgreich und so bläst Bause zum großen Scheuenfest. Das ist in der "Bauer sucht Frau"-Welt so eine Art Assessment-Center, bei dem die ausschreibenden Bauern die Bewerberinnen auf Eignung testen können: "Auf dem Scheunenfest lernen die Bauern ihre Frauen kennen und es wird geflirtet und gefeiert wie schon lange nicht mehr", erklärt Bause hierzu und man fragt sich, was bei den jüngsten Scheunenfesten schiefgegangen ist.

Das aktuelle Scheunenfest lässt sich indes in puncto Fremdscham nichts vorwerfen und präsentiert Gespräche am oberen Ende der Skurrilitäten-Rangliste: "Mit 35 ist die biologische Bombe ja auch am Ticken", umschmeichelt beispielsweise Dirk seine Damen auf der Recherche zu deren Familienplänen.

Und bereits erwähnter Andreas prüft die Essgewohnheiten seiner womöglich Zukünftigen: "Du bist auch Fleischesser?" "Ja, ich bin total Fleischesser und ich kann schießen", antwortet die Gefragte.

Noch mehr Spaß in der Freizeit kann man mit Kandidatin Tayisiya haben, denn nach ihren Hobbys gefragt, gibt sie Folgendes zu Protokoll: "Ich stricke im Winter auch gerne. Ich stricke alles: Handschuhe und diese Käppis – wie nennt man die?" "Mütze", springt ihr Jungbauer Matthias bei und der Zuschauer strickt angesichts solcher Gespräche schon an diesen Käppis – wie nennt man die? Richtig, Aluhelm.

Wie ein Unfall mit dem Mähdrescher

Ja, "Bauer sucht Frau" ist aus Unterhaltungsperspektive nach wie vor wie ein Unfall mit dem Mähdrescher. Es ist nicht schön anzusehen, aber man kann zumindest mal nachgucken, ob jemandem etwas passiert ist.

Und in der Tat gibt es in der Auftaktfolge Ereignisse, die zwar den angekündigten Titel "Turbulenzen" nicht verdienen, aber trotzdem erwähnt werden sollten. Schließlich ist man froh, wenn die ganze Lebkuchenherzen-Welt mal Druckstellen bekommt.

Die Bauern Guy und Niels werden ihren Auserwählten nämlich noch am ersten Abend untreu und wildern unter den verschmähten Kandidatinnen der anderen. Das sorgt erst für gebrochene Versprechen und dann für gebrochene Herzen. Dem dort bereits am Boden liegenden Unterhaltungswert hilft das aber auch nicht mehr auf die Beine.

"Bauer sucht Frau" ist nach wie vor eine Kitsch gepuderte heile-Welt-Fantasie, die kein Klischee auslässt, während Inka Bause daher salbadert, als sei die Floskelpolizei hinter ihr her: "Egal, welche Herzen hier nun zueinander gefunden haben und welche nicht – hier ist noch lange nicht Schluss", erklärt die Bause am Ende und wir sollten diese Drohung ernst nehmen.

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"Bauer sucht Frau": Das sind die neuen Bauern

Andreas, Bernhard oder Christian: Wer sind die neuen Kandidaten bei "Bauer sucht Frau"? Hier eine kleine Übersicht.