"Bares für Rares" garantiert dem ZDF seit Jahren traumhafte Quoten und könnte nun auch noch mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet werden. Die Trödelshow fasziniert Jung und Alt gleichermaßen. Gründe für den Erfolg gibt es mehrere.

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Die Trödelshow "Bares für Rares" ist ein echtes Phänomen. Die Sendung mit Horst Lichter beschert dem ZDF regelmäßig Traumquoten, im vergangenen November wurde mit 27,4 Prozent Marktanteil ein Rekord aufgestellt – an einem Dienstagnachmittag schauten 3,28 Millionen Menschen zu.

Und dies ist keine Ausnahme, die Quoten befinden sich auf einem konstant hohen Niveau. Ende Februar könnte das Format sogar mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet werden, "Bares für Rares" ist in der Kategorie Dokutainment unter den letzten drei Anwärtern auf den Fernsehpreis.

"Der Erfolg ist unfassbar", sagte Horst Lichter kürzlich im Interview mit unserer Redaktion: "An jedem Tag, wenn wir die Quoten kriegen und darüber sprechen, sagen wir uns, was das für ein unglaublicher Erfolg ist. Die 'Goldene Kamera' wäre für das gesamte Team eine der größten Belohnungen überhaupt."

Doch was macht den Erfolg der Sendung aus? Warum ist "Bares für Rares" bei den Zuschauern so außerordentlich beliebt? Es gibt anscheinend mehrere Gründe dafür.

"Bares für Rares" erfüllt kleine Träume

Zum einen regt "Bares für Rares" die Phantasie der Zuschauer an. Wohl jeder denkt darüber nach, ob er nicht auch einen Schatz im Keller oder auf dem Dachboden hat, den er mit Gewinn an die Händler verkaufen könnte.

Erst in der vergangenen Woche sorgte ein Fußball-Likörset, das nach Motiven der Weltmeisterschaft 1954 gestaltet war, für eine Überraschung. Verkäufer Bernd Gork hatte auf 100 Euro gehofft und ging mit 220 Euro nach Hause.

Eine Goldmünze aus dem 17. Jahrhundert brachte einst sogar 25.000 Euro, eine fehlgepresste Beatles-Platte wurde auf 30.000 Euro geschätzt, aber nicht in der Sendung verkauft.

"Die Highlights sind die kleinen, normalen Menschen, die bescheiden zu uns kommen und sagen: 'Wenn ich einen Hunderter kriege, das wäre ein Traum' - und dann am Ende vielleicht Tausende Euros bekommen", erzählt Lichter.

"Dann findet die Expertise statt, die Händler gehen später darauf ein und die Menschen sind ehrlich überrascht. Das ist grandios und lässt mir das Herz aufgehen. Die könnte ich alle knuddeln."

Echte Menschen, reale Bedingungen

Und das ist das nächste Erfolgsgeheimnis bei "Bares für Rares": echte Menschen, reale Bedingungen. Während viele Sendungen mittlerweile gescriptet sind, sind die Verkaufssituationen in der Trödelsendung echt, weder die Händler noch die Verkäufer spielen eine ihnen zugedachte Rolle.

Lediglich die Experten bekommen die Möglichkeit, im Vorfeld zu den Stücken zu recherchieren, um eine realistische Expertise abgeben zu können.

Händler und Experten dürfen sich untereinander nicht absprechen und beginnen an Drehtagen ihre Schichten zu versetzten Zeiten. Auch der Konkurrenzkampf unter den Händlern ist real, während Lichter darauf achtet, dass die Stimmung am Set trotzdem gut bleibt.

"An einem Tag zeichnen wir zwei Sendungen auf", berichtet der langjährige TV-Koch: "Mit sehr, sehr viel Spaß und Disziplin. Wir sind zehn Stunden im Studio und lachen viel."

Manche Arbeitskollegen würden sich schon nach zwei Jahren bekriegen: "Und wir sind schon im fünften Jahr. Das ist wunderbar, das ist eine Sensation."

Diese gute Stimmung merkt man den fertigen Sendungen an.

Der Gegensatz zum Trash-TV

Auch mit den Verkäufern wird mit großem Respekt umgegangen. Das wirkt wie ein Gegenentwurf zu zahlreichen Trash-Formaten auf den Privatsendern, wo Menschen vorgeführt werden.

Selbst wenn ein Verkäufer mit seinem mitgebrachten Gegenstand bei den Händlern nicht punkten kann, bekommt er zumindest noch ein paar freundliche Worte von Charmeur Lichter mit auf den Weg.

Und das ist vermutlich der wichtigste Grund für den Erfolg von "Bares für Rares". Seit Jahren lautet der Trend im TV: krasser, lauter, wilder. Immer wieder werden Grenzen verschoben, abgestürzte Promis kauen Maden im Dschungel oder suchen splitternackt auf einer fernen Insel nach Aufmerksamkeit.

Ruhig und ein wenig altmodisch

"Bares für Rares" wirkt wie ein Gegenentwurf zu diesen trashigen Formaten und erinnert mit seinem ruhigen, manchmal ein wenig altmodischem Ablauf an längst vergangene Fernseh-Zeiten, als sich die ganze Familie vor dem Röhrenfernseher versammelte, um "Wetten, dass…", "Herzblatt" oder "Dalli Dalli" zu schauen.

Vielleicht ist diese Gemütlichkeit genau das, wonach sich die Zuschauer in dieser hektischen und unruhigen Zeit sehnen.

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"Bares für Rares": Bewegendes Andenken an die tote Mutter

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