Diese weiße Porzellanschönheit verzauberte bei "Bares für Rares" nicht nur Horst Lichter

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Rätsel um die "weiße Dame": Erst nachdem die Porzellanfigur unterm Spülhahn sauber gemacht worden war, zeigte der Zufallsfund aus einer Wohnungsauflösung seine Geschichte. Verzückt waren von der filigranen Schönheit am Ende auch die Händler ...

Warum wurde sie hergestellt und wie alt ist diese weiße Dame eigentlich? Diese Fragen stellten die beiden Schwestern Jacquelin Zimmermann und Margret Weitz in der Mittwochsausgabe von "Bares für Rares". Den Reizen der filigranen Porzellanschönheit verfiel nicht nur Trödelmoderator Horst Lichter. Experte Detlev Kümmel (links) lüftete ihr Geheimnis ...
Die beiden Schwestern hatten die weiße Dame bei einer Wohnungsauflösung vor dem Container gerettet. "Da wir beide gerne trödeln, dachten wir, die nehmen wir mit", so Jacquelin. "Doch als meine Schwester die Figur sauber gemacht hatte, kam der Karton mit der Aufschrift Persil zum Vorschein!" Doch für welchen Zweck wurde die Figur entworfen?
Persil hat eine lange Tradition: Das Waschmittel wurde bereits 1907 von Henkel herausgebracht. "Doch danach muss man ja irgendwann einen Werbegag erfinden. Und das war die weiße Dame, die erstmals 1922 als Plakat entworfen wurde", erzählte Experte Detlev. Doch vorab musste man erst noch ein Modell finden ...
Kurt Heiligenstaedt war Grafiker und Gestalter und hatte damals das Plakat entworfen. Und er kannte die weiße Dame recht gut. Denn für das Plakat stand seine damalige Freundin Modell. Nach dieser Information war Horst Lichter bedient: "Ach, hör auf!", winkte er ab. Doch die Geschichte wurde noch interessanter.
Die Freundin des Künstlers arbeitete noch bis in die 1960er-Jahre hinein als Persilmädchen. "Damit hat die Persil-Werbung ein Gesicht bekommen", erklärte Detlev weiter. "Und das hat auch jahrelang gehalten, bis die Frau aus Altersgründen ausgetauscht werden musste ..."
Allein Plakatwerbung hat Persil aber nicht gereicht. So wurde aus dem Plakat eine vollplastischen Figur, die laut Signatur "Stefan" auf den Bildhauer Wolfgang Stefan ins Jahr 1980 zurückgeht. Auch der Firmenstempel von Hutschenreuther passt genau in diese Zeit. Horst war skeptisch: "Das ist ja ein Ding, ich hätte geschworen, das Mädchen ist aus den 30er-Jahren!"
Leider konnte Detlev nicht mit Ja antworten, denn ein Teil des Kleides war abgebrochen. Noch schlimmer war, dass die Verkäufer den Makel noch gar nicht entdeckt hatten. Wie viel ist die Persil-Werbefrau in diesem Zustand denn noch wert? Ohne Schaden hatten sich die Schwestern einen Preis von 400 Euro gewünscht. Aber jetzt?
"Das ist aber doof. Das macht beim Wert ja richtig was weg", ahnte Horst Lichter nichts Gutes. Nichtsdestotrotz handelte es sich bei der "Persil-Dame" um ein sehr ansprechendes und begehrtes Sammlerobjekt. Unbeschädigt werden die Figuren für 800 Euro gehandelt. Laut Expertise war das beschädigte Objekt noch 300 bis 350 Euro. Horst Lichter war erleichtert: "Ich dachte, der sagt jetzt 30 Euro!"
Auch die Händler erkannten die weiße Dame sofort. Fabian Kahl wusste sogar, dass die Porzellanfigur im Original noch in einem Karton aus grünem Samt gelegen hatte. Mit der Originalverpackung werden die Figuren für über 1.000 Euro gehandelt. Das überzeugte Händler Julian Schmitz-Avila (rechts), der mit einem Gebot von 100 Euro startete.
Doch es interessierten sich tatsächlich alle Händler für das Objekt, und so wurde der Preis, wenn auch nur in kleinen Schritten, stetig in die Höhe getrieben. "Sie hat ein wirklich sehr schönes Gesicht. Sehr, sehr zart gemacht. Wirklich klasse!", schwärmte Jan Cizek (rechts).
Doch Händler Markus Wildhagen wollte die Persil-Dame unbedingt wieder zurück nach Düsseldorf nehmen und beendete den Bieterkampf mit 380 Euro. Damit waren auch die beiden Schwestern glücklich, die eigentlich nicht mehr daran geglaubt hatten, für ihre beschädigte Porzellanfigur, noch so einen guten Preis zu erhalten.