Teurer Begleiter: Irre Händler-Hatz auf Jagdhund-Plastik bei "Bares für Rares"

Eine formschöne Hundeplastik ließ am Mittwoch bei "Bares für Rares" die Herzen der Händler höherschlagen. Einer überbot sich sogar selbst.

Vor allem die feine und naturalistische Gestaltung des Hundes war dem Experten sofort aufgefallen.
Doch die Expertise von Colmar Schulte-Goltz hatte noch mehr spannendere Details zu bieten.
"Die sehr große Hundedarstellung ist eine unglaublich packende Bronze", fing der Experte an zu schwärmen: "Einzelne Sehnen und Adern wurden hier sehr gut herausgearbeitet. Vor allem ist auch das Momenthafte in einer Bronze hier außergewöhnlich gut gelungen."
Das fand auch Horst Lichter: "Das ist wirklich grandios. Ich finde die Bronze den Hammer. Und das, obwohl ich nicht wirklich ein Jagdfreund bin." Danach wollte er unbedingt noch wissen, wer die Bronze gemacht hatte und wann sie entstanden war.
Colmar Schulte-Goltz zeigte auf den Marmorsockel. Dort befand sich der Namenszug des deutschen Bildhauers Fritz Diller. Der Künstler war bekannt für naturalistische Tierdarstellungen, diesen Entwurf hatte er zwischen 1900 und 1910 hergestellt. Leider konnte der Experte keinen Gießereistempel finden, "aber der Guss ist von guter Qualität."
Horst Lichter bereitete den Verkäufer schon mal darauf vor, dass er sich bald von seiner Bronze trennen müsse, "wenn die Händler genauso begeistert davon sind wie Colmar Schulte-Goltz und ich". Blieb nur noch die Frage nach dem Wunschpreis. Der Verkäufer wollte 500 Euro, doch war das realistisch?
Colmar Schulte-Goltz war anderer Auffassung. "Die Bronzeplastik ist sehr gut erhalten, und allein aufgrund der Größe beläuft sich meine Expertise auf 2.000 bis 2.500 Euro!" Da fielen Lichter fast die Augen aus dem Kopf. Schulte-Goltz bestätigte: "Ja, ein Riesending!"
Empfand der Experte den Hund als "Riesending", so beschrieb Händler Julian Schmitz-Avila (M.) die Bronze etwas verniedlichend mit "Fiffi!". Großen Gefallen fand er dennoch an der Figur und begrüßte den Verkäufer freundlich: "Ihr Hund hat schon mal die richtige Witterung aufgenommen. Der ist bei uns genau richtig!"
"Der gefällt uns allen sehr, sehr gut!", stellte Schmitz-Avila fest und auch Kollege Daniel Meyer zeigte Interesse. Walter Lehnertz (Bild) gab als Erster ein Gebot für 480 Euro ab. Das war aber nur der Anfang.
Rasch überboten sich die Händler in vierstellige Gefilde. Walter Lehnertz wandte sich mit einer beruhigenden Botschaft an den Verkäufer: "Du musst hier gar nichts mehr machen, das läuft von alleine."
Der Verkäufer kam aus dem Schmunzeln gar nicht mehr raus, denn die Gebote gingen lustig weiter. Als sie bei 1.300 Euro stagnierten, erwähnte er, dass "die Expertise deutlich höher war". "Wir sind ja auch noch nicht am Ende", beruhigte ihn Lehnertz. Daniel Meyer überbot sich vor lauter Aufregung danach gleich mal selbst mit 1.400 Euro.
Von Schmitz-Avila kam ebenfalls ein weiteres Gebot von 1.500 Euro. "Du willst es nicht einsehen, dass es meiner ist", lachte Meyer und pokerte bis auf 1.850 Euro. Doch dann war für ihn Schluss. Mit den Worten "Du sollst auch mal einen treuen Begleiter haben", beendete Meyer das Duell - der Bronzehund ging für 1.900 Euro an Schmitz-Avila.
Ebenfalls den Besitzer wechselte eine Breitling Stoppuhr aus den 1960er- bis 1970er-Jahren. Händler Jan Cizek wollte die Uhr unbedingt haben und zahlte 400 Euro - obwohl die Expertise nur einen Wert von 150 bis 200 Euro ergeben hatte.
Eine hübsche Jugendstil-Weinkanne von WMF mit Glaseinsatz und einer Britannia-Legierung aus Zinn, Kupfer und Antimon aus der Zeit von 1903 bis 1910 ging für 250 Euro an Händler Daniel Meyer. Die Expertise von Wendela Horz war jedoch deutlich höher und lag bei 800 bis 1.000 Euro.