Streit bei "Bares für Rares": Kult-Trödelhändler wird ausfällig

Für Respektlosigkeiten ist die ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" nicht bekannt. Am Donnerstag aber gab es beim Kampf um eine Rarität verbale Spitzen.

Los ging alles ganz harmlos. Mit einem Getränkespender aus Kupfer, den Reiner Bobrowski aus Herne ins Pulheimer Walzwerk brachte. Erstanden hatte er das imposante Stück auf einer Antiquitätenmesse in England.
"Ein außergewöhnlich seltenes Stück", urteilte der 71-jährige Architekt über sein Mitbringsel. Die Händlerkarte erwartete er siegessicher. "Mein lieber Mann, das sieht aber mal sehr schön aus", stimmte Horst Lichter zu. Das "jecke Apparätchen" könne "eine Zapfstelle für Bierchen sein", vermutete der Moderator. Das war aber nur Wunschdenken.
Water und Milk stand auf Englisch über den Zapfhähnen. Außerdem gab es Coffee und Tea. "Wenn dat Ding poliert ist, musst du eine Sonnenbrille anziehen", vermutete Horst Lichter. Dann schaute er zu seinem Experten Fabian Benöhr: "Wenn du da so lange rumturnst, weiß ich: Du möchtest mir irgendetwas zeigen."
Lichter las die Körpersprache des Kollegen richtig. "Die Engländer trinken ihren Tee ja gerne mit Milch. Warum?", fragte Fabian Benöhr etwas oberlehrerhaft. "Keine Ahnung ... Weil's einfach nicht schmeckt", so die etwas unwirsche Antwort des Moderators. "Genau, wenn wir da lange Tee drin lagern, wird der irgendwann bitter", so Benöhr.
Bobrowski hatte den Oldschool-Getränke-Automaten auf einer Antiquitätenmesse in England erworben. Dort wurde er auch hergestellt - von "Matthew J. Hart & Sons" aus Birmingham, las Fabian Benöhr vor. "Um 1880", so der Experte. "Das ist ganz schön alt", war Lichters Expertise. 400 Euro erhoffte sich der Verkäufer, Benöhr hielt bis 450 für denkbar.
Was früher in Tee- oder Kaffeehäusern thronte, stand nun im Händlerraum. "Waldi and Son", deutete Walter Lehnertz die Inschrift auf dem Getränkespender um und klopfte auf gut Kupfer. "Die Hähne funktionieren noch?", wollte Ludwig Hofmaier wissen. "Alles funktioniert noch", versicherte der Verkäufer.
Walter Lehnertz startete mit 80 Euro. "Ich finde es auch super für den Garten", sinnierte Fabian Kahl (M.). "Ich bin sehr interessiert", stellte Wolfgang Pauritsch (l.) fest. "Ich auch", erwiderte Lehnertz. Es sollte der Beginn eines erbitterten Machtkampfes werden. Abwarten und Tee trinken war definitiv nicht Sache der beiden Hitzköpfe ...
200 Euro bot Fabian Kahl für seine Vision eines Garten-Accessoires. "Ich bin sehr interessiert, ich kaufe es wahrscheinlich auch" - mit diesen Worten überbot Pauritsch den Kollegen um 50 Euro. Susanne Steiger und Ludwig Hofmaier erklärten ebenfalls Interesse, wollten aber abwarten. Mit 350 Euro erreichte Walter Lehnertz (l.) den Schätzpreis.
Doch es ging noch weiter. 550 Euro bot Walter Lehnertz dann sogar. Mit 580 zog Pauritsch nach. "600!", meinte Lehnertz trotzig. Der Händler, sonst bekannt als Frohnatur, konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen. Nein, die Zuschauer hatten sich nicht verhört, Lehnertz murmelte wirklich in Richtung des Kollegen Pauritsch: "Du kleines widerliches ...!"
"Ich höre", konterte Wolfgang Pauritsch kampflustig. "Den Satz zu Ende bringen, Walter!" Der lachte dreckig: "Ne, ist alles okay." Pauritsch erklärte 600 sei stark, "aber 620 ist besser". Lehnertz gab sich scheinbar geschlagen: "600 war meine Schmerzgrenze." Doch als Pauritsch sich erkundigte, ob der Gegner raus sei, verneinte der: "Ich überlege."
Kahl kommentierte: "Oh, das kann dauern." Susanne Steigers Blick schien die Worte auf ihren Gemeinheitsfaktor zu scannen. "Du bist ein starker Gegner", lobte Pauritsch seinen Rivalen. "Deshalb steige ich jetzt aus." Walter Lehnertz erstand die Antiquität.
"Ein sehr interessantes Kännchen", fand Lichter. Dass der sonst so laienhafte Moderator die Marke "Kaiserzynn" erkannte, brachte Albert Maier zum Staunen. Der Experte datierte das Mitbringsel von Ralf Gewald aus Oldenburg auf 1895 bis 1904. Die Jugendstil-Kanne erstand Fabian Kahl für 320 Euro.
"Mit wenig Geld, aber viel Liebe gemacht", so die ungewöhnliche Expertise von Wendela Horz. Der Anhänger aus Golddoublé (Walzgold) war handwerklich gut gemacht. Verkäuferin Ursula Lecht aus Adelheidsdorf freute sich über Susanne Steigers Wertschätzung des Einzelstücks. Sie verdoppelte den von Horz empfohlenen Preis von 200 Euro.