Seltener indischer Geheimbund-Orden bei "Bares für Rares"

Typische Freimaurer-Symbole wie Zirkelmaß und Füllhorn "zeigen, welche Möglichkeiten das Leben als Freimaurer bereithält", erklärt der Experte. Doch welche Gewinnmöglichkeiten hielten die geheimnisvollen Objekte für den Verkäufer bereit?

"Darf ich dir nochmal die Hand geben? Das muss man gleich ausnutzen", befand Lichter. Der menschliche Glücksbringer hatte etwas ganz Besonderes dabei. Freimaurer-Objekte sind ja an sich schon faszinierend, da sie die Aura eines Geheimbundes verströmen. Damit nicht genug: Die Mitbringsel waren auch noch aus dem fernen Indien.
"Die gehörten meinem Vater, er war bei einer Loge in Indien", erklärte Manjeet Singh Chohan. "Ist man da als Sohn nicht automatisch auch dabei?", fragte Horst Lichter. An sich ja, aber der Hamburger hatte Indien verlassen und aus der Ferne erlebt, wie der Papa vom Freimaurer-Anfänger zum Meister aufstieg.
Auf die Frage nach seinem Beruf antwortete Manjeet Singh Chohan: "Ich war Flugzeugelektroniker." Lichter hakte nach: "Du warst? Du bist doch sehr jung." Als er sein Alter verriet, konnte Lichter nicht glauben, dass der Verkäufer 72 war: "Du hast gar keine Falten und nix, guck' dir die Haare an - ich geh kaputt!", staunte Lichter.
"Alles echt", versicherte der Rentner. Das galt nicht nur für seine Haarpracht, wie Experte Colmar Schulte-Goltz (links) feststellte. Der Fachbegriff "Bijoux" fasst die Schmuckstücke zusammen, die aus Ehrengründen verliehen wurden. Unter anderem "Orden für bestimmte Abteilungen innerhalb des Freimaurer-Kultes".
"Jeder Schurz hat damit zu tun, welche Etappen man zurückgelegt hat in der Ausbildung vom Lehrling über den Gesellen bis zum Meister des Stuhles", erklärte Colmar Schulte-Goltz. Ein einfaches Mitglied bekam einen Schurz, der höchstens mit Leinen gefüttert war. "Der Schurz des Meisters ist dagegen mit Seide gefüttert", so der Experte.
"Wenn ich die Orden sehe, habe ich die Hoffnung, dass das Gold ist", meinte Lichter. "Das liegt ja auch bei Indien nahe", fand Schulte-Goltz. Doch waren die goldfarbenen Objekte lediglich vergoldetes Messing. "Was hingegen nicht so toll aussieht, das ist richtiges Silber", zeigte der Experte auf andere Objekte.
Typische Freimaurer-Symbole wie Zirkelmaß und Füllhorn "zeigen, welche Möglichkeiten das Leben als Freimaurer bereithält", erklärte Schulte-Goltz. Doch welche Gewinnmöglichkeiten hielten die geheimnisvollen Objekte für den Verkäufer bereit? 1.500 Euro erhoffte sich der Besitzer. Colmar Schulte-Goltz fand das realistisch, "weil es so exotisch ist".
Horst Lichter gab dem Verkäufer einen Tipp mit auf den Weg in den Händlerraum: Er solle nebenbei erwähnen, dass er die Raritäten vom Papa bekommen habe und diese "die komplette Geschichte von ganz unten bis zum Meister hoch" dokumentierten. "Einmal die Händlerkarte halten - das war mein Traum", freute sich Manjeet Singh Chohan.
"Jeder Inder handelt", zeigte sich Chohan selbstbewusst. "Gescheites Zeug", befand Walter Lehnertz (zweiter von links). "Die indischen Sachen sind nicht so gefragt hier wie die deutschen", gab Markus Wildhagen (Mitte) zu bedenken. Lehnertz sah das anders: "Es ist ausgefallen, man kriegt es nicht so." Und fügte hinzu: "Ich hab noch nichts Indisches, kann man ja mal probieren."
Mit einem Startgebot von 380 Euro eröffnete Walter Lehnertz (links) das Bieten. Markus Wildhagen erhöhte auf 450. "Haben ist besser wie kriegen", philosophierte der Rivale und ging auf 500. Auch Ludwig Hofmaier war interessiert. 700 Euro schlug er vor. Doch der Freimaurer-Sohn blieb unbeeindruckt. Die Händler fragten nach der Schmerzgrenze.
Als Manjeet Singh Chohan als Minimum 1.500 Euro nannte, lehnten die Händler unisono ab. Der Herzengewinner verlor diesmal. Dennoch blieb der Nicht-Verkäufer gut gelaunt: Er wolle die Freimaurer-Schmuckstücke an seine Kinder und Enkelkinder weitergeben. "Wer weiß, was die in 30, 40 Jahren wert sind", träumte er.
Ein weiteres Objekt, dass den Händlern präsentiert wurde, war ein Tisch mit vier Stühlen - klingt unspektakulär. Hannes Behse wollte die Möbel bereits entsorgen. Umso größer die Freude, als Albert Maier ihn aufklärte, dass er ein wertvolles Designerstück der Dänin Grete Jalk besaß. Statt 300 Euro bekam er von Esther Ollick 900 Euro für die Teakholz-Rarität.
"Das gefällt sogar Waldi", stellte der sonst wenig Malerei-affine Walter Lehnertz fest, als er das Mitbringsel des Ehepaars Brandt sah. Für "Zwei Junggesellen" von Max Frey erhofften sich die Bremer 750 Euro. Albert Maier empfahl 400 bis 480. Elke Velten erstand das Gemälde für 650 Euro. "Ganz liebe Leute und geiles Bild", so Waldis Fazit.