Erst mosern, dann kaufen? "Bares für Rares"-Händler irritiert Kollegen

Große Kunst oder wertloser Kitsch? Fragen wie diese treiben Horst Lichter und sein Experten-Team bei "Bares für Rares" um. "Echter Reinfall", kommentierte Händler Meyer ein als wertvoll taxiertes Gemälde. Was wusste er, das die anderen nicht wussten?

In der Mittwochsausgabe der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" zeigte sich Horst Lichter (Mitte) wieder von seiner unterhaltsamen Seite. Mit der Frage "Du lüftest zu Hause die Wände?" empfing der Moderator Edmund Polatschek (rechts) aus Neuss. Auf den Witz ging der Verkäufer gar nicht ein, glaubte er doch, ein Bild aus der Düsseldorfer Malerschule zu besitzen.
Horst Lichter dachte zuerst, das Gemälde wäre als Investition angekauft worden. Doch Herr Polatschek musste ihn korrigieren. Er hatte das Kunstwerk vor 40 Jahren bei einer Auktion erstanden, weil es ihn "dermaßen fasziniert" habe. Hilfe suchend konsultierte Lichter seinen Experten Albert Maier und fragte unsicher: "Ist das ein guter Maler?"
Bei dem signierten Bild fiel Experte Maier sofort die sehr gute Qualität auf. Kein Wunder, hatte der Künstler Herzog doch dereinst private Malstunden bei Professor Andreas Achenbach genommen - eine führende Künstlerpersönlichkeit der Düsseldorfer Malerschule. Herr Polatschek war begeistert.
"Was für ein Name!", freute sich der Verkäufer Edmund Polatschek, der nun endlich Gewissheit hatte, dass sein vor 40 Jahren erworbenes Gemälde tatsächlich aus dem Umfeld der Düsseldorfer Malerschule stammt. Jetzt musste nur noch der Wert des Kunstwerks ermittelt werden. Der Wunschpreis des "Bares für Rares"-Kandidaten lag bei 2.000 Euro.
Das traf sich nicht ganz, aber doch fast mit Albert Maiers Expertise - er legte sich auf einen Wert von 1.500 bis 1.800 Euro fest. Schließlich sei die Kunst der Düsseldorfer Schule zwar immer noch gefragt, könne "aber nicht mehr die hohen Preise von früher erzielen". Der Verkäufer nahm dennoch die Händlerkarte entgegen.
Horst Lichter war schon gespannt, was die Händler zum Bild sagen würden. Er fragte sich, ob sie es richtig einschätzen. Was dann jedoch im Händlerraum geschah, hätte der Moderator sicher nicht erwartet ...
"Das Motiv ist ein Reinfall, ein echter Reinfall", verkündete Daniel Meyer (links), als er das Gemälde in die Hände bekam. Das konnte Walter Lehnertz so nicht stehen lassen und nahm das Bild gleich in Schutz: "Auf jeden Fall ist es gut und sauber gemalt!" Auf Susanne Steiger wirkte die Landschaft sogar beruhigend.
Als großer Fan der Romantik hatte Fabian Kahl Interesse an dem Stück. Leider wusste er nicht, wie der Maler und seine Werke gehandelt werden. Dennoch rang er sich zu einem ersten Gebot von 350 Euro durch. Walter Lehnertz (Bild) bot mit, Daniel Meyer erhöhte auf 550 Euro. Denn er glaubte zu wissen, was auf dem Bild dargestellt war.
Verkäufer Polatschek war nun nicht mehr so begeistert. Er hielt "nicht viel" von den Geboten, denn er hatte einen ganz konkreten Wunschpreis. Auch bei 1.000 Euro von Händler Meyer behielt er sein Pokerface. Doch nachdem ihm seine "absolute Schmerzgrenze" von 1.500 Euro entlockt wurde, schlug ausgerechnet Daniel Meyer sofort zu.
Daniel Meyer, so wurde nun klar, wollte das Bild von Anfang an haben, denn mit seinem "Reinfall" meinte er eigentlich einen "Rheinfall", einen Wasserfall am Rhein. Danach waren sich alle Händler einig, dass Meyer "eine Geschäftsreise" zum Rhein unternehmen sollte, um das Bildmotiv vor Ort zu vergleichen.
Ebenfalls über den Händlertisch ging ein Stehpult aus der Gründerzeit. Das Möbelstück von 1870 bis 1880 ging für 200 Euro an Händler Daniel Meyer, obwohl Experte Sven Deutschmanek den Wert bis 400 Euro angesetzt hatte.
In ein 585er-Gold-Gliederarmband aus den 1860er-Jahren hatte sich Händlerin Susanne Steiger sofort verliebt. Das alte und dennoch gut erhaltene Schmuckstück war ihr satte 700 Euro wert. Selbst Expertin Wendela Horz hatte das Stück "nur" auf 350 Euro taxiert.