Kunst oder Gekrakel? Pavarotti-Bilder bei "Bares für Rares"!

Um Seltenes geht es - wie der Sendungstitel verrät - bei "Bares für Rares" immer. Doch rarer als am Donnerstag geht es kaum: Der ehemalige Bodyguard Pavarottis wollte vom Künstler Gemaltes veräußern.

Harald Fryburg (rechts), genannt "Harry", arbeitet heute als Disponent. Früher aber hatte er einen deutlich spektakuläreren Beruf. Und aus dieser Zeit stammten seine Mitbringsel bei "Bares für Rares". Sie hatten zu tun mit einem verstorbenen Opernsänger, den Horst Lichter beschrieb als "einen der berühmtesten, vielleicht den Besten ever": Luciano Pavarotti.
"Ich habe vier Jahre für ihn gearbeitet", erklärte der 55-Jährige aus Mechernich. Lichter staunte, und Harald Fryburg ergänzte, seine Aufgabe war "Bodyguard, Security und artgerechte Künstlerbespaßung". Fryburg hatte die Ausnahmestimme auf Presseterminen und Konzerten weltweit begleitet. Aus dieser Phase stammte auch sein Konvolut an Memorabilia.
"Was ist das überhaupt hier?", fragte Lichter reichlich spät. "Das sind Skizzen, die hat er anlässlich einer Pressekonferenz gemalt", so der Ex-Leibwächter und Star-Babysitter. "Die hat er selbst gemalt?", hakte Lichter nach. Ja. Und zwar auf einer Pressekonferenz in Detroit, Michigan. Lichter war begeistert, wenn auch nicht vom Zeichentalent.
"Ich sag mal so: Gottseidank hat er nie versucht, den großen Durchbruch als Künstler zu kriegen", urteilte Lichter ungnädig. Der ehemalige Kompagnon verteidigte den Opernstar: "Er hat ein paar schöne Bilder gemalt." Auch der Druck rechts unten auf der Collage entstammte der Feder von Luciano Pavarotti. Spannender fand der Verkäufer aber die Unikate.
Dass er wirklich hautnah am Leben von Luciano Pavarotti teilnahm, bewies Harald Fryburg spätestens, als er die zweite Skizze erläuterte. Befragt, ob er den Porträtierten kenne, erwiderte er: "Natürlich, das ist sein Impresario, sein Produzent Tibor Rudas." Pavarotti fand die Pressekonferenz seinerzeit wohl wenig spannend.
Dass Harald Fryburgs Exfreundin eine Collage aus diesen Erinnerungsstücken gemacht hatte, drückte den Preis: Detlev Kümmel schlug 500 Euro vor - mitsamt "Bonus Features" wie einem handgeschriebenen Autogramm und Programmheften. Fünfmal mehr als der ehemalige Star-Aufpasser vorgeschlagen hatte. Doch wie Opern-affin waren die Händler?
"Sind Sie der Harald?", wollte Fabian Kahl (Mitte) wissen. Der Grund für seine Neugier: "Da steht hinten drauf, Sie waren mit Pavarotti in Mexiko." Fryburg erwiderte cool: "Ich war überall auf der Welt mit ihm."
Da staunte Dr. Elisabeth "Lisa" Nüdling: "Wie kommt das? Waren Sie befreundet?" Fryburg erzählte erneut von seiner beruflichen Verbundenheit mit dem weltbekannten Tenor. "Und er hat auch gemalt, sehe ich da", stellte Fabian Kahl fest. Wie Lichter wusste er nichts von dieser zweiten künstlerischen Ader des unvergessenen Stimmwunders.
Wolfgang Pauritsch begann den Bieterreigen mit 300 Euro. Seine Frage, warum Pavarotti Elefanten malte, konnte selbst der Insider nicht beantworten, doch immerhin identifizierte er den porträtierten Herrn im Halbprofil. Die Antwort war Pauritsch 500 Euro wert. Walter Lehnertz stieg ein, und die beiden duellierten sich in 50-Euro-Schritten.
"Man muss nur einen finden dafür", dachte Lehnertz laut. Der Verkäufer meinte: "Da gibt es mehrere, bin ich sicher." Dr. Nüdling unterstützte ihn: "Das ist internationaler Markt." Lehnertz und Pauritsch boten weiter. Am Ende wurde Lehnertz für 750 Euro neuer Besitzer. "O sole mio", trällerte Nüdling in Erinnerung an den 2007 verstorbenen Künstler.
Ein Tuschkasten eines britischen Hoflieferanten aus dem 19. Jahrhundert: Marianne Möller aus Emden konnte damit nichts anfangen. Ebensowenig mit Lichters Gesangseinlage. Der trällerte aufgrund ihrer Herkunft "An der Nordseeküste". Colmar Schulte-Goltz taxierte auf bis zu 200 Euro. Fabian Kahl legte noch 20 drauf.
"Ab in den Ofen damit", war Dean Zahns erster Gedanke angesichts dieses Speicherfundes. Zum Glück ging der 22-Jährige aus Gensingen stattdessen mit der Reisetruhe zu "Bares für Rares". Denn Experte Detlev Kümmel wusste, dass das historische Pendant zum Trolley aus dem 19. Jahrhundert stammte. Walter Lehnertz war die Truhe 530 Euro wert.