Selbst die Händler waren ratlos: Skurriles Objekt bei "Bares für Rares"

Horst Lichter weiß ja des Öfteren nicht genau, welche raren Objekte auf dem Expertentisch landen. Doch diesmal war der Verkaufsgegenstand so einzigartig, dass sogar die Händler ziemlich ratlos schienen ...

Nina Godenrath und ihr Partner Fabian Braun kamen aus Hilden und Hamburg. Der Verkauf des geheimnisvollen Objektes sollte dabei helfen, dass zur emotionalen auch die räumliche Nähe dazu kam - gemeinsam wollten beide in der Hansestadt leben. "Wir wissen nicht, was es damit auf sich hat", gab die Besitzerin des mysteriösen Mitbringsels zu.
"Das ist aber ein trockenes Ding", befand Horst Lichter. Gemeint war nicht die Rarität auf dem Tisch, sondern der Studiengang von Fabian Braun. "Was hast du für ein Hobby?", fragte der Moderator. "Informatik", erwiderten beide unisono. Bei so viel Harmonie darf man ohne Zweifel ans Zusammenziehen denken.
"Was ist das?", fragte Lichter sich und die Gäste. Nina Godenrath erklärte, es handele sich um ein Schiffslog. Der Moderator gestand, dass er so schlau wie zuvor sei. Er rief um Hilfe: "Detlev!" Der Experte Detlev Kümmel erklärte: Ein Schiffslog dient bei Schiffen der Geschwindigkeitsmessung.
Kümmel erklärte, ein Schiffslog würde ins Wasser geworfen. An der Welle hängt üblicherweise ein Seil mit Propeller. Der würde, ganz wie eine Schiffsschraube, durch den Wasserwiderstand bewegt - was wiederum auf die Welle übertragen wurde. Lichter verstand nur Bahnhof - beziehungsweise Hafen. "Hier sind aber zwei Zeiger", stellte der Moderator fest.
Am kleinen Zeiger könne man das Verstreichen einer Meile beobachten, der große Zeiger addiere die Anzahl der zurückgelegten Meilen. "Ich kann es nicht vormachen, weil ich die Geschwindigkeit nicht hinkriege", so Detlev Kümmel. "Musst du dich halt anstrengen", kannte Lichter keine Gnade. Kümmel lachte daraufhin nur, leicht verlegen.
Der Raritäten-Kenner datierte das gute Stück auf die 60er-Jahre. Auch der Firmenname war ihm vertraut: "W. Ludolph ist noch heute weltbekannt für nautische und Luftfahrt-Instrumente." Horst Lichter begeisterte sich eher für Äußerlichkeiten als für die Technik: "Ich finde es schön, das würde ich mir auch hinstellen - obwohl ich kein Schiff habe."
"Wovon die alles Ahnung haben, macht mich jedes Mal wieder platt", lobte Lichter sowohl Kümmel als auch die Kollegen. Befragt nach dem Wunschpreis meinte Verkäuferin Nina: "300 Euro wären schön." Detlev Kümmel bemängelte allerdings den fehlenden Propeller. Seine Empfehlung waren 250 bis 350 Euro.
"Was haben wir denn da?", fragte sich Julian Schmitz-Avila. Den Kollegen im Händlerraum ging es ebenso. "Kann man da dran ziehen?" Noch vor der Antwort versuchte er das bereits. Nina Godenrath erklärte: "Das ist aber nicht dafür gedacht." Der Händler hielt inne: "Dann besser nicht." Objekte vor dem Kauf kaputt machen ist nun wirklich eine schlechte Idee.
Daniel Meyer (rechts) glaubte, einen Drehzahlmesser zu erkennen. Knapp daneben! Nina Godenrath erklärte die Funktionalität. "Lisa, das sehe ich schon bei dir auf dem Messestand, neben dem Schmuck", nahm Julian Schmitz-Avila (Mitte) die Kollegin auf den Arm. "Das kann man immer gebrauchen", parierte Dr. Elisabeth Nüdling kühl.
Fabian Kahl empfahl das Gadget eher für "Julians Fahrrad". Der erklärte, kein Fahrrad zu besitzen, machte trotzdem das Startgebot. 50 Euro standen im Raum. Markus Wildhagen und Daniel Meyer boten mit. Als Wildhagen 140 Euro nannte, stiegen die anderen aus. Das war den Verkäufern allerdings nicht genug. Nina Godenrath zitierte die Expertenschätzung.
"200 wären schön", verhandelte Nina Godenrath. "Das fände ich auch fair", unterstützte sie Schmitz-Avila. Wildhagen gab nach. Er bekannte: "Ich wollte schon immer einen Knotenmesser besitzen." So kamen ein skurriler Wunsch und ein ebensolches Objekt zusammen. Wie so oft bei "Bares für Rares"!
Einen vom Roulette inspirierten Spielautomaten namens "Duolett" brachte Elvir Boloban, Küchenchef aus Wiesbaden, zu Horst Lichter. "Der ist wunderschön", schwärmte der Moderator - und das viermal. Die Schmerzgrenze des 31-Jährigen: 300 Euro. Detlev Kümmel empfahl 500 bis 700. Julian Schmitz-Avila erstand den Zeitvertreib von 1958 für 700 Euro.
Simone Görmann, Gastronomin aus Bremen, wollte ihr Rosenthal-Zigarettenetui für 105 Euro verkaufen. Es stammte laut Gravur von einem "internationalen Wurftaubenschießen" von 1928. "Die armen Tiere", meinte Lichter. Gemeint waren aber leblose Tontauben. Albert Maier empfahl bis zu 140 Euro, Julian Schmitz-Avila legte noch einen Zehner drauf.
"Auf keinen Fall verschleudern", hatte sich die Kosmetikerin Bernadette Moisand vorgenommen. Ihre Brosche aus den 30er-Jahren war - wie die 83-jährige Kölnerin von Dr. Heide Rezepa-Zabel erfuhr - mit echten Smaragden bestückt. Die Schmuck-Doktorin taxierte auf 250 Euro. Dr. Elisabeth Nüdling kaufte den Gold-Zierrat für 280.
"Ich bin begeistert" - wenn der sonst eher unterkühlte Experte Albert Maier sich derart enthusiastisch zeigt, will das was heißen. Heinz-Theo Krebber aus Xanten präsentierte ein Ölgemälde auf Leinwand von Georg Höhlig im Original-Goldrahmen von 1913. Maier empfahl 1.200 bis 1.500 Euro. Sein Fast-Namensvetter Daniel Meyer erstand es für 1.300.
Einen Brillantring aus Gelbgold ließ Heinfred Narten (66) von Dr. Rezepa-Zabel beurteilen. Die bemängelte den knapp am Einkaräter vorbei verarbeiteten Stein. Statt der erhofften 1.000 Euro empfahl sie lediglich 800 bis 900. Zum Glück wusste Daniel Meyer das nicht. Er kaufte den 585er-Gold-Schmuck für 1.300 Euro.