"Das ist nicht egal!" - Dicke Luft im Händlerraum bei "Bares für Rares"

Alles nur ein Spiel? Am allzu lässigen Auftreten von Fabian Kahl bei "Bares für Rares" störte sich nun ein Händlerkollege.

"Junge, Junge, zwei Damen und so ein großer Wald", begrüßte Moderator Horst Lichter das dynamische Duo. Gut, dass die Zwillinge Monika und Claudia Köhler aus Bischbrunn und Würzburg zu zweit kamen, denn für einen allein wäre dieses gewaltige Gemälde nicht zu tragen gewesen. Das gigantische Bild war schon zu Uropas Zeiten im Familienbesitz gewesen.
Der Urgroßvater hatte eine Holzfabrik und ein großes Haus mit viel Platz, berichteten die Damen. Viel Platz braucht man auch für diesen antiken Ersatz für einen 65-Zoll-Fernseher. Den haben die Schwestern nicht. "Da verstehe ich auch den Wald", kombinierte Lichter wie Sherlock Holmes: "Da liegt der Rohstoff, mit dem er Geld verdient hat."
Dass ihm das Gemälde nicht gefiel, drückte Lichter sehr diplomatisch aus: "Vielleicht fehlt mir da der künstlerische Zugang." Expertin Friederike Werner half nach: Es handelte sich um ein Werk des spätimpressionistischen Malers Karl Walther. "Mit raschem Pinselstrich einen Eindruck einfangen" sei damals die Devise gewesen.
"Wir sind hier in den 30er-Jahren", wusste Friederike Werner. Dargestellt sei der Leipziger Wald. Für das Bildnis erhofften sich die 45-jährigen Zwillingsschwestern bescheidene 100 Euro. Expertin Werner hängte einfach eine Null dran, auch wenn das Gemälde renovierungsbedürftig war.
Thorsden Schlößner (zweiter von links) und Fabian Kahl (links) hielt es angesichts der Leinwand nicht auf ihren Stühlen. "Hier steht etwas: Walther mit 'h'", verkündete Schlößner. Nach Kunstkenner klang das nicht gerade. Was die Händler nicht ahnten: Die Damen erwarteten nicht viel Geld - Hauptsache nicht auf dem Heimweg noch mal schwer tragen!
Während Horst Lichter "keinen Zugang zu dem Bild" gefunden hatte, lobte Ludwig Hofmaier: "Ein wunderschönes Bild, da stimmt alles." Auch die Verkäuferinnen fielen ihm angenehm auf: "Sicher Zwillinge, eine schöner wie die andere." Ein Kompliment, das auch nach hinten losgehen könnte ...
Beeindruckt waren die Händler, dass der Uropa dieses und andere Gemälde direkt vom Künstler erhalten hatte. Weniger beeindruckt war Daniel Meyer (rechts) vom Zustand des Bildes. Er hoffte, dass nach einer Restauration die Farben mehr leuchten würden. "Und die paar Löcher muss man ja eh zumachen", war der Händler überzeugt.
"Mir gefällt die Leichtigkeit und die Sommerlichkeit", versuchte sich Fabian Kahl in einer Interpretation. Thorsden Schlößners Startgebot von 400 überbot er sofort um 50 Euro. Die beiden wanderten bald in die Höhe. Daniel Meyer stieß dazu mit 650 Euro. Schlößner stieg aus, doch im Duell zwischen Meyer und Kahl wurde bald scharf geschossen.
Als Meyer die Marke von 1.000 Euro überbot, meinte Kahl: "Ja, jetzt ist es auch egal, 1.050." Das brachte den Kollegen zur Verzweiflung: "Das ist nicht egal, das ist Geld!" Er hielt sich die Hand an die Stirn. "Gegen Fabian zu bieten, ist eine Katastrophe, der nimmt das nicht ernst!" Man dürfe das alles nicht so ernst nehmen, stimmte der zu.
Die Zwillingsschwestern hatten gut lachen. Monika und Claudia amüsierten sich prächtig über die Sticheleien der Händler. Und freuten sich, dass ihr Wunschpreis von 100 Euro bereits um eine Null hinten dran überschritten war. Das Duell ging sogar noch weiter - bis Kahl das Großgemälde für 1.250 Euro erstand. 250 Euro über der Expertise.
Detlef und Michael Dammer aus Rheinberg hatten ein besonderes Trinkbehältnis dabei. Horst Lichter, sonst nicht gerade bekannt für seine Expertisen, lag diesmal richtig: Es handele sich um Grabenkunst. Soldaten in Schützengräben hatten im Ersten Weltkrieg in Feuerpausen Geschosshülsen graviert. Ludwig Hofmaier kaufte das Mitbringsel für 100 Euro.
Hatte Karen Rowly aus Köln ein Scrabble für Riesen mitgebracht? "Das war kein Kinderspielzeug", glaubte Horst Lichter. Zu Recht. Sven Deutschmanek erkannte das Objekt als Stempelset, welches um 1900 in den USA angefertigt wurde. 50 Euro war Wunsch- und Expertenpreis. Daniel Meyer widersprach - und zahlte 80 Euro. Weil sein Sohn gern stempelt.