"Bares für Rares": Verwendungszweck dieses Mitbringsels verblüfft alle

Zeitungswender, Schuhlöffel, Kuchenmesser? Zum Verwendungszweck einer Elfenbein-Rarität gab es bis zuletzt viele Fragen. Verkauft wurde es trotzdem - zu einem beachtlichen Preis!

"Ich habe noch nie ein Objekt bei 'Bares für Rares' so lange in der Hand gehabt", strahlte Lichter. Doch dann musste er seinen kleinen Schatz doch an Friederike Werner weiterreichen. Schließlich war sie die Expertin.
Lichter hielt es für einen Tortenwender, Friederike Werner für einen Crêpeswender. Die Verkäuferin schüttelte vehement den Kopf und verneinte: "Das ist ein Zeitungswender, um sich die Finger nicht mit Druckerschwärze zu versauen. So hat man Anfang der 20er-Jahre seine Zeitung gelesen", erklärte sie überzeugt. Auch falsch!
Die Expertin klärte auf: Eigentlich handele es sich um ein englisches Paper Knife aus dem Jahre 1883. Damit habe man früher die Seiten von gebundenen Büchern aufgeschnitten.
Lichter stutzte: "Ach, hör auf. Die Seiten der Bücher waren noch zu?", fragte er ungläubig. Doch das stimmte tatsächlich. Früher mussten Bücher noch mit dem Messer bearbeitet werden, um sie lesen zu können. Expertin Werner erzählte weiter, dass es Sammler-Exemplare gibt, die noch im Originalzustand ohne aufgeschnittene Seiten sind.
Aus welchem Material das Papiermesser hergestellt wurde, konnte die Expertin ebenfalls eindeutig sagen. Die Maserung verriet, dass der obere Teil aus Elfenbein und der Griff wohl ein Walrosszahn war. Die Halterung wurde aus Sterlingsilber gefertigt und zeigte eine Punze mit der Jahreszahl 1883.
Blieb nur noch der Wert des Messers. Verkäuferin Irmgard Görgens erhoffte sich 125 Euro. Die Expertise lag jedoch höher: bei 400 bis 500 Euro. "Das kommt der Sache schon näher", so Lichter, der immer noch ganz fasziniert war: "Es ist schön, es ist alt. Es hat einen tollen Nutzen, es hat ein Geheimnis gehabt. Einfach sensationell!"
Mit dem Rat von Horst Lichter, das "Ding nicht zu billig zu verkaufen", ging Irmgard Görgens in den Händlerraum. Dort waren sich auch die Händler nicht einig, wofür der Gegenstand eigentlich zu gebrauchen war. Wolfgang Pauritschs Vermutung war ebenfalls ein Zeitungswender, Susanne Steiger dachte an einen Schuhlöffel ...
Ludwig Hofmaier (r.) fand das Objekt "sehr schön" und hatte auch gleich eine Verwendung dafür: Mit dem Stock hätte der Händler auch gut einen strengen Lehrer der alten Schule abgegeben.
"Da haben Sie wirklich etwas Besonderes mitgebracht!", so Hofmaier, nachdem alle Händler ein Gebot abgegeben hatten. Am Ende blieben nur Wolfgang Pauritsch (l.) und Fabian Kahl (M.) übrig. "Das ist wirklich ein tolles Stück, aber das letzte Gebot von 560 Euro ist auch ein toller Preis", kapitulierte Kahl.
Somit erhielt Wolfgang Pauritsch den Zuschlag für das Paper Knife, dessen wahren Nutzen er aber immer noch nicht ganz glauben konnte: "Was das überhaupt ist, muss ich erst noch erforschen. Ich denke eher, es ist etwas Alltägliches ...", raunte der Österreicher zur Verabschiedung.
Ebenfalls über den Händlertisch ging ein interessantes Bartpflege-Reiseset von 1900. Das Set aus Blech wollte Händler Jan Cizek für 160 Euro haben, wobei die Expertise von Friederike Werner nur bei 50 bis 100 Euro lag.
Eine sperrige Personenwaage aus den 1930er-Jahren ging für 450 Euro an Jan Cizek. Experte Sven Deutschmanek hatte die frühere Bahnhofs-Waage auf 700 bis 800 Euro taxiert.