"Bares für Rares": Bei diesem Service war nicht alles Silber, was glänzte

Mit großen Hoffnungen und einem Silberservice aus Familienbesitz kommt ein Verkäufer zu "Bares für Rares": Dort erlebt er zunächst eine Enttäuschung - geht dann aber doch mit mehr Geld als erwartet wieder nach Hause. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Horst Lichter bekam glänzende Augen, als er in der Mittwochsausgabe der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" ein schönes Kaffee-Service auf dem Experten-Tisch neben Heide Rezepa-Zabel erblickte: "Ich mag Silber!", rief der Moderator laut. Dieter Rieck aus Rösrath hatte sich hingegen satt gesehen und wollte sein Silber aus dem Schrank haben.
"Du hast es wohl schon lang genug, das Gedöns?", erkannte auch Lichter schnell und wollte sogleich vom Verkäufer wissen, wo er das prächtige Silber herhatte. Es war ein Geschenk seiner Schwiegermutter und schon länger im Familienbesitz. Und nun sollte es am besten gegen viel Bares einen neuen Besitzer finden ...
"Das Tablett ist nicht aus Silber", führte die Expertin aus und blickte dabei in sehr überraschte Gesichter. "Das hätte ich jetzt nicht gedacht", staunte Lichter. Denn das ganze Service und auch Tablett war voller Prägestempel. Die hatte Dieter Rieck zwar leider nicht lesen können, aber die mussten doch ein gutes Zeichen sein, oder?
Doch dem Tablett fehlte der wichtigste Stempel: der Legierungsstempel. Rezepa-Zabel machte zudem einen Magnet-Test und bewies damit: Es handelte sich um eine Eisenlegierung. Das restliche Service war jedoch aus 835-Silber. Mit den geschwungenen Godronen erinnerte das Kernstück zudem an englische Tischkultur. Doch auch hier trog der Schein ...
Etwas widersprüchlich an dem Service war auch die untypische Form. Erwartet hätte die Expertin eine klassizistische, hochgezogene Form im Queen-Anne-Stil. Doch diese Kannen hatten eher eine bauchige Birnen-Form mit weiten Henkeln. Rezepa-Zabels Vermutung: "Dieses Stück ist eine Adaption verschiedener Formen".
Eine niederländische Importmarke am Boden der Kanne lieferte einen weiteren Beweis, dass es sich nicht um ein historisches Service handelt: Dieser Stempel wurde erst nach 1953 verwendet. "Mein Gott! Ich dachte, das Stück wäre 200 Jahre alt!", rief Lichter entsetzt. Zudem war das Service nicht handgefertigt, sondern maschinell produziert.
Mit seiner Antwort auf die Frage nach dem Wunschpreis fühlte sich der Verkäufer gar nicht mehr so sicher. "Ich hatte mir mal 300 Euro gedacht, aber jetzt verlasse ich mich ganz auf die Expertise", meinte er nüchtern. Expertin Heide Rezepa-Zabel taxierte den Wert des Service etwas höher und ging auf 400 bis 450 Euro hoch. Immerhin!
Im Händlerraum war die Reaktion auf das Kernstück überraschenderweise durchweg positiv. Fabian Kahl (rechts) bekam kribbelnde Hände, als er das Silber sah, denn "Tablett mit den Kännchen findet man selten zusammen". "Das sieht englisch aus", meinte auch Thorsden Schlößner (zweiter von links) mit funkelnden Augen. Doch da hatte er die Stempel noch nicht entdeckt ...
"Is it oder is it nicht?", rätselte Händler Schlößner scherzend, als er die Stempelung am Boden der Kanne etwas genauer unter die Lupe nahm. Händler Wolfgang Pauritsch war sich sofort sicher, als er den Stempel für 835er Silber erkannte und verortete das Stück somit ganz klar nach Deutschland.
Obwohl das Kaffee-Service maschinell gefertigt und auch nicht besonders alt war, stieß es doch auf großes Interesse. Alle Händler inspizierten das Silber ganz genau. Für Ludwig Hofmaier (rechts) stand fest: "Es glänzt auf alle Fälle und gefällt mir sehr gut!" Deswegen eröffnete Hofmaier die Bieter-Runde mit einem Gebot von 350 Euro.
Doch auch Pauritsch (links) wollte sich das Silber-Service nicht durch die Lappen gehen lassen und bot fleißig mit. Schnell hatten die Händler 600 Euro erreicht. Fabian Kahl (Mitte) fand das Service "wunderschön und echt toll!" Und Pauritsch war sich sicher: "Ohne gravierte Applikationen oder Wappen kann man das Service gut verkaufen!"
Bei 710 Euro erhielt Hofmaier letztlich den Zuschlag und Verkäufer Dieter Rieck war mit dem Preis "sehr zufrieden". Zurecht, denn er hatte seinen Wunschpreis mehr als verdoppelt.
Ebenfalls einen Abnehmer im Händlerraum fanden Wahrsagekarten von 1850. Ludwig Hofmaier waren die Karten 50 Euro wert. Die Verkäuferin hatte sie auf einem Flohmarkt für 50 Cent gekauft. Experte Sven Deutschmanek taxierte die Karten auf 70 bis 80 Euro.
Ein Spiegel und Untertischchen aus Eichenholz und Marmor aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwarb Fabian Kahl für 650 Euro. Laut Experte Detlev Kümmel lag der Wert bei 700 bis 800 Euro.