"Bares für Rares": Irrer Preis für alten Pfennigartikel

Für 1,50 Mark hätte man diese Artikel in den 1960er-Jahren bekommen. Dass drei Superhelden-Comics inzwischen für vierstellige Euro-Beträge gehandelt werden, hätte Horst Lichter nie geahnt. Wieder was gelernt bei "Bares für Rares" ...

Literaturkritiker rümpften seinerzeit die Nase, heute sind die drei deutschsprachigen Comic-Erstausgaben aus dem Jahr 1966 begehrte Sammlerstücke. In den USA werden aberwitzige Beträge für alte Comics bezahlt. Doch wie viel sind "Die Spinne" und "Die Fantastischen Vier" hierzulande wert?
Die Bildergeschichten aus der Pionierzeit von Marvel erschienen hierzulande unter dem Label "Hit Comics" im Bildschriftenverlag aus Aachen. Als "wie neu" beschrieb der Sammler die Hefte. Zum Lesen sind sie nicht gedacht, denn das würde den Wert drastisch mindern.
Experte Sven Deutschmanek erkannte allerdings einen Schönheitsfehler: "'Die Spinne' hat Kugelschreiberflecken." Aus der Folie holte er die Hefte aber nicht: "Ich vertraue dem Helmut da voll und ganz."
Horst Lichter machte große Augen, als er erfuhr, was Helmut Kotte auf einer Sammlermesse für die drei Comics bezahlt hatte: "1.300 Euro für die drei Hefte?" Der Sammler klärte ihn auf: "Das war sehr günstig." Lichter kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
50 Pfennig kostete ein Superhelden-Comic in den 1960er-Jahren. 900 Euro wollte Helmut heute für die drei Hefte. Experte Sven legte sogar noch 100 Euro drauf. Beide wussten: Für das erste "Superman"-Comic wurden in den USA 3,2 Millionen Dollar bezahlt.
"Könnte ich da mal reinschauen?", fragte Händler Ludwig Hofmaier (r.). Helmut Kotte überlegte kurz und schlug dann vor, die Folie selbst zu öffnen: "Wenn was passiert, bin ich selbst schuld." Hofmaiers Kollege Julian Schmitz-Avila (M.) riet dringend davon ab: "Das ist Holzpapier. Wenn da Schweiß drankommt, gibt das braune Flecken."
Schmuckexpertin Susanne Steiger fragte, ob der Sammler die Hefte doppelt habe. Im Gegenteil: "Es ist fast unmöglich, diese Serie komplett zu bekommen", gab Helmut Kotte zu. "Mir fehlen Hefte, die so teuer sind, dass ich sie mir nicht leisten kann."
Der Comic-Liebhaber klärte über den Zeichner der ersten Hefte auf: "Jack Kirby ist in Amerika so bekannt - wenn der mit Trump auf dem Balkon stehen würde, würden die Leute sagen: Wer steht da neben Kirby?" Händler Daniel Meyer (M.) fasste zusammen: "Der Gott des Comics sozusagen."
Daniel Meyer startete mit 500 Euro. Das Bieten wurde zum Duell zwischen ihm und Julian Schmitz-Avila (r.). "Da ich neugierig bin, was da drinsteht, sag ich 800", erklärte Meyer. Sein Mitbewerber wollte nicht lesen, sondern lieber sammeln und weiterverkaufen. "Ich mach ihnen die 1.000 Euro voll", erklärte Schmitz-Avila - und bekam den Zuschlag.
Helmut Kotte konnte sich über die 1.000 Euro aber nicht so richtig freuen: "Mir blutet das Herz, das muss ich ganz ehrlich sagen." Er würde sich von jedem Comic nur ungern trennen, so der 68-Jährige. "Die habe ich über 50 Jahre gesammelt, das fällt schon schwer."
Neue Themen
Top Themen