"Bares für Rares": Horst Lichter erfindet neue Kunstrichtung des "Depressionismus"

Dieser "Riesen-Schinken" traf so gar nicht den Geschmack von Horst Lichter. Doch der "Bares für Rares"-Moderator musste sich eines Besseren belehren lassen.

"Das ist ein mächtiger Schinken, aber mit leicht depressiver Stimmung", stellte Horst Lichter fest. Das sah die Verkäuferin ganz anders, ihr habe "das Bild immer sehr gut gefallen". Doch der Moderator ließ nicht ab: "Ehrlich? Bei der düsteren Nebelstimmung auf dem Bild ohne richtige Farben, wird mir gleich ganz anders."
Immerhin sprach die Landschaft zu Horst Lichter, der den Kunstexperten mimte: "Das könnte die Region am Niederrhein sein." Und was meinte der echte Experte dazu? "Horst, du wirst immer besser. Du hast natürlich komplett Recht", würdigte Albert Maier den Moderator.
Niederrhein passte zur Darstellung und passte vor allem auch zur Signatur auf dem Bild: "W. Kukuk". Der Düsseldorfer Maler Willy Kukuk war gleichwohl vorrangig durch seine italienischen Landschaften bekannt geworden. Albert Maier datierte das "monumentale, riesige" Gemälde des spätimpressionistischen Künstlers auf die 1930er- bis 1940er-Jahre.
Neben der bedrückenden Stimmung sah der Moderator noch weitere Details im Bild kritisch: "Der Maler hat es sich ja schon einfach gemacht. Wenn man sich den Baum rechts im Bild ansieht, der macht genau da einen Wachstumsknick, wo die Pappel auch steht. Und der Bach sieht aus, als würde er Wellen schlagen."
Experte Albert Maier konnte die Kritik zum schiefen Baum noch nachvollziehen, entgegnete aber dennoch: "Kukuk war ein akademischer Maler. Er hat in Karlsruhe und in Düsseldorf studiert. Es ist aber auch kein typisches Bild für ihn. Ich würde es 'Wiegende Bäume im Wasser' betiteln", lobte Maier das Bild.
Das war das Stichwort für Lichter, der sarkastisch hinzufügte: "Und ich würde sagen, das Bild geht leicht in den Depressionismus rein! Und mein Gott, wenn das nicht langsam hell wird, dann lass ich das Wasser raus!" Verkäuferin Sylke Schiebur lächelte verstohlen und gab zu: "Mein Mann hat das auch immer über das Bild gesagt."
Nach der ganzen Kritik wollte Lichter doch noch etwas Nettes sagen und verwies auf den schönen Vogel rechts im Bild. Laut Expertise handelte es sich dabei leider nur um einen Farbabplatzer. Denn das Gemälde war mit vielen Craquelées und lädiertem Rahmen in keinem guten Zustand. Albert Maier schätzte es dennoch auf stolze 800 bis 1.000 Euro.
Bei diesem hohen Schätzpreis fragte Horst Lichter, ob die Verkäuferin nicht in den Kunstmarkt eintreten wolle, um weitere Gemälde zum Schnäppchenpreis zu erwerben. Doch sie wollte den Erlös lieber sparen. Und außerdem mussten die Händler den hohen Preis erst mal zahlen.
"Wow, das ist aber schön!", zeigte sich Elisabeth Nüdling beim Anblick des Gemäldes angetan. "Ein sehr, sehr schönes Gemälde mit toller Stimmung", begeisterte sich auch Julian Schmitz-Avila und verstand nicht, warum die Verkäuferin das Bild nicht behalten wollte.
Obwohl das Gemälde großflächig und teuer restauriert werden musste, wollte Schmitz-Avila (rechts) das Bild haben. Sein erstes Gebot waren 200 Euro. Doch Esther Ollick gefiel das Gemälde ebenso und bot 300 Euro, "denn mir gefallen die Farben und die Stimmung sehr gut". Die Gebote stiegen weiter bis auf 500 Euro von Wolfgang Pauritsch.
Für 500 Euro wollte Sylvia Schiebur jedoch noch nicht verkaufen und pokerte Händlerin Ollick auf ihr letztes Gebot von 550 Euro hoch. Damit waren alle "total glücklich". Denn die Verkäuferin hatte ihren damaligen Einkaufspreis von 50 Euro um satte 500 Euro erhöht, und Händlerin Ollick fand ihr neues Bild "einfach super!"
Als weiteres Objekt fand ein kurioses Trickschloss aus dem 19. oder 20. Jahrhundert einen neuen Besitzer im Händlerraum. Obwohl Experte Sven Deutschmanek weder genaue Datierung noch Herkunft nennen konnte, war Händler Walter Lehnertz das Schloss 320 Euro wert.
Eine prunkvolle Jugendstil-Jardinière von 1905 aus 800er-Silber wurde für einen stolzen Preis von 2.100 Euro an Julian Schmitz-Avila verkauft.