"Bares für Rares": Altes Holzfragment wirft Rätsel auf

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Horst Lichter lag mit seiner Einschätzung komplett daneben und auch der Verkäufer hatte keine Ahnung, um was es sich bei dem Holzfragment mal gehandelt hat. Erst "Bares für Rares"-Experte Detlef Kümmel deckte auf ...

Beim lustigen Rätselraten versuchte sich Horst Lichter schon oft als Kunst-Experte. Mit seiner Einschätzung lag er diesmal daneben: "Das war bestimmt mal ein Teil von etwas. Von einer Truhe kann ich mir vorstellen." Auch Verkäufer Georg tippte mit "Teil einer Holzdecke" daneben. Der Experte klärte auf.
Detlev Kümmel (links) hatte nach seiner Begutachtung die richtige Antwort parat: "Es ist Teil einer Kutsche! In Sizilien gibt es viele Esels- oder Pferdekarren zum Beladen von Agrarprodukten. Manchmal werden die Kutschen auch bei Prozessionen oder Hochzeiten mit Stühlen ausgestattet, um Personen zu befördern."
"Ach was!", erwiderte Horst und machte große Augen: "Und wie alt ist dann dieses Teil?" Man erfuhr: Diese Art von Kutschen haben in Sizilien eine lange Tradition. Bereits im 18. Jahrhundert wurden die ersten Karren hergestellt. Dieses Stück datierte Detlev auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Die interessante Expertise ging weiter: Das Holzfragment war mit zwei Motiven bemalt. Links konnte man ein fröhliches Abendessen mit Wein, Weib und Gesang erkennen. Auf der rechten Seite identifizierte Experte Detlev eine Schlacht mit folgendem Schriftzug: "Battalia navale tra siciliani e francesi" (auf deutsch: "Seeschlacht der Sizilianer gegen die Franzosen"). "Aha", kommentierte Horst verdutzt.
Die Rückseite zeigte zwei Holzleisten, die Horst wieder leichter einschätzen konnte: "Das ist aber nicht original", platzte es aus dem Trödel-Fachmann heraus - er lag goldrichtig. Denn die Leisten wurden später hinzugefügt. Sie dienten dazu, das Bild an die Wand hängen zu können und verhinderten, dass sich das alte Holz noch weiter verzieht.
Das Eichenholz zeigte leider Risse in Holz und Farbe sowie Spuren von Restaurierungsversuchen, die Detlev negativ ins Auge fielen: "Was mich besonders stört, sind die schwarzen Linien an Beinen und Gesichtern, die deutlich nachgemalt wurden". Doch wie viel war das Fragment einer Kutsche noch wert?
Zwar hatte Verkäufer Georg zunächst keine Ahnung. Doch je mehr er Detlev und seiner Expertise lauschte, umso mehr glaubte er, eine außergewöhnliche Rarität zu besitzen: "Aufgrund des Alters und meiner Vermutung, dass es so was nicht mehr allzu häufig gibt - außer vielleicht auf Sizilien im Museum -, hätte ich gerne 150 Euro dafür."
Da musste Detlev leider Einspruch einlegen und wieder korrigieren: "Es gibt diese Holzbilder sogar relativ häufig. Es war eine große Tradition auf Sizilien, solche Karren zu zerlegen und als Andenken zu verkaufen. Das war fast sogar schon eine gewisse Mode."
Würde der Wunschpreis Wunschdenken des Verkäufers bleiben? Detlev gab Entwarnung: "Wir haben hier aber immerhin noch ein gemaltes Bild aus dem 19. Jahrhundert vor uns. Da komme ich auf einen Schätzwert von 200 bis 300 Euro." Händlerkarte gesichert.
Als das Fragment vor den Händlern lag, waren die sich alles andere als sicher, was es mit diesem Fundstück auf sich hatte. Walter Lehnertz dachte an einen Hausschrein. Fabian Kahl fragte sofort nach der Geschichte des bemalten Holzteils. Und der Verkäufer klärte auf. Einen sizilianischen Karren hatte keiner der Händler zuvor gesehen.
Händler Waldi gab gleich das erste Gebot in Höhe von 280 Euro ab, denn "es sind ja zumindest auch schon zwei Bilder". Danach traute sich keiner seiner Kollegen mitzubieten. Waldi beschimpfte diese sogar als Kulturbanausen, war aber letztlich froh, dass das Holzfragment am Ende ihm gehörte.
Auch zwei elektrische Messgeräte sorgten in der Mittwochsausgabe von "Bares für Rares" für Fragezeichen. Horst nannte die Volt- und Wattmeter von 1920 "Gedöns". Und auch die Händler konnten die Geräte zuerst nicht richtig einordnen. Für 160 Euro ersteigerte Esther Ollick die Messgeräte von Siemens & Halske, denn Objekte im Industriedesign sind wohl immer sehr gefragt.
Die Leica-Kamera aus den 1950er-Jahren mit einem Zeiss Objektiv von 1918 war ein ganz besonderes Einzelstück. Und das hatte tatsächlich noch keiner in der TV-Show zuvor gesehen. Leider war die Kamera mit einem Schätzpreis von 1.000 Euro auch zu speziell für die Händler, sodass Verkäufer Siegfried Hufnagel sie doch behalten musste.