"Stark gebraucht", aber auch stark nachgefragt: "Bares für Rares"-Verkäuferin macht Riesengewinn

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Was alt ist, darf auch alt aussehen: Diese erfreuliche Erkenntnis machte am Mittwoch eine "Bares für Rares"-Verkäuferin mit ihrem Schnäppchen vom Flohmarkt.

Horst Lichter bejubelte die glänzenden Besteckteile, die Experte Colmar Schulte-Goltz verheißungsvoll abwog. Sandra Cacace hatte sie mitgebracht, weil sie gerne wissen wollte, ob es sich dabei tatsächlich um Silber handelt, wie alt das Besteck ist und ob sich dieser preiswerte Fund vom Flohmarkt wohl mit Gewinn verkaufen ließe.
Im 17. und 18. Jahrhundert sei Augsburg Zentrum der Silberschmiedekunst in Europa gewesen. Dass das Besteck aus Augsburg kommt, erkannte Colmar Schulte-Goltz an einem Detail.
Und zwar an dem sogenannten Pyr oder auch Pinienzapfen auf der Rückseite. Der Buchstabe R stehe für die Jahreszahl 1806, das Entstehungsjahr der meisten Besteckteile. Horst Lichter hatte Recht: mächtig alt!
Bei einem Silbergehalt von 812,5 schätzte der Experte den Materialwert auf 460 Euro, den Wert des Bestecks an sich auf 550 bis 700 Euro. Denn: "Es ist immer noch antik, und Augsburger Fadenmuster kann man immer wieder dazu kaufen." Zu welchem Preis hatte die Verkäuferin das Set eigentlich auf dem Flohmarkt erstanden? "25 Euro." Fist Bump!
Die Händler reagierten unterschiedlich auf das Silberbesteck. "Das ist ein ganz frühes", freute sich der eine. "Stark gebraucht", bemängelte der andere. Susanne Steiger wiederum sah gerade darin den Charme: "Ich finde genau diesen Zustand mega!"
Schmuckexpertin Susanne Steiger und Silber-Fan Wolfgang Pauritsch (links) trieben sich gegenseitig mit ihren Geboten in die Höhe. Bei 750 Euro bekam Wolfgang Pauritsch den Zuschlag. Und hatte obendrein Verständnis dafür, wie die Verkäuferin ihren Gewinn investieren will: "Da soll eine alte Vespa draus werden." - "Ich hab auch eine."
Die Investition ins Silberbesteck hat sich für die Verkäuferin auf jeden Fall ausgezahlt. Der Händler zahlte ihr das 30-fache und auch die Expertise wurde um 50 Euro übertroffen. Wenn das gesehen hat, wer auch immer ihr die Gabeln und Messer einst auf dem Flohmarkt verkauft hat ...
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