Von wegen "Müll": Dieses Gemälde war ein kleines Vermögen wert

"Was soll das sein?": Von diesem Bild waren einige der "Bares für Rares"-Händler glatt überfordert. Dennoch erzielte das abstrakte Gemälde ein Vielfaches des Wunschpreises.

Roman Witt ist Restaurantleiter aus Köln. An ein ganz besonderes Trinkgeld wird er sich nach dem Besuch bei "Bares für Rares" wohl für den Rest seines Lebens erinnern. Ein Stammgast schenkte ihm einst als Dankeschön für den Service ein selbstgemaltes Gemälde. Was der Gastronom damals nicht ahnte: Der Maler war ebenso exzellent wie der Service ...
"Ich kann den Preis nicht schätzen, da bin ich gespannt, was die Expertise sagt", erklärte der 72 Jahre alte Verkäufer. Zu Recht!
"Ich sag mal so: Mein lieber Colmar, ich erkenne da drauf nix", bekannte sich Horst Lichter zu seinem mangelnden Sachverstand. "Ich erkenne da eine Menge mehr", widersprach Colmar Schulte-Goltz.
"Das ist einer der bekanntesten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts, der ist weltweit bekannt", klärte Schulte-Goltz den Moderator auf. Der Stil sei "gestisch, abstrakt". Das Wenden des Rahmens lüftete das Geheimnis. Dort befand sich die "riesengroße Signatur von Bernard Schultze", die Jahresangabe 1993 und der Titel: "Im Schoß der Natur".
Colmar Schulte-Goltz empfahl hingegen 4.000 bis 5.000 Euro. "Nein!", staunte Horst Lichter gemeinsam mit dem Gast. "Der Junge hat dir Tausende von Euro Trinkgeld gegeben", fasste der Moderator zusammen.
Jetzt müsse er "nur hinkriegen, dass die Händler das genauso sehen wie der Colmar und die Kohle auspacken", gab Lichter dem Restaurantleiter mit auf den Weg in den Händlerraum. "Ich werde da nicht so ganz schlau draus", war Fabian Kahls erster Eindruck. "Abstrakte Kunst", half Wolfgang Pauritsch dem Kollegen auf die Sprünge.
"Ganz was Besonderes, ganz besonders schön", freute sich Ludwig Hofmaier (r.). Kollege Kahl (M.) blieb unbeeindruckt: "Mein Kunstlehrer hätte gesagt: Was soll denn das sein?" Wieder half Wolfgang Pauritsch (l.): "Das ist Kunst." Hofmaier bestätigte: "Der Mann hat was gekonnt, das muss man nur verstehen." Kahl verstand nur Bahnhof.
Als Wolfgang Pauritsch fragte, ob er den Künstler persönlich gekannt habe, erklärte der Gastronom, Bernard Schultze und seine Gattin seien Stammgäste gewesen. Pauritsch startete mit 500 Euro. Elke Velten fand das Bild "sehr schön" und bot mit.
Pauritsch bemerkte den skeptischen Blick des Kollegen Lehnertz (l.): "Ja, Walter, da braucht man Fantasie." Die hatte Lehnertz wohl nicht. Er gab zu: "Also ich würde lieber in deinem Restaurant essen, als so einen Müll zu kaufen!"
"Ich komme mit", schlug Elke Velten vor. Gemeint war eigentlich der Restaurantbesuch, doch auch bei den immer höheren Geboten von Wolfgang Pauritsch ging die Händlerin mit. Als Pauritsch 1.750 Euro bot, staunte Kunstverweigerer Lehnertz: "Das ist aber mal ein Bietergefecht für ein bisschen Farbe!" Doch da war noch Luft nach oben ...
"Jetzt bin ich raus", verkündete Velten, als Pauritsch 2.200 Euro bot. Der Verkäufer bestand aber auf 2.500. Das war wiederum Pauritsch zu viel. Das Bild sei "in einem hervorragenden Zustand", insistierte Roman Witt. Das Argument war wohl stichhaltig, denn Velten war plötzlich wieder dabei - und kaufte das Gemälde überraschend für 2.500 Euro.
Für diese Figur auf der Kaminuhr von 1880 empfahl der Experte bis zu 340 Euro, Elke Velten zahlte immerhin 240.
"Oh Gott, da tut mir alles weh im Körper, wenn ich das sehe", lamentierte Lichter angesichts dieses Lazarettkastens aus dem Ersten Weltkrieg. Verkäuferin Marion Erdelt war zwar Ärztin, doch das museumsreife Besteck hatte sie nur alle paar Jahre angeschaut und sich "ein bisschen gegruselt." Detlev Kümmel empfahl bis zu 1.000 Euro, Wolfgang Pauritsch zahlte 600.