Diese Bands treten heute an

Kommentare0

Nur zehn schaffen den Einzug ins Grand-Prix-Finale am Samstag.

Magdalena Tul - Jestem (Polen): Unsere polnischen Nachbarn schicken mit Magdalena Tul eine Dame ins Rennen, die weiß, was sie tut: Songs schreiben, tanzen, singen, optisch was hermachen. Und dazu noch Pädagogik beziehungsweise Psychologie studiert. Den Popdance "Jestem" komponierte Magdalena natürlich selbst. Nun eröffnet sie das erste Halbfinale und könnte es anders als 2004 überstehen - denn gerade in osteuropäischen Ländern sollte die Nummer punkten.
Stella Mwangi - Haba Haba (Norwegen): Schwarze Schönheit tanzt und singt zu Bumms-Beats aus der Konserve. Wie oft gab es diese Kombination bereits? Die Zahl dürfte in die Tausende gehen. Die gebürtige Kenianerin Stella Mwangi schrieb den Song selbst und gewann damit den norwegischen Vorentscheid. Das Trommel-Geklöppel im Hintergrund erinnert leider unheilschwanger an das Safri-Duo, das mit Velile zur WM 2010 in Südafrika einen ähnlich gelagerten Kokolores abgeliefert hat.
Emmy - Boom Boom (Armenien): Wenn eine Nummer schon "Boom Boom" heißt, lässt das Böses erwarten. In Armenien versucht man ganz offenbar, das Erfolgs-Konzept Lena zu kopieren: Schwarzhaariges Mädel, schwarzes Kleid, komischer Tanzstil, dünne Stimme. Immerhin gibts zum Disco-Beat noch ein bisschen Feuerwerk.
Yüsek Sadakat - Live It Up (Türkei): Die Türken haben scheinbar Gefallen an Rock gefunden. Schon letztes Jahr schickten sie eine Rock-Band zum Contest und kassierten den zweiten Platz. Dieses Jahr mit Yüksek Sadakat also das gleiche Konzept. Der etwas langweilige Rock-Song wird beim Wettbewerb noch ein wenig mit Streichern und Elektro-Sounds aufgepeppt, damit er auch schön massenkompatibel und modern rüberkommt. Wird wieder funktionieren. Das Finale ist der Band eigentlich schon sicher.
Nina - Caroban (Serbien): Herzlich Willkommen in den 60ern. Serbien macht einen auf Austin Powers und lässt Nina einen Gute-Laune-Song im Funky-Swing-Sound singen. Dazu hoppeln im Hintergrund drei Backgroundtänzerinnen herum und tun so, als ob sie singen würden. Warum jetzt ausgerechnet der Trompeter und der Saxophon-Spieler mit auf die Bühne kommen, der Schlagzeuger zum Beispiel aber nicht, ist vollkommen unklar. Gut, ein Drummer kann sich natürlich auch nicht so unheimlich cool bewegen. Style und Song heben sich auf jeden Fall angenehm von den anderen Beiträgen ab und haben dadurch sehr gute Chancen.
Alexey Vorobyov - Get You (Russland): Alexey Vorobyov aka Alex Sparrow heißt Russlands Held: Fast-Fußballprofi, Schauspieler, MTV-Soap-gestählt und ausgebildeter Musiker. Die von Lady Gagas Kollabopartner RedOne produzierte Achtziger Poprock-Nummer "Get You" klingt fast schon wieder zu eingängig. Was beim Eurovision Song Contest ja nur von Vorteil sein kann.
Anna Rossinelli - In Love For A While (Schweiz): Die aparte Anna könnte es schon allein von der Optik her weit schaffen. Als straßenerprobte Popsoul-Chanteuse weiß sie aber auch, wo live der Hase lang läuft. In Basel studierte Frau Rossinelli an der Jazzschule und könnte nun mit natürlich guter Laune und Eleganz punkten. "In Love For A While" kommt als Akustiknummer mit dezentem Offbeat. Annas Ziel? Ein Gesangsstudium in New York. Sehr schön.
Eldrine - One More Day (Georgien): Wind- und Nebelmaschine anwerfen und ab dafür! Ein bisschen erinnert Georgiens Beitrag an Crossover aus den Mittneunzigern. Laut-leise-Spielereien inklusive. Nur: Sophio Toroshelidze, die Frontfrau der Truppe, sieht wesentlich besser aus, als das Gros der rockenden Epigonen aus dem vergangenen Jahrtausend. Leider sind Songstruktur, Text und einfach alles ebenfalls angestaubt und aus der Zeit gefallen. Die Rap-Parts im Zwischenteil klingen zudem äußerst offensichtlich bei Linkin Park abgekupfert. Lustig: Namensgeberin der Band und eigentliche Frontfrau, Tamar Eldrine, wurde kurzerhand aus der Combo geworfen. Kann sein, dass die Optik etwas reißt, der Titel könnte im Finale unter Ferner liefen rangieren.
Paradise Oskar - Da Da Dam (Finnland): Von Lordi zum Paradies Oskar ist es nur ein kleiner Schritt. Oder so. Das Pseudonym entlehnt Axel Ehnström der Astrid Lindgren-Geschichte "Rasmus und der Landstreicher". Die sanften Singer/Songwriter-Klänge garniert der junge Mann mit der zarten Stimme mit schönen naiv-tragischen Weltverbesserer-Lyrics. Ein simpler Song mit simplen Melodien, der das Zeug hat, Lena Konkurrenz zu machen.
Glen Vella - One Life (Malta): Der kleine Inselstaat wirft mit Glen Vella einen Kandidaten ins Rennen, der nun nach einigen Top-Ten-Platzierungen Maltas beim ESC endlich mal den Sieg nach Hause bringen soll. Seine Nummer im Uptempobereich ist jedoch weder einmalig noch hervorstechend und die Konkurrenz schläft nicht: Polen, Israel, Russland, Schweden und Weißrussland werden mit ähnlichen Songs antreten.
Senit - Stand By (San Marino): Erst zum zweiten Mal macht das kleine Land beim Grand Prix mit und schickt Senit zum Wettbewerb. Die Sängerin hat schon in mehreren Musicals mitgespielt und zwei Solo-Platten in Italien heraus gebracht. Zucchero war dermaßen begeistert von ihr, dass er sie als Supportact für eine seiner Touren engagierte. Nun sollte man meinen, dass man einen geilen Popsong hört. Allerdings ist der Track eher lahm. Eine ziemlich langweilige Pop-Ballade mit minimalem Country Einschlag. Kommt unter Garantie nicht ins Finale.
Daria Kinzer - Celebrate (Kroatien): Grundgütiger. Die Frau sieht aus wie eine Mischung aus Sarah Connor und Celine Dion. Ihr Song "Celebrate" ist ähnlich attraktiv: strunzlangweiliger Eurodance-Pop mit ordentlich Bumms. Gähn. Zumindest haben die Kroaten den Songtitel von dem höchst seltsamen "Break A Leg" in das passendere "Celebrate" umbenannt. Daria ist übrigens Wienerin, studiert dort am Konservatorium und hat in diversen Musicals gesungen. Aber das hilft ihr hier auch nicht weiter. Die Nummer wird schon in der Vorrunde rausfliegen.
Sjonni's Friends - Coming Home (Island): Song und Band haben eine traurige Vorgeschichte: Sigurión Brink, genannt Sjonni, nahm mit "Coming Home" bei den Vorausscheidungen in Island teil. Kurz vor dem Halbfinale starb er mit 36 Jahren an einer Hirnblutung. Seine Frau entschieden sich zusammen mit Freunden, das Lied ihm zu Ehren ins Rennen zu schicken. Als Sjonni's Friends gewannen sie den Nationalen Wettbewerb. Der nette und fröhlicher Folk-Pop gehört definitiv nicht zu den schlechtesten Beiträgen. Vor allem die Hintergrund-Geschichte könnte der Gruppe einen Vorteil verschaffen.
Kati Wolf - What About My Dreams (Ungarn): Ist das die Ost-Madonna? Oder die ungarische Sarah Jessica Parker? Nein, das ist Kati Wolf, 36 Jahre alt, zweifache Mutter und studierte Musikerin. Nachdem Ungarn im vergangenen Jahr aus finanziellen Gründen nicht teilnehmen konnte, schicken sie mit Kati einen der Favoriten ins Rennen. Ihr Song ist eine 80er-Jahre Disko-Pop Nummer, erinnert schon ziemlich an die Queen Of Pop und geht verdammt fix ins Ohr.
Homens Da Luta - Luta É Algría (Portugal): Portugal hat bereits 44 Mal beim Grand Prix teilgenommen, ohne auch nur einmal unter die Top fünf zu kommen. Damit ist Portugiesisch die erfolgloseste Sprache des Wettbewerbs. Hinzu kommt, dass jetzt eine Spaßtruppe ins Rennen geht, die politische Inhalte besingt und soziale Missstände anprangert: "Uns missfällt, wie es gerade um Portugal und Europa steht und wir gehen nach Düsseldorf, um genau das zu zeigen", sagte Leadsänger Nuno Duarte. Doch das könnte möglicherweise zu einer Disqualifikation führen, da nach den Regeln der EBU politisch motivierte Songs nicht erlaubt sind. Wie es auch ausgehen mag, eines muss man ihnen lassen: Sie sind mutig und erfrischend anders.
Evelina Sašenko - C'est Ma Vie (Litauen): Evelina Sašenko hat zwar polnische Eltern, ist aber in Litauen aufgewachsen. Die 23-jährige Jazzgesangstudentin versucht mit der Ballade "C'est Ma Vie" von Andrew Lloyd-Webber, Litauen etwas nach vorne zu bringen. Sie singt den Großteil auf Englisch und nur den Refrain auf Französisch, der Originalsprache der Ballade. Ihre Stimme klingt recht nett und Talent bringt sie auch mit!
Ell/Nikki - Running Scared (Aserbeidschan): Diese Aserbaidschaner! Erst dreimal haben sie teilgenommen und jedes Mal kamen sie in die Top Ten. Und auch dieses Jahr ist ihr Beitrag einer der Top-Favoriten. Ell und Nikki singen ein poppiges Kuschel-Duett, dass verdammt eingängig ist. Damit gehören sie zu den Top-Favoriten.
Loukas Yiorkas feat. Stereo Mike - Watch My Dance (Griechenland): Hip Hop war bisher im Schlager-Contest eher unterrepräsentiert. Mit dieser Tradition wollen die Griechen in diesem Jahr brechen, dabei aber zugleich die eigene hochhalten. Stereo Mikes grantige Raps wollen in den Kontext nicht so recht passen, Loukas Yiorkas raubt der Nummer mit seinem schnarchnasigen Refrain zudem jeden Drive. So wird das wieder nix, mit Kopfnickerpunkten.