Neben Durchschnittsnudisten ziehen in RTLs Kuppelshow "Adam sucht Eva" in diesem Jahr auch Prominente blank. Doch ein Mann stiehlt ihnen bereits in der ersten Folge die Show. Stripper Jesse ist so überdreht, als hätte RTL all seine ehemaligen Trash-Favoriten in einer Frankenstein-Nacht in diesem saarländischen Muskelständer vereint.

Gratulation. Wirklich. Das ist das Wort, mit dem jeder Artikel über die dritte Staffel von "Adam sucht Eva" beginnen sollte. In diesem Jahr ist es RTL gelungen, die sowieso niedrige Latte noch tiefer zu legen. In etwa so tief, wie dieses Wortspiel.

Der Sender hat aus der Schwemme an Trash-TV-Shows mit allzu souveränen Ehemals- und Möchtegern-Prominenten gelernt und penibel darauf geachtet, dass die Teilnehmer diesmal noch viel schlichter gestrickt sind als in Staffel eins. Was durchaus als Kompliment zu verstehen ist.

Kurz zu den Grundvoraussetzungen, nur für den Fall, dass Sie der Show ernsthaft folgen wollen: Sieben Prominente und elf Nichtprominente werden nackt auf einer Karibikinsel ausgesetzt. Die chronische Kleiderlosigkeit soll dafür sorgen, dass sie sich ohne Vorurteile kennenlernen, verlieben oder zumindest ein wenig kamerawirksam fummeln.

Als Prominente sind unter anderem Dschungelkönig Peer Kusmagk und "Richter Gnadenlos" Ronald Schill dabei, die aber erst in späteren Folgen auf die Insel gelangen.

Das ist verschmerzbar, denn was RTL diesmal an vermeintlichen "Normalos" auf die Karibik loslässt, davon kann so manche selbsternannter Promishow nur träumen. Desinfektor Max (das ist wirklich sein Beruf) zum Beispiel ist eigentlich schüchtern. Und hält es deswegen für eine gute Idee, sich bei der Suche nach einer Frau direkt auszuziehen.

Oder zu dichten. Kleine Kostprobe gefällig? "Deine See ist wild geworden. Meine Fahrt beginnt im Norden. Den Verzicht will ich mir sparen. Deine Gewässer zu befahren."

Einzelhandelskauffrau Marlena hingegen sitzt einfach nur so da, und "drückt sich die Nippel ein". "Dann sehen die schöner aus", sagt sie. Und Maurer Kushtrin nimmt sich vor, bei der ersten Begegnung seiner Traumfrau "direkt auf die Pflaume zu schauen". Ärgert sich dann aber, "weil sich das nicht ergeben hat".

Das Glanzstück von "Adam sucht Eva"

Die Promis sind nicht viel besser. Sarah Joelle, besser bekannt als "das Pocher-Luder", ist zwar als "Star" für die Show eingekauft, es erkennt sie aber niemand. "Es ist ein Mensch. Ne Frau. Ob sie jetzt bekannt oder unbekannt ist, ist relativ", sagt Kushtrin treffend dazu, als hätte Promiresterampen-Philosoph Joey Heindle von ihm Besitz ergriffen.

Sarah Joelle nimmt es gelassen. Ihr erwähnenswertester Beitrag in der Sendung ist sowieso, dass sie nackt seit "fünf Tagen nicht kacken" kann. Man versteht sofort, was Oliver Pocher an ihr so faszinierend fand.

Auch Promi Nummer zwei sorgt nicht für mehr Niveau auf der Insel. Es ist der Österreicher Daniel Köllerer. "Man kennt mich wahrscheinlich als ehemalige Nummer 55 der Tennisweltrangliste", sagt er. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit ist. Der Ex-Sportler machte 2011 Schlagzeilen wegen Spielmanipulationen und wurde lebenslang gesperrt. Danach jammerte er sich durch die dritte Staffel von "Promi Big Brother". Ausgerechnet er trifft als erster auf Jesse. Das Glanzstück von "Adam sucht Eva".

Egal ob der muskulöse Stripper Jesse aus dem Saarland nun ein Castingglücksgriff ist oder ein Schauspieler, den Jan Böhmermann eingeschleust hat: Mit diesem Heinz Becker im Körper eines Chippendales ist RTL sein Meisterstück gelungen.

Vergessen Sie Peter Bond im Dschungelcamp oder Frédéric von Anhalt in "Die Burg", der "Securitee" und Stripper ist der Trash-TV-Proll, um alle anderen Möchtegern-TV-Prolls dem Erdboden gleich zu machen.

Ja, eben, warum dann nicht!

Es beginnt damit, dass er freimütig in breitem Saarländisch erklärt, dass er seinen Penis "Free Willy" nennt. Gelegenheit zum Freigang bekommt der vor allem bei kurzen amourösen Abenteuern: "One Night Stand find ich eigentlich gut", sagt er. "Das tut meinem Gehänge auch gut." Das hofft er so auch auf der Insel fortsetzen zu können, denn: "Wenn die Evas mich nackt sehen, dann werden die auf jeden Fall sagen, den will ich. Weil ich, äh, einfach saugut auschau, und, äh, warum dann nicht?"

Ja, eben, warum dann nicht! Und wo hat sich dieser Mann all die Jahre bei gefühlten sieben Milliarden schlechten Shows mit C-Promis versteckt?

Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist "Adam sucht Eva" eine Einmannshow. Beim Zusammentreffen mit Köllerer befürchtet Jesse sofort, dass dieser nun schwul wird, weil er ihn gesehen hat. Eine der Frauen begrüßt er mit: "Die hat Hammer Kanonen." Sarah Joelle will er ständig eincremen. Oder gleich löffeln.

Und am Tisch erklärt er dann auch noch sein Frauenbild direkt aus dem Wahlprogramm der AfD: Er arbeitet von morgens bis Abends, dann erwartet er auch, dass seine Partnerin abends Essen, Trinken und Zeitung reicht. Es ist, als hätte RTL all seine ehemaligen Trash-Favoriten in einer Frankenstein-Nacht in diesem saarländischen Muskelständer vereint.

Als Höhepunkt dieser TV-Farce präsentiert Jesse den Inselbewohnern ungefragt einen Auszug aus seinem Stripprogramm. Im Mikroslip und mit Fliege reibt er sich an Sarah Joelle, wackelt mit dem Hintern und geht in den Spagat.

Die Show endet damit, dass er sein Bein über die Schulter von Marlene stemmt und sein Gemächt wie ein Lasso vor ihrem Gesicht schwingt. Die Kandidaten sind entsetzt, der Zuschauer sprachlos.

Was soll danach noch kommen? Lässt sich das noch toppen? Selbstverständlich. Spätestens wenn Ronald Schill auf der Insel eintrifft.