Diese Acts wollen ins ESC-Finale

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Heute Abend kämpfen 19 Sänger um den Einzug ins Finale.

Nadine Beiler - The Secret Is Love (Österreich): Die FM4-Spaßguerilla Stermann & Grissemann hat sie bereits aufs Korn genommen und kräftig durch den Kakao gezogen. Der Tenor: Dieses Lied kann jeder singen. Wenn Nadine aber ihre Kulleraugen aufmacht und den Song anstimmt, wird schnell klar, dass der Guten stimmlich keiner was kann. Der Track selbst ist jedoch langweilge Meterware. Ähnlich dem Zeug, mit dem alternde Diven wie Mariah Carey oder Celine Dion ihre Klientel die letzten zehn Jahre nervten. Aber Obacht vor der Vorhersagekraft von Stermann & Grissemann (die beiden sagten schon 2000 in Stockholm den Sieg der Olsen Brothers voraus). Und obacht vor der Power der Österreich-Ballade: Der einzige Sieg der Alpenrepublik gelang ebenfalls mit einem Schmachtfetzen, nämlich Udo Jürgens mit "Merci Chérie".
3Js - Never Alone (Niederlande): Für den Eurovision Song Contest tauschten die Niederländer zwecks Steigerung der Siegchancen mal eben die Sprache, vom Niederländischen ("Je Vecht Nooit Alleen") hin zum Englischen ("Never Alone"). Heraus kam eine hörbare Ballade, die so auch von Bon Jovi stammen könnte. Eine starke Stimme für eine harmlose Rockballade - es hätte schlimmer kommen können. Ein wenig mehr Wiedererkennungswert hätte der Nummer nicht geschadet, aber trotzdem: solide Leistung.
Witloof Bay - With Love Baby (Belgien): Schade, dass musikalisches Können beim Grand Prix wenig gilt. Sollte es doch einmal anders sein und gerecht zugehen, dürfen sich die Belgier in diesem Jahr gute Chancen ausrechnen. Ihre Nummer "With Love Baby" tönt zwar über weite Strecken wie eine traditionelle, etwas angeswingte R'n'B-Nummer. Der himmelweite Unterschied zu Vergleichbarem: Witloof Bay verzichten auf Instrumente.
Twiins - I'm Still Alive (Slowakei): Die Zwillinge Daniela and Veronika vertreten die Slowakei mit einer Ballade. Im Prinzip nicht wirklich aufregend - ganz nett eben. Interessant ist aber, dass die Slowakei eigentlich gar nicht hätte antreten sollen, da das Staatsfernsehen hoch verschuldet ist. Doch die Absage kam zu spät, die Teilnahmegebühr musste bezahlt werden und die Twiins wurden ohne nationalen Vorentscheid bestimmt.
Zdob si Zdub - So Lucky (Moldau): Erinnert sich noch jemand an den Grand Prix 2005? Moldau nahm in diesem Jahr zum ersten Mal an dem Wettbewerb teil und belegte einen guten sechsten Platz. Damals heimste vor allem die alte Oma mit der Trommel Sympathie-Punkte ein. Die ist dieses Jahr zwar nicht dabei, aber dafür wieder die Band Zdob si Zdub. Die Jungs erinnern mit ihrer Mischung aus traditioneller Folklore und Crossover an Bands wie Gogol Bordello und waren schon Teil des legendären Russendisko-Samplers. Wäre wirklich schön, wenn die Band zumindest ins Finale kommen würde.
Eric Saade - Popular (Schweden): Wer aus Schweden kommt und sein Land beim Eurovision Song Contest vertritt, hat es naturgemäß schwer. Denn wer könnte es schon schaffen, in die Fußstapfen von ABBA zu treten? Eben. Immerhin inspirierte Eric einst ein anderer der ganz Großen zur Karriere im Musicbiz: Michael Jackson. Nun ist er Mitglied einer Boyband, macht auf Tanzalarm und ist in Deutschland bekannt: Übermittelte er doch 2010 die zwölf schwedischen Punkte für Lena.
Christos Mylordos - San Angelos S'Agapisa (Zypern): Eine Pop-Ballade mit folkloristischen Elementen. Geht schnell ins Ohr und genauso schnell wieder raus. Wird wohl kaum ins Finale kommen. Dazu ist der Song zu uninspiriert und schwach. Gegen so starke Konkurrenten wie die Ukraine oder Schweden hat Mylordos aus Zypern kaum eine Chance.
Poli Genova - Na Inat (Bulgarien): Mit Pink- und Roxette-Vergleichen ausgestattet, reist Poli Genova aus Bulgarien nach Düsseldorf. Mit im Gepäck hat sie den rockigen Song "Na Inat", was "Zum Trotz" bedeutet. Der Song wurde von einem Wiener Produzententeam geschrieben. Einige Gitarrenriffs und ein schön eingesetztes Klavier räumen der studierten Klarinettistin gute Chancen ein.
Vlatko Ilievski - Rusinka (Mazedonien): Hartnäckig ist er, der gute Vlatko. Zum vierten Mal hintereinander nahm er am nationalen Vorentscheid in Mazedonien teil, jetzt hatten seine Landsleute ein Einsehen. Und womit? Mit Recht, denn der Track versprüht einen netten Balkan-Charme. Ein bisschen mehr Wumms hätte zwar nicht geschadet, aber mit diesem Song dürfte Mazedonien gute Chancen haben, einmal in die Top Ten vorzudringen, was dem kleinen Land in seiner ESC-Geschichte bislang versagt blieb.
Dana International - Ding Dong (Israel): Die transsexuelle Dana gewann den Grand Prix bereits im Jahre 1998. Von vielen Anhängern in Israel gefeiert, gab es auch streng Gläubige, die sie für ihre Entscheidung der Geschlechtsumwandlung verurteilten. 13 Jahre später tritt die nun 39-Jährige mit ihrer Plastikpop-Ballade "Ding Dong" erneut an. Aber dass sie nochmal den Titel einfährt, scheint nicht sehr wahrscheinlich.
Maja Keuc - No One (Slowenien): Sexy Lady im schwarzen langen Kleid. So weit, so gewöhnlich. Allerdings haucht Maja keine Schnulzballade über eine verflossene Liebe ins Mikro, sondern einen recht dramatischen, fast rockigen Popsong über ... nun ja, über eine verflossene Liebe. Aber an irgendwas muss man sich ja festhalten. Slowenien hat mit dem Song ganz gute Chancen auf das Finale. Für den ESC wird er auf Englisch vorgetragen.
Hotel FM - Change (Rumänien): Ein Lächeln kann die Welt verändern. Behaupten zumindest Hotel FM in "Change". Die rumänische Band um den britischen Sänger David Bryan grinst sich durch einen leicht rockigen Up-Tempo-Song. Zumindest verbreiten sie etwas gute Laune dabei. Besonders großartig oder abwechslungsreich ist der Track nicht und wird wohl trotz Ohrwurm-Refrain und Weltverbesserer-Text nicht ins Finale einziehen.
Getter Jaani - Rockefeller Street (Estland): Einer der besten Beiträge kommt dieses Jahr aus Estland. Süßes Mädel hüpft über einen Dancefloor-Füller. Der Song hat einfach alles, was ein Siegerbeitrag haben sollte: Eine Künstlerin mit Ausstrahlung, viele Rhythmus- und Tempiwechsel, einen eingängigen Refrain und einen völlig bekloppten Text ohne Sinn. Warum ihre Tänzer jetzt diese gelben Tücher rumwerfen, ist zwar höchst unklar, wird aber den Song auch nicht davon abhalten, mindestens in die Top 5 zu klettern.
Anastasiya Vinnikova - I Love Belarus (Weißrussland): Huiuiui. Da gings richtig heiß her in Weißrussland. Zuerst wurde dem eigentlich favorisierten Beitrag von Katya Langer vorgeworfen, er sei schon fünf Jahre alt. Der Fernsehsender BTRC entschied sich deshalb doch lieber für Anastasiya und ihren Sowjet-Nostalgie-Song "Born In Bielorussia". BTRC änderte den Text ein wenig ab und nannte ihn "I Am Belarus". Dann drohte Weißrussland aber die Disqualifikation, weil der Song zu früh veröffentlicht wurde. Also musste schnell ein komplett neuer Song her: "I Love Belarus" eine vor Pathos nur so triefende Liebeserklärung an das hübsche Weißrussland. Der Song könnte es sogar ins Finale schaffen. Irgendwie ist er doch ziemlich catchy.
Musiqq - Angel In Dusguise (Lettland): Die Frisur von Markus Kavka und die Stimme von Jon Bon Jovi geborgt, dazu ein hornbebrillter Gitarrero, der leider auch noch zu rappen versucht, und Vierviertelbeat aus der Konserve. Sollte Lettland in diesem Jahr über eine Halbfinalteilnahme hinaus kommen, muss die Konkurrenz wirklich ganz schön übel ausfallen.
A Friend In London - New Tomorrow (Dänemark): Dänemark startet mit ordentlich Ohrwurm-Potential in den diesjährigen Eurovision Song Contest. Die Brit- und Indiepop nahe Boygroup A Friend in London tritt mit "New Tomorrow" an. Die eingängige Rocknummer handelt von einem besseren Morgen und lädt zum Mitsummen ein. Sie erinnert etwas an Paso Dobles "Herz an Herz", gemixt mit Emilias "Big Big Girl". Gute Chancen für den dritten dänischen Grand Prix-Sieg.
Jedward - Lipstick (Irland): Jedward ist der letzte Schrei in Irland. Der irische Dieter Bohlen meinte völlig zurecht: "Not very good and incredibly annoying" ("Nicht wirklich gut und unglaublich nervig.). Doch irgendwie schafften es die eineiigen Zwillinge dann doch in die irischen Charts und zwirbelten dort herum, als hätten sie nie etwas anderes getan. Nun sollen sie dem titelverwöhnten Irland nach 15 Jahren endlich wieder die Krone bringen. Wenn diese zwei Turmfrisuren das hinbekommen sollten, fressen wir einen Lippenstift!