In der vorletzten Ausgabe der Reise-Doku "Mit 80 Jahren um die Welt" trifft Marianne in Vietnam einen ganz besonderen Menschen. Christina feiert Geburtstag und zwischen Norbert und Erika hat es gefunkt. Es hätte so schön sein können - doch gleich zu Beginn der neuen Folge bahnt sich Unheil an.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

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Sechs Senioren, sechs Länder, vier Wochen. Die neue ZDF-Doku-Reihe "Mit 80 Jahren um die Welt" vereint so einiges in sich: Doku-Soap, Reisereportage und ein bisschen Feel-Good-Movie.

Bei ihrer Weltreise erlebt die ungewöhnliche Reisegruppe Lustiges, Rührendes, Aufregendes und vor allem immer Neues.

Vorletzte Station ist Vietnam, doch bei der Ankunft ist die Stimmung ein "wenig getrübt", denn "Lothar fühlt sich nicht gut". Das Ärzteteam will ihn gleich im Hotel noch einmal untersuchen. Da wissen die Beteiligten noch gar nicht, wie betrübt die Stimmung noch werden sollte.

Lothar, so erfuhr es der Zuschauer bereits in der Auftaktfolge von "Mit 80 Jahren um die Welt", sollte das Ende der Dreharbeiten nämlich nicht mehr erleben. In der Vietnam-Folge erfährt der Zuschauer aber zunächst nur, dass Lothar auf Anraten der begleitenden Ärztin die Reise vorzeitig abbrechen und nach Deutschland zurück fliegen muss.

"Was nicht geht, geht nicht", nimmt es der ehemalige Bürgermeister tapfer. Umso trauriger wirken angesichts der kommenden Tragödie die Szenen, als sich die Gruppe von ihrem Reisebegleiter verabschiedet.

Noch nichts Böses ahnend, ist Marianne bei der Ankunft in Vietnam aber noch "voller Vorfreude". Nicht nur, weil sie das Land zwischen China und Laos noch nie bereist hat, sondern weil dort ein ganz besonderer Mensch wohnt.

Mariannes Wunsch: Pflegesohn wiedersehen

Ende der 1970er kommt der Vietnamese Tien nämlich zur Ausbildung in die DDR und die Dresdnerin nimmt den jungen Mann als ihren Pflegesohn auf. Nach zwei gescheiterten Ehen zieht Marianne ihre drei Kinder alleine groß. Zur gesamten Familie gehören neben den drei Kindern inzwischen auch acht Enkel, vier Urenkel – und eben Tien.

"Er ist mein Sohn geworden, weil er im 12. Lebensjahr im Vietnamkrieg seine Mutter verloren hat und er hat das Gefühl gehabt, bei uns eine neue Familie gefunden zu haben", erzählt die 79-Jährige: "Er gehörte dazu und dann stellte er mir die Frage, ob er Mutti zu mir sagen darf. Das ging mir unter die Haut."

Nach seiner Rückkehr nach Vietnam riss der Kontakt zu ihrem Pflegesohn ab, weil die Post aus unbekannten Gründen nicht zugestellt wurde.

Umso größer ist also Mariannes Vorfreude: "Mein größter Herzenswunsch wäre es, wenn ich meinen Ziehsohn Tien nach 40 Jahren endlich einmal wiedersehe, in die Arme nehmen und sagen kann: Hier steht deine Mama und die hat dich ganz lieb."

Nun muss man kein Hellseher sein, um nach diesen rührenden Worten zu wissen, was kurz darauf passieren wird – zumal der Zuschauer ja weiß, dass bei "Mit 80 Jahren um die Welt" jeder Teilnehmer einen Herzenswunsch erfüllt bekommt.

Mariannes großes Wiedersehen

Doch bis es soweit ist, steht für die rüstige Rentnertruppe noch einiges auf der To-do-Liste. Zunächst geht es auf den Markt. Mit Händen, Füßen und Vietnamesisch-Brocken sollen die Weltenbummler die Zutaten für vietnamesische Sommerrollen besorgen und im Anschluss unter Anleitung einer Köchin zubereiten. "Ich hätte nie gedacht, dass es schmeckt", erzählt Erika über das Ergebnis.

Was hingegen Christina nicht gedacht hätte, ist, dass sie ihren 78. Geburtstag einmal in Vietnam feiern sollte.

Nach einer kleinen Feier ist es dann aber endlich für Marianne soweit. Das ZDF hat ihren ehemaligen Ziehsohn in Haiphong ausfindig gemacht. Auf dem Weg zu ihm gibt sich die Dresdnerin aufgeregt, aber ohne Erwartungen: "Es kommt, wie es kommt"

Und dann kommt es und zwar mit aller Rührung. Als sich die beiden nach knapp 40 Jahren in die Arme fallen, brechen bei Marianne die Tränen heraus: "Es ist Wahnsinn, es ist so schön". Nachdem die ehemalige Ziehmutter Tiens Familie kennenlernen darf, die Geschenke und Erinnerungen ausgetauscht sind, darf Marianne sogar bei ihrem Pflegesohn übernachten.

Es knistert auch im Alter

Unterdessen bahnen sich zwischen Erika und Norbert bei einem Stadtbummel erste "Sympathiebekundungen" an. "Auch im Alter kann das noch knistern", schmunzelt Christina über ihre Verkupplungsversuche zwischen Norbert und Erika.

Und an dieser Stelle zeigt sich das Besondere an "Mit 80 Jahren um die Welt". Die Doku begleitet nicht nur eine Rentnergruppe beim späten Entdecken der Welt, sondern auch beim Entdecken neuer zwischenmenschlicher Bindungen.

Für die Zuschauer eine schöne Botschaft. Auch im Alter noch neugierig auf die Welt zu sein und auf die Menschen, die in ihr Leben. Egal, ob in fernen Ländern oder im Haus nebenan.