Ob Jens Spahn, Kristina Vogel, Lilly Becker oder Günther Küblböck: Die Gäste beim von Günther Jauch moderierten RTL-Jahresrückblick sind hochkarätig. Trotzdem bleibt "2018! Menschen, Bilder, Emotionen" oberflächlich, da die Sendung völlig überfrachtet ist und Jauch kaum Zeit für seine Gesprächspartner hat.

Christian Stüwe
Eine Kritik
von Christian Stüwe, Freier Autor

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Wieder mal neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Gefühlt war gerade eben erst Silvester, doch auf dem Adventskranz brennt bereits die erste Kerze. Zeit also zurückzublicken, auch im Fernsehen. RTL machte am Sonntagabend mit "2018! Menschen, Bilder, Emotionen" den Anfang.

Wie bei solchen Sendungen üblich wurden zunächst in schnell zusammengeschnittenen Bildern die Ereignisse des Jahres rekapituliert.

Das Höhlen-Drama in Thailand oder die Räumung des Hambacher Forsts, das Urteil im NSU-Prozess, die royale Hochzeit von Meghan Markle und Prinz William und die Regierungskrise im Sommer, ausgelöst durch die Unstimmigkeiten zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Innenminister Horst Seehofer.

Nicht fehlen durfte natürlich auch das Debakel der Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland, auch wenn es weh tut.

Heino singt die Hits des Jahres

Kurios wurde es, als Heino wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag in einem Medley die Hits des Jahres präsentierte. Der Schlagersänger gab Songs wie "Cordula Grün" zum Besten und schreckte nicht mal vor "In My Mind" vom italienischen DJ Gigi D'Agostino zurück.

Der Song steht übrigens auch in der Playlist von Gina Lückenkemper ganz weit oben. Die Sprinterin gewann die Silbermedaille über 100 Meter bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin und war genauso im Studio wie Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko.

Mit beiden plauderte Moderator Günther Jauch kurz. Sehr kurz sogar. Gerne hätte man mehr von den Leichtathleten gehört, von vielen anderen Gästen auch.

Lilly spricht über den Rosenkrieg mit Boris Becker - und sagt fast nichts

Doch genau hier lag das große Problem der Sendung. Quasi im Minutentakt wurden neue Gäste präsentiert, alles wirkte ziemlich gehetzt, Schicksale rasten wie am Fließband vorbei.

Hoffnung für Boris? Dieses Geständnis bei Jauch klingt nicht nach Liebes-Aus.

Da saß eine Frau, die während eines Frühlingssturms beinahe von einem Ast in ihrem Auto aufgespießt wurde und durfte genau zwei Sätze sagen.

Ein Gleitschirmflieger aus Weissrussland, der tatsächlich von einem Ast aufgespießt worden war, bekam immerhin ein paar Sekunden mehr Redezeit. Dann waren auch schon die Nächsten dran.

Zum Beispiel Lilly Becker, die erstmals live im Fernsehen über den Rosenkrieg mit ihrem Mann Boris Becker sprach. Dieser habe sie so sehr enttäuscht, dass sie nicht mehr mit ihm befreundet sein könne.

Ein Liebes-Comeback schloss sie kategorisch aus. Aber was denn nun vorgefallen war, darüber sprach Lilly Becker nicht. Auch nicht über ihren angeblich positiven Drogentest.

Ein Londoner Gericht habe verfügt, dass über den Drogentest nicht gesprochen werden dürfe, erklärte Jauch, damit war das Thema abgehakt. Als das Gespräch nach ein paar Minuten beendet war, waren die Zuschauer genauso schlau wie zuvor.

Kristina Vogel spricht über ihr neues Leben

Trotzdem hatte die Sendung ihre intensiven Momente, die im Gedächtnis bleiben werden. Etwa als Gianluca Ardini von dem Brückeneinsturz in Genua berichtete.

Der Italiener war bei dem Unglück, das 43 Menschen das Leben gekostet hatte, aus 40 Metern Höhe abgestürzt und anschließend mehrere Stunden neben seinem toten Kollegen in seinem Wagen gefangen. Er überlebte, weil er an seinen ungeborenen Sohn dachte.

Auch Kristina Vogel berichtete eindrucksvoll von ihrem Schicksal. Die mehrfache Weltmeisterin und Olympiasiegerin im Bahnradfahren ist seit einem schrecklichen Trainingsunfall im Juni querschnittsgelähmt und erzählte von ihrem neuen Leben im Rollstuhl. Wie positiv und offen die 28-Jährige mit ihrem Schicksal umgeht, ist beeindruckend.

Günther Küblböck berichtet von den psychischen Problemen seines Sohnes

Oder Günther Küblböck, der Vater von Daniel Küblböck, der am 9. September auf dem Kreuzfahrtschiff AIDALuna über Bord ging und seitdem als verschollen gilt. Vater Küblböck berichtete von den schwerwiegenden psychischen Problemen seines Sohnes und von der Machtlosigkeit, der er begegnete, als er versuchte, seinem Sohn zu helfen.

"Es ist schwierig, jemand gegen seinen Willen zu einer Untersuchung zu bringen", erklärte Küblböck und versuchte, die Politik in dieser Sache in die Pflicht zu nehmen.

Als wenig später auch Gesundheitsminister Jens Spahn für ein paar Minuten vorbeischaute, blieb dieser unverbindlich.

"Jemand Zwangseinzuweisen ist natürlich ein massiver juristischer Eingriff", sagte Spahn und es wurde deutlich, dass sich daran wohl auch nichts ändernd wird.

Die enorm aufwendige Live-Sendung endete nach fast dreieinhalb Stunden mit einem Zusammenschnitt aller Gäste und Themen. Ein Rückblick auf den Rückblick sozusagen.

Und der war auch dringend notwendig, denn angesichts der überfrachteten Sendung bestand durchaus die Gefahr, dass die Zuschauer zu diesem Zeitpunkt einen großen Teil des Geschehens schon wieder vergessen hatten.

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