Das hört der ein oder andere Fan sicher nicht gern, aber die Nachrufe auf Udo Lindenberg waren schon geschrieben. Es gab Jahre, da rechnete man täglich, stündlich mit seinem Ableben. Zu viel Rock’n’Roll, zu viel Alk, zu viel von allem, das Herz müde ...

Eine Kolumne
von Christian Schommers

Der Panikrocker hat mit seinem Album "Stärker als die Zeit" seinen Status als einer der größten Musiker Deutschlands gefestigt - was der Bambi-Jury einen Preis wert ist.

Uns Udo war ziemlich malade, um nicht zu sagen am Abgrund. Davon ist inzwischen keine Rede mehr: "Der Greis ist heiß" (Songtitel) und rockt, als gäbe es kein Morgen. "Hinterm Horizont" (Songtitel) geht es wirklich weiter und ist zugleich der Name des Musicals, das der Panikpräsident nun in seiner Wahlheimat Hamburg fortführt – das "Handelsblatt" schreibt: "Auf der Hamburger Reeperbahn hat der Musiker am Donnerstagabend den Start seiner Show "Hinterm Horizont" gefeiert. Die Story vom "Mädchen aus Ostberlin" und dem Rockstar aus Hamburg, die zuvor mehr als fünf Jahre lang in Berlin lief, geht in überarbeiteter Fassung bis Sommer nächsten Jahres im Operettenhaus über die Bühne."

"Hinterm Horizont" geht es in Hamburg weiter. Das gleichnamige Udo-Lindenberg-Musical kommt nach seiner Berlin-Zeit dort auf die Bühne, wo der Musiker zu Hause ist. Mit mehr ...

Der eigene Lindisch-Sprech

Und auf'n Kiez, Udo Lindenbergs innere und äußere Heimat, gehört das Werk auch. Der Westfale ist längst gelernter Hamburger, Kiezianer ... mehrfach hat er die Reeperbahn besungen. Hier an der Elbe, am großen Meer mit seinen Verheißungen begann seine Karriere, seine atlantischen Träume, die Geschichte der Nachtigall aus Gronau, die heute mindestens so bekannt ist wie Angela Merkel. Der Hut, der sich beim Nuscheln bewegt, die gewölbte Unterlippe, die dunkle Brille, der eigene Lindisch-Sprech – der Mann ist Weltgeist in engen Jeans, ein atmendes Stück Bundesrepublik, das Gewissen der Nation.

Nicht nur Udo Lindenberg war früher ein unscheinbares Bürschchen.

"Das Panik-Musical zum Verlieben ist auf dem Kiez angekommen", titelte das Hamburger Abendblatt angesichts der Premiere. Und in einem Interview mit der "Welt" blitzt der Lindische Sprachwitz mal wieder voll durch. Es geht um den Gesangsstil des Musicals: "…jaja, genau. Gejodel wurde verboten, es ginge auch nicht, mit dem Vibrator im Hals, der Dildo singt mit, nee nee! Das sollte Racke Rauchzart straßenmäßig ’rüberkommen, und so ist es jetzt auch."

Das "Udoversum"

Der 70-Jährige feiert seinen zweiten, dritten, was sage ich, fünften Frühling. Panikmäßiger Wahnsinn, sehr "lindividuell". Nichts, was nicht geht. Späte Nummer-Eins-Erfolge für seine Alben, Tournee-Triumphe, eine neues Buch, das Einblicke ins "Udoversum" ermöglicht und von BILD herausgegeben wurde. Star-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre (41), von Udo liebevoll "Stuckiman" genannt, verfasste "Udo Fröhliche!" Das Lindenberg-Lexikon von Alkohol bis Zigarre", eine Biografie, die er wie ein Detektiv (Lindi über Stucki) erstellt hat. Alles über den Hut, die neongrünen Socken und den Eierlikör, der mit Marcel Proust erklärt wird. Ach ja, zur großen Buch-Party kamen sie alle: Kai Diekmann, Tom Buhrow, Klaus Meine, Katja Kessler, H.P. Baxxter, Maria Furtwängler, Vicky Leandros, Olivia Jones, Corny Littmann, Martin Kind und viele andere mehr.

In diesem Sinne "Hut ab" und Ihnen allen einen erfolgreichen Wochenstart!

Christian Schommers   © top.de