Mit der Bewerbung um den SPD-Vorsitz meint es Jan Böhmermann offenbar ernst. Um sich für das Amt zu bewerben, gab der Satiriker nun bekannt, bis zum Parteitag am 6. Dezember 2019 sechs "sozialdemokratische Kampfreden" auf Youtube hochzuladen. Die erste hat er nun veröffentlicht.

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Im Dezember wird der neue SPD-Vorsitz bestimmt. Dann will auch er als Kandidat berücksichtigt werden: Die Rede ist von Jan Böhmermann.

Der 38-Jährige weicht von seinem Vorhaben nicht ab. Im Gegenteil. Der Satiriker macht nun Wahlwerbung in eigener Sache und veröffentlicht bis zum SPD-Parteitag im Dezember jeden Montag eine "sozialdemokratische Kampfrede". Die erste von sechs ging am Montag auf Youtube online.

"Die Montagsreden zur Rettung der deutschen Sozialdemokratie stammen dabei aus der Feder einer profilierten Sozialdemokratin oder eines profilierten Sozialdemokraten – von innerhalb oder außerhalb der SPD", sagt Böhermann.

Reminiszenz an Philipp Scheidemann

Das erste, rund fünf-minütige Schwarz-Weiß-Video trägt den Titel "Ausrufung einer überfälligen Entschuldigung vom Balkon des Reichstags". Böhmermann knöpft sich darin rund 100 Jahre SPD-Politik vor.

Und zwar nicht irgendwie, sondern im Stile des Sozialdemokraten Philipp Scheidemann, der am 9. November 1918 von einem Balkon des Reichstagsgebäudes die Deutsche Republik ausrief.

"Es ist an der Zeit, dass wir uns bei Ihnen, werte Bewohnerinnen Deutschlands, für jahrelange Scheißpolitik und den Verrat an unseren eigenen Werten und Versprechen entschuldigen", beginnt Böhmermann die Kampfrede und bittet im Darauffolgenden mehrfach um Vergebung für die SPD.

Jan Böhmermann entschuldigt sich für die SPD

Der Satiriker entschuldigt sich unter anderem für Hartz IV, die Arbeitsmarktreform, die Agenda 2010, die Destabilisierung der gesetzlichen Rente, die größer werdende soziale Ungerechtigkeit und das "blutleere" Personal der SPD.

Nach einer regelrechten Entschuldigungs-Flut bittet Böhmermann für die Bundesregierung um Verzeihung und für das verzweifelte Festhalten an Ämtern und Posten. Zu guter Letzt erklärt der Moderator nach seiner Abrechnung mit der Politik der SPD: "Entschuldigung, dass wir uns nicht bei Euch entschuldigen!"

Erst dachten manche an einen schlechten Scherz, dann schien er es ernst zu meinen: Nun ist Jan Böhmermann tatsächlich Mitglied der SPD geworden. Der Generalsekretär freut sich auf ein fleißiges Basismitglied.

Youtube-User feiern Jan Böhmermann

Und wie reagieren die User auf die Kampfrede Böhmermanns? Die zeigen sich in erster Linie beeindruckt, wie diverse Kommentare zeigen. "Wenn ein Satiriker wählbarer ist als 'echte' Politiker", meint etwa ein Nutzer. Ein anderer findet: "Aktuell ist dieser Mann wohl der beste SPD-Politiker."

Wiederum ein Dritter schreibt: "Und zack. Mehr für die SPD getan als irgendein anderes SPD-Mitglied." Wie Böhmermanns Reden wohl bei der Partei selbst ankommen, darüber macht sich derweil ein weiterer User Gedanken – Zitat: "Es gibt wohl nichts Erniedrigenderes für die SPD, als öffentlich demonstriert zu bekommen, was Sozialdemokratie bedeutet."  © 1&1 Mail & Media / CF

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Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf sammeln Spenden für Seenotretter, nachdem eine Kapitänin von "Sea-Watch" in Italien festgenommen wurde. © YouTube