Sibel Kekilli: Ohne Schauspielerfahrung zum Erfolg

Die Film- und Fernsehkarriere von Sibel Kekilli begann im Jahr 2004. Heute, ganze 16 Jahre später, feiert sie nicht nur ihren 40. Geburtstag, sondern gehört längst auch zur erfahrenen Schauspielriege - national sowie international. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Mit dem Film "Gegen die Wand" von Fatih Akin feierte Sibel Kekilli 2004 ihr Leinwand-Debüt. Die Tochter zweier türkischer Einwanderer wurde zwei Jahre zuvor auf der Straße von einer Casting-Agentin angesprochen. Drei Wochen Schauspielunterricht sollten für ihren großen Durchbruch genügen.
Für die Hauptrolle in "Gegen die Wand" erhielt Kekilli einen Filmpreis nach dem anderen. In ihrem Trophäenschrank finden sich unter anderem die Lola in Gold als Beste Hauptdarstellerin wieder, der New Faces Award als Beste Nachwuchsschauspielerin, der Bambi als Shooting Star des Jahres sowie eine Auszeichnung als Beste Darstellerin, die sie beim Santa Barbara International Film Festival erhalten hatte.
Nicht nur in deutschen Filmproduktionen wirkte Kekilli mit: 2006 wurde sie für den türkischen Spielfilm "Eve Dönüs" auf dem Golden Orange Film Festival als beste Darstellerin ausgezeichnet. Im selben Jahr war sie außerdem im Holocaust-Film "Der letzte Zug" (Bild) sowie in "Winterreise" zu sehen.
Ihre nächste große Rolle folgte 2010 in "Die Fremde". Kekilli spielt darin eine kurdischstämmige Deutsche, die aus ihrer Ehe in Istanbul ausbricht, um mit ihrem Sohn nach Deutschland zu fliehen. Auch für diese Performance wurde die Schauspielerin mit etlichen nationalen sowie internationalen Preisen bedacht.
In ihrer Dankesrede auf dem Deutschen Filmpreis 2010 erklärte Kekilli unter anderem, dass sie den Wunsch habe, nicht ständig auf das Rollenbild türkischstämmiger Frauen festgelegt zu werden. Schon bald sollte der Wunsch der Schauspielerin erhört werden und sie ergatterte eine ihrer bisher wohl bekanntesten Rollen.
Seit 2010 war Kekilli in der Rolle der Polizeianwärterin und späteren Kommissarin Sarah Brandt im "Tatort Kiel" zu sehen. Bis 2017 spielte sie in insgesamt 13 Filmen der Krimireihe an der Seite von Axel Milberg (r.) mit. 2012 war sie beim Bayerischen Filmpreis für ihre "Tatort"-Rolle als Beste Schauspielerin nominiert.
International machte sich Kekilli zeitgleich ebenfalls einen Namen. Zwischen 2011 und 2014 war sie in der viel prämierten, amerikanischen HBO-Serie "Game of Thrones" als Prostituierte Shae zu sehen, in deren deutscher Fassung sie sich selbst synchronisierte. Hier an der Seite von Tyrion Lennister alias Peter Dinklage.
Im Matthias-Schweighöfer-Streifen "What a Man" übernahm Kekilli 2011 neben Schweighöfer selbst und Elyas M'Barek die weibliche Hauptrolle. Auch hier gab es für die Schauspielerin eine Premiere zu feiern: Es war ihre erste deutsche Komödie überhaupt.
Für ihr Engagement als Botschafterin der Frauenrechtsorganisation "Terre des Femmes" verlieh Bundespräsident Joachim Gauck Kekilli 2017 das Bundesverdienstkreuz. Besonders gegen häusliche Gewalt Frauen gegenüber setzt sie sich ein. Laut eigener Aussage habe sie selbst erlebt, dass "körperliche und seelische Gewalt in einer muslimischen Familie als normal angesehen wird". Sie selbst sei aber in einem Haus mit "relativ modernen muslimischen Eltern" aufgewachsen.