"Britischer Glamour in München" titelten die Lokalzeitungen: Popstar Robbie Williams ist in der bayerischen Hauptstadt, um seine Modelinie zu präsentieren. Doch von Glamour ist wenig zu spüren: Die Fans warten stundenlang in der Hitze - und werden bitter enttäuscht.

"Ewig warte ich hier jetzt auch nicht. Sind ihnen wohl zu wenige Leute", grantelt ein Geschäftsmann im Anzug. Er steht am Donnerstagvormittag um 10:45 Uhr in der Theatinerstraße in München. Langsam wird er ungeduldig.

Dabei sollte es zu diesem Zeitpunkt noch zwei Stunden dauern, bis Superstar Robbie Williams vor den "Marc O'Polo"-Laden tritt.

Der 43-Jährige stellt seine selbst entworfene Kollektion zum 50. Geburtstag der Modekette vor. "A confident man wears pink" - "Selbstbewusste Männer tragen pink", ist der dazugehörige Werbeslogan.

Enttäuschte Fotografen: "Es ist nichts los"

Für die Mode interessiert sich die wartende Menge vermutlich kaum. Die Menschen wollen ihren Robbie sehen! Manche stehen bereits seit 8:00 Uhr morgens vor dem Laden in der Theatinerstraße. Offiziell soll der Popstar um 11:00 Uhr erscheinen.

Zu diesem Zeitpunkt ist aber nur eine kleine Meute von 120 Menschen in der Münchner Innenstadt versammelt, wie die Polizei schätzt: "5.000 werden es wohl nicht mehr werden", scherzt der Polizist.

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Später kommt er erneut auf die Presse zu: "Aber wir können später überlegen, ob wir die Leute noch dazuzählen, die da hinten stehen."

Die wartende Gruppe besteht schätzungsweise aus 20 Prozent Fans, 40 Prozent Presse und 40 Prozent Schaulustigen.

Denn viele sind nur zufällig hier. Sie nutzen die Mittagspause, um eventuell einen Blick auf den Popstar zu erhaschen.

300 Menschen lautet am Ende die offizielle Zahl.

Ein Kameramann steht auf einem Mülleimer und schließt: "Es ist nichts los. Die pfeifen nicht, die schreien nicht. Die sind wohl ein bisschen müde."

Die einzige Attraktion ist eine Frau, die einen lebensgroßen Robbie Williams aus Pappe dabei hat. Die beiden bleiben lange das einzige Fotomotiv der Kameras.

Warten in der Hitze

Die Polizei ist zu acht vor Ort. Noch ist die Lage ruhig, total entspannt. Ein Vormittag unter der Woche an einem heißen Sommertag in München.

Inzwischen ist es schon nach 12:00 Uhr. Die Mitarbeiter des Stores verteilen Wasserflaschen. Die Temperatur steigt auf über 30 Grad.

"Zehn Minuten geb' ich ihm noch, dann bin ich weg", sagt eine ältere Frau. Falls die Taktik der Veranstalter ist, auf mehr Menschen zu warten, geht das nach hinten los: Viele gehen nach Hause, weil ihnen der Kreislauf einen Strich durch die Rechnung macht.

Einmal jubelt die Menge kurz auf: Ist es endlich Robbie? Nein, eine Wolke hat sich kurz vor die glühende Sonne geschoben. Die Menschen müssen sich weiter gedulden.

Da ist Robbie! Und schon ist er wieder weg

Diejenigen, die durchhalten, stimmen nun vereinzelt "Robbie"-Fangesänge an. Ab 12:30 Uhr werden sie ungeduldiger und fordern, dass der Popstar sich endlich zeigt: "Robbie, it's so hot out here!"

Dann, gegen 12:45 Uhr, kommt er endlich nach draußen. Doch selbst die Menschen in der ersten Reihe haben keinen freien Blick auf den Star - Dutzende Kameras blockieren die Sicht.

Mit Ehefrau Ayda reißt Robbie das Papier vom Schaufenster und präsentiert - voilà - seine Kollektion, dessen Kampagne Starfotograf Peter Lindbergh in Szene setzte.

Nach knapp drei Minuten verschwindet Robbie wieder in dem klimatisierten Laden. Und lässt seine Fans stehen. Ohne Hände zu schütteln. Ohne Autogramme zu geben. Oder auch nur in greifbare Nähe zu rücken.

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Robbie Williams wird 44. Als Musik-Legende hat er Popgeschichte geschrieben. Alles begann mit der Boyband Take That, heute ist er ein Solo-Künstler mit vielen Facetten.

Journalisten fragen in die enttäuschten Gesichter, ob sich das Warten gelohnt habe. "Das war unmöglich", sagt eine ältere Dame. "Ich konnte ihn nicht sehen, obwohl ich ganz vorne stand."

Nur eine junge, durchgestylte Frau strahlt in die Kamera: "Es lohnt sich immer! Robbie hat einfach so ein Charisma!"

Der Großteil der kleinen Fangemeinde dürfte das aber anders sehen.