Edward Norton wird 50: Ein Mann für jedes Genre

Zwiegespaltene Persönlichkeiten, leichtfüßige Komödien, Action-Helden – Edward Norton kann sie alle. Als einer der vielschichtigsten und bemerkenswertesten Schauspielgrößen Hollywoods rettete sein Talent schon so manchen Film. Gleichzeitig blieb er abseits der Kameras erfrischend skandalfrei. Am 18. August feiert er seinen 50. Geburtstag – ans Aufhören denkt Norton aber noch lange nicht. © spot on news

Schon sein Berufseinstieg glich einem Paukenschlag: Weil Leonardo DiCaprio für die Rolle des psychisch kranken Mörders Aaron Stampler abgesagt hatte, wurde der damals noch unbekannte Edward Norton für den Part im Thriller "Zwielicht" (1996) engagiert. "Er stotterte und war als unsicherer Typ so überzeugend, dass er vom Fleck weg engagiert wurde", heißt es. Norton, der zuvor ein paar Theaterkurse besucht hatte, glänzte derart überzeugend neben Richard Gere (re.), dass er anschließend seine erste Oscar-Nominierung erhielt und mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde.
Sein Talent wurde von Hollywood sofort erkannt. Auch von Woody Allen, der Norton noch im gleichen Jahr für seine Musical-Romanze "Alle sagen: I love you" (1996) einspannte. Und hier bewies er: Er kann auch in leichtfüßigen Rollen glänzen.
Edward Nortons kraftvolle Verkörperung des geläuterten Neo-Nazis Derek Vinyard in "American History X" (1998) wurde mit einer zweiten Oscar-Nominierung belohnt. Nortons teils extrem verstörende Darstellung wurde als eine der besten des Jahres gefeiert. Die Aussage des Films: Hass und Rassismus richten sich nicht nur gegen Fremde, sie zerstören auch die eigene Familie, und zwar im innersten Kern.
Dieser Film erregte die Gemüter: Die radikale Gewaltdarstellung in David Finchers "Fight Club" (1999), nur einige Monate nach dem Schulmassaker der Columbine High School, bei dem 14 Schüler hingerichtet wurden, brachte viele Kritiker auf die Barrikaden. Doch der Film traf trotz Skandalinhalt einen gewissen Nerv und gilt bis heute als Kult. Und nicht nur Edward Norton als namenloser Hauptdarsteller, auch Brad Pitt (li.) legte als dubioser Seifenhändler Tyler Durden eine Glanzleistung hin – Gesellschaftskritik made in Hollywood.
Im Jahr 2000 gab Edward mit "Glauben ist alles!" sein Regiedebüt. Er selbst übernahm eine der Hauptrollen und konnte für die anderen tragenden Rollen Jenna Elfman (2. v. l.) und Ben Stiller (li.) gewinnen. In der Komödie, die durchwegs gute Kritiken bekam, geht es um eine Dreiecksbeziehung zwischen einem katholischen Priester, einem Rabbi und ihrer Sandkastenfreundin. Dieser Film muss für Norton etwas ganz Besonderes sein: Er hat ihn seiner im Jahr 1997 an einem Gehirntumor verstorbenen Mutter Robin gewidmet.
Wie passioniert Edward Norton an seine Arbeit geht, zeigte sich während des Filmprojekts "Roter Drache" (2002) an der Seite von Anthony Hopkins (re.). Weil er mit dem Ausgang seiner Rolle nicht ganz zufrieden war, schrieb er kurzerhand das Drehbuch um und wollte einen Nachdreh seiner "neuen" Szenen. Weil sich der Streifen aber bereits in der Postproduktion befand, wurde nichts daraus - der Film wurde aber dennoch ein Erfolg.
2003 beweist er mit "The Italian Job - Jagd auf Millionen" erneut seine Wandelbarkeit: Auch als zwielichtiger Bankräuber Steve kommt Norton beim Publikum gut an. Das Remake des britischen Vorbilds "Charlie staubt Millionen ab" (1969) spielte an den Kinokassen etwa 106 Millionen US-Dollar ein - ein gelungener Coup!
Eine Liebesgeschichte zwischen einem Zauberkünstler und einer Herzogin, die im 20. Jahrhundert in Wien spielt: Schon allein der Plot hat etwas Magisches an sich. Und tatsächlich: Die Verfilmung von "The Illusionist" (2006) brachte Kritiker ins Schwärmen: "Hypnotisch", "düster" und "verwunschen" offenbarte sich die emotionale Lovestory dem Zuschauer. Vor allem die unerwartete Wendung am Ende des Filmes lasse einen verzaubert wie verblüfft zurück - und Norton beweist wieder einmal, dass es keine Rolle gibt, für die er nicht geeignet wäre...
Wie selbstverständlich und zudem elegant Norton schauspielerisch hin und her wechseln kann, zeigt auch seine Darbietung in "Der unglaubliche Hulk" (2008). Er selbst spielt den Wissenschaftler Bruce Banner, welcher bei jedem Anflug von Wut zu dem gewalttätigen grünen Mega-Monster Hulk mutiert. Der Film stieß auf gemischte Kritiken, allerdings war man sich einig, das Norton den Hulk glaubhafter verkörperte als sein Vorgänger Eric Bana im Hulk-Movie von 2003.
Doppelter Erfolg: In den Jahren 2012 und 2014 arbeitet Edward Norton mit Star-Regisseur Wes Anderson zusammen, zuerst in "Moonrise Kingdom", und danach im tragisch-komödiantischen Episodenfilm "Grand Budapest Hotel". Der Schauspieler tritt dabei als Inspector Albert Henckels (Foto) auf. Wem die Kulissen des Kassenschlagers merkwürdig bekannt vorkommen: Der Film wurde hauptsächlich in Deutschland gedreht, darunter in Görlitz und Zwickau. "Grand Budapest Hotel" war 2014 als bester Film für die Oscars nominiert, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Aber das machte gar nichts, denn Norton war noch mit einem anderen Film in derselben Kategorie im Rennen. And the oscar goes to…
"Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)"! Vier Oscars erhielt die schwarze Komödie von Alejandro González Iñárritu. Norton spielt darin den unberechenbaren wie erfolgreichen Broadway-Schauspieler Mike Shiner. Zusammen mit Hauptdarsteller Michael Keaton (li.), der den psychotischen Schauspieler Riggan Thomson samt seinem Alter Ego Birdmann verkörpert, legt er laut Kritikern eine "technisch virtuose Satire" hin. Das Besondere: Abgesehen von den Eröffnungsszenen und dem Schluss erweckt der Film den Eindruck, er wäre ohne Schnitt in einer einzigen Einstellung gedreht worden.
Noch ein Wes Anderson-Film, dieses Mal als Synchronstimme: Edward Norton bringt in dem herzerwärmenden und doch düsteren Animantionsfilm "Isle of Dogs - Ataris Reise" (2018) einen Hund namens Rex zum Sprechen, der zusammen mit anderen Hunden auf eine Insel verbannt wurde, wo sie fortan ihrem Schicksal überlassen sind. Doch der kleine Junge Atari macht sich auf, um seinen geliebten Vierbeiner zu suchen. Neben Norton sprechen weitere Topstars wie Jeff Goldblum, Bill Murray, Scarlett Johansson, Tilda Swinton und Yoko Ono das aufwändig animierten Hunderudel.
50 Jahre und noch kein bisschen (Showgeschäft-)müde: Derzeit arbeitet Norton an der Fertigstellung des Krimis "Motherless Brooklyn", welcher voraussichtlich am 12. Dezember 2019 in die deutschen Kinos kommt. Norton spielt darin den unter dem Tourette-Syndrom leidenden Privatdetektiv Lionel Essrog, der versucht, den Mord an seinem einzigen Freund Frank Minna (Bruce Willis, re.) aufzuklären. Für den Film nach der gleichnamigen Romanvorlage von Jonathan Lethem fungiert Norton ebenfalls als Regisseur und Produzent. Wir sind gespannt, in welchen Rollen wir Edward Norton in den nächsten Jahrzehnten bestaunen dürfen - abwechslungsreich wird es sicher werden.