Catherine Deneuve: Film-Diva wird 76 - ihr schillerndes Leben

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Sie spielte stets die Unnahbare, die Geheimnisvolle, die Mysteriöse und wurde mit zahlreichen Preisen überschüttet – Catherine Deneuve hat ihr Leben ganz dem Film, aber auch den Männern gewidmet. Am 22. Oktober wird die französische Film-Diva, Grand Dame und Stilikone 76 Jahre alt. Still ist es um sie noch lange nicht geworden. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Catherine Deneuve wurde am 22. Oktober 1943 in eine Schauspielerfamilie hineingeboren. Vater, Mutter, Schwestern und Halbschwestern waren alle entweder beim Film oder beim Theater tätig. Über ihre Kindheit spricht Deneuve bis heute wenig, sie soll allerdings eigenen Angaben nach "behütet" gewesen sein. Hier ein Bild aus dem Jahr 1961.
Die Familienbande sollte der 13-jährigen Deneuve helfen, die erste kleine Rolle zu ergattern. Ihre Schwester Françoise (r.), die bereits beim Film tätig war, hatte sie gebeten, während der Sommerferien beim Dreh für "Les Collègiennes" (1957) mitzuwirken.
Im Alter von 17 Jahren ging Deneuve mit Filmregisseur Roger Vadim eine Beziehung ein, zwei Jahre später kam Sohn Christian zur Welt. Zu dieser Zeit war ein uneheliches Kind noch ein mittelschwerer Skandal. Doch Deneuve setzte schon immer eher auf Lebensabschnittsgefährten als auf Ehemänner. Sie heiratete nur einmal. Die Ehe mit dem britischen Modefotografen David Bailey (im Bild) hielt von 1965 bis 1972. Ihr damaliger Trauzeuge: Mick Jagger.
Mit dem Musicalfilm "Die Regenschirme von Cherbourg" gelang Deneuve 1964 der große Durchbruch. Mit ihr erschien ein neues, geheimnisvolles, weibliches Wesen auf der (Kino)-Bildfläche. Natürlich brachte sie auch ein gewisses Talent mit, aber die Schauspielerin war sich dennoch bewusst, dass ihr damaliger Mega-Ruhm etwas anderem zugrunde lag: "Ich weiß, dass ich, hätte ich nicht so ausgesehen wie ich ausgesehen habe, niemals hätte Filme machen können.“ Ein Jahr später posierte sie nackt im "Playboy".
Wegen ihrer kühlen, reservierten Mimik wählte der damals noch junge Roman Polanski den neuen Shootingstar für die Hauptrolle in seinem Psychothriller "Ekel" (1965). Eine gute Wahl, Deneuve spielte die an Schizophrenie erkrankte junge Frau, die wegen ihrer sexuellen Alpträume zur Mörderin wird, derart überzeugend, dass der Film als Meisterwerk in die Geschichte einging.
In dem farbintensiven Musicalfilm "Die Mädchen von Rochefort" (1967) war Deneuve an der Seite ihrer Schwester Françoise zu sehen. Sie verkörperten darin – wie treffend – ein Geschwisterpaar. Singen ließ man Catherine Deneuve in dem Musikstreifen übrigens nicht, die Zuschauer mussten mit Playback vorliebnehmen. Noch im gleichen Jahr verunglückte die geliebte Schwester bei einem Autounfall tödlich. Ein Schock, von dem sich Deneuve lange nicht erholte.
Mit ihrer Rolle in "Belle de Jour – Schöne des Tages" (1967) von Luis Buñuel sicherte sich Deneuve ebenfalls einen Ehrenplatz in der Geschichte des Kinos. Der Film über eine gutbürgerliche Pariserin, die ihren Hang zu BDSM entdeckt, sich Gewaltfantasien hingibt und sich auf der Suche nach sexueller Befriedigung prostituiert, schlug damals hohe Wellen. Die Kostüme wurden von der französischen Designer-Ikone Yves Saint Laurent kreiert, der Deneuve daraufhin zu seiner Muse erklärte.
1971 unterzeichnete sie das "Manifest der Schlampen". Zusammen mit 343 anderen prominenten Französinnen setzte sich Deneuve damals für das Recht auf Abtreibung ein, trotz Strafandrohung. Sie war zu dieser Zeit mit ihrer Tochter Chiara schwanger, die aus einer Liaison mit dem italienischen Filmstar Marcello Mastroianni (im Bild) hervorging. Deneuve hält ihre Meinung zu politischen und gesellschaftlichen Themen nicht zurück. So sagte sie einmal: "Ich war nie bereit, mich auf ein Schmuckstück reduzieren zu lassen."
Catherine Deneuve und die Männer: Ihre geheimnisvolle, kühle, rätselhafte und distanzierte Aura scheint alle Welt in den Bann zu ziehen. Und die Schauspielerin genießt die Liebe ebenso. Im Laufe ihrer Karriere führte sie unter anderem Beziehungen mit dem Kameramann Hugh Johnson, dem spanischen Model und TV-Moderator Carlos Lozano oder dem Schauspieler Vincent Perez (im Bild). Deneuves Verschwiegenheit über ihr Privatleben sorgte dafür, dass so manche Affäre unentdeckt blieb. US-Regisseur Martin Scorsese sagte über sie: "Sie ist eine der wenigen Schauspielerinnen, die verstanden haben, dass ein Leinwandstar nicht aus der Welt der Träume in die Straße hinabsteigen darf."
Deneuves Einfluss als Stil-Ikone verhalf einigen Unternehmen zu satten Gewinnen. Als sie beispielsweise in den späten 70er-Jahren das Gesicht von Chanel No. 5 wurde, stieg der Absatz des Parfums um ein Vielfaches. Die amerikanische Presse betitelte sie daraufhin als eleganteste Frau der Welt. Dass Deneuve aber auch eine weniger eitle Seite hat, bewies sie in der Filmkomödie "Das Schmuckstück" (2010), in der sie eine Hausfrau und Mutter im Jogginganzug spielte. Hier eine Aufnahme Anfang der 70er mit Yves Saint Laurent.
In über 100 Filmen hat Deneuve bislang mitgespielt. Zum "schnöden Fernsehen" hat sie sich niemals hinreißen lassen und die Theaterbühne mied sie wegen ihres starken Lampenfiebers. Welche Streifen jeder Filmfan gesehen haben sollte: "Das Geheimnis der falschen Braut" (1969), "Die letzte Metro" (1980, im Bild), "Begierde" (1983) und "8 Frauen" (1980). Für Deneuve hagelte es für ihre Leistung beständig Auszeichnungen, darunter die Goldene Kamera, der Europäische Filmpreis oder der Silberne Bär. Zum Oscar hat es nie ganz gereicht, für ihre Rolle in "Indochine" (1992) gab es immerhin eine Nominierung.
Deneuve bezeichnet sich als Feministin, allerdings sorgte ein offener Brief, den sie 2016 als Antwort zur #MeToo-Debatte zusammen mit 99 weiteren Frauen in der französischen Zeitung "Libération" veröffentliche hatte, für einen Eklat. Darin sprach sie Männern die Freiheit zu, "durch ihre ungeschickte Art zu flirten auch mal lästig sein zu dürfen". Nach einer Welle der Empörung ruderte sie teilweise zurück und gab öffentlich bekannt: "Ich wende mich an alle Opfer abscheulicher Taten, die sich verletzt gefühlt haben mögen. Bei ihnen und nur bei ihnen entschuldige ich mich."
Mit 76 Jahren ist Catherine Deneuve eine lebende Legende. Was sie genau ausmacht? Filmpublizist Adolf Heinzlmeier drückt es so aus: "Catherine Deneuve ist mehr als schön - sie birgt ein Geheimnis: Die Hoffnung, dass es eines Tages preisgegeben wird, lockt die Zuschauer ins Dunkel des Kinos." Und über das Älterwerden sagte sie selbst einmal: "Wenn man jung ist, macht man sich viel mehr Sorgen – alles ist so wichtig und ernst, aber im Alter wird das besser."