Die Talkshow "Arabella" macht sie in den 1990er Jahren in Österreich und Deutschland bekannt, seit fast 30 Jahren ist sie mittlerweile im TV-Geschäft. Arabella Kiesbauer spricht im Interview mit unserem Portal über Herzensprojekte, die Zukunft des Fernsehens und Rassismus.

Welche Sendungen sehen Sie sich gerne im Fernsehen an?

Arabella Kiesbauer: Ich schaue eigentlich gar nicht so viel Fernsehen. Ich mache Fernsehen, bin aber kein Senderchef, der den Leuten sagen muss, dass sie von morgens bis abends in die Glotze schauen sollen. Man soll sich gezielt Sendungen raussuchen, die einen Mehrwert haben. Und der geht von "einfach nur abschalten" bis hin zu "Wissen daraus ziehen". Was ich gerne sehe sind Universum-Dokus und Mystery-Sendungen, bei denen es mich ein bisschen gruselt, wie z.B. "American Horror Story".

Sie haben Ende der 80er-Jahre mit der Sendung "X-Large" als Moderatorin im ORF begonnen. Wenn Sie daran zurückdenken, was geht Ihnen durch den Kopf?

Das ist sehr lange her, das merke ich auch an den Reaktionen der Leute. Ich habe viele Menschen aus meiner Generation ein ganzes Fernsehleben begleitet - über die verschiedenen Sendungen hinweg, die ich moderiert habe. Die sind quasi mit mir älter geworden.

Wie hat sich das Fernsehen seitdem verändert?

Als ich angefangen habe, in Deutschland zu arbeiten, ist das Privatfernsehen aufgekommen. Das war eine unglaublich kreative Spielwiese, wo wir uns wirklich austoben durften. Damals gab es viel Geld, das da hinein geflossen ist - es war eine wirklich tolle Zeit. Doch dann sind die Sender teilweise verkauft worden, Budgets wurden gestrichen. Später hatten wieder die öffentlich-rechtlichen Sender die Nase vorn. Ich glaube, mittlerweile gibt es ein gutes Miteinander. Die nächste Fernseh-Generation wird sich meiner Meinung nach stark in Richtung Fernsehen on Demand entwickeln – da wird sicher kein Stein auf dem anderen bleiben.

Sie haben viele Sendungen moderiert - war es für Sie immer leicht, am Ball zu bleiben? Es gibt ja einige Moderatoren, die schnell wieder von der Bildfläche verschwinden.

Ich bin da eigentlich reingerutscht und immer dabei geblieben. Insofern hatte ich sehr viel Glück. Ich bin vom Typ her auch speziell – im positiven wie im negativen Sinn. Das kann man mögen oder auch nicht, aber es ist auf jeden Fall ein Hingucker.

Sie haben in Deutschland und in Österreich gelebt – die beiden Nationen necken sich sehr gern. Was gibt es für Unterschiede?

Man sagt ja, was Deutschland und Österreich am meisten unterscheidet, ist die gemeinsame Sprache: Deutsch und Österreichisch (lacht). Ich glaube, dass die Österreicher ein bisschen mehr die Südländer sind, man spricht langsamer und das Leben ist ein bisschen ruhiger. Es hat ja auch einen Grund, warum viele Deutsche in Österreich Urlaub machen. Im Gegenzug schätzen es viele Österreicher, in Deutschland zu arbeiten. Die Deutschen sind geradliniger, zielorientierter und alles geht schneller – die Österreicher laborieren mehr herum. Auch wenn man sich gegenseitig aufzieht, gibt es eine große Sympathie.

Sie haben zuletzt Sendungen für den ORF und ATV moderiert – planen Sie auch wieder Projekte in Deutschland?

Ich arbeite international, in welchem Land steht und fällt eigentlich mit der Sendung selbst. Für interessante Projekte bin ich immer zu haben. Mein Hauptaugenmerk liegt im Moment aber sich auf der Sendung "Bauer sucht Frau" und auf ein, zwei anderen.

Gibt es Entscheidungen in Bezug auf Ihre Karriere, die Sie im Nachhinein bereuen?

Natürlich – davon wird man nicht verschont, wenn man sein Leben lebt. Man macht Erfahrungen im Laufe seines Lebens, die nicht immer positiv sind. Aber es wäre ganz interessant, wenn man nochmal zurückgehen könnte und sich an manchen Wegkreuzungen nochmal entscheiden müsste. Es könnte gut sein, dass man die gleichen Entscheidungen nochmal treffen würde.

Haben Sie für die Zukunft Projekte, die Ihnen am Herzen liegen und die Sie gerne realisieren wollen?

Wenn ich etwas machen will, dann mache ich das einfach. Ich bin nicht jemand, der Sachen nach hinten schiebt – ich stürze mich direkt hinein. Aber natürlich habe ich Herzensangelegenheiten, denen ich mich widme - wie z.B. mein Engagement für Integration. Ich war ja selber vor 20 Jahren Opfer einer Briefbombe. Als ich meine Kinder bekommen habe, ist der Wunsch stärker geworden, die Gesellschaft ein bisschen mitzuformen. Es freut mich, wenn ich etwas bewegen kann.

Wie sieht Ihre Rolle als Integrationsbotschafterin genau aus?

Ich gehe in Schulen und diskutiere mit Jugendlichen über das Thema Rassismus und Integration. Ich möchte dafür mehr Bewusstsein schaffen und setze mich dafür ein, dass Menschen nicht aufgrund ihrer Hautfarbe verurteilt werden.

Was hat sich Ihrer Meinung nach in Bezug auf Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit in den vergangenen zehn Jahren getan? Und was muss sich noch verändern?

Ich bin realistisch genug zu sagen, dass es immer Rassismus geben wird. Ich versuche einen Beitrag zu leisten, dass das eingedämmt wird. Ich bekomme immer noch rassistische Briefe - das hat nicht aufgehört und hat mich meine ganze berufliche Laufbahn begleitet. Leute, die solche Briefe schreiben, sind teilweise dreister geworden und versehen ihre Hasstiraden mit ihrem Absender. Auf der anderen Seite moderiere ich die Sendung "Bauer sucht Frau", bei der ich im Dirndl Kandidaten in ganz Österreich besuche und eine wirklich gute Zeit habe. Vor 20 Jahren hätte sich wahrscheinlich kein Fernsehmacher getraut, mich als dunkelhäutige Moderatorin so zu besetzen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und sehr schön.

Arabella Kiesbauer wurde 1969 in Wien geboren und startete ihre Karriere 1987 als Moderatorin der Jugendsendung "X-Large" im ORF. Von 1994 bis 2004 lief ihre Talkshow "Arabella" im Nachmittagsprogramm von "Pro Sieben". Zuletzt stand sie als Moderatorin des Eurovision Songcontest und der ATV-Sendung "Bauer sucht Frau" vor der Kamera. Kiesbauer ist verheiratet und hat zwei Kinder.