Zum 60. Geburtstag: Wie Wolfgang Bahro zum Bösewicht Jo Gerner wurde

Seit 28 Jahren ist Wolfgang Bahro, der am 18. September seinen 60. Geburtstag feiert, als Bösewicht Jo Gerner bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" zu sehen. Für viele Fans ist die RTL-Serie ohne den intriganten Anwalt völlig undenkbar. Wie kam er zu seinem GZSZ-Engagement? © 1&1 Mail & Media/spot on news

Er gehört zu "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" wie kein anderer: Wolfgang Bahro hat seit 28 Jahren die Rolle des intriganten Anwalts Jo Gerner inne. Dabei wollte er den Bösewicht anfangs gar nicht spielen …
Ehe es für Bahro zum Sender RTL ging, absolvierte er eine Ausbildung zum Schauspieler an der Schauspielschule von Prof. Erika Dannhoff, die er 1984 abschloss. Schon währenddessen machte Bahro erste Erfahrungen auf der Bühne und vor der Kamera.
Zunächst war der angehende Schauspieler in der Theater- und Kabarettszene tätig. 1981 sah man ihn am Hansa-Theater in dem Stück "Der wahre Jakob".
2019 bot niemand Geringeres als Komiker-Legende Dieter Hallervorden ihm die Rolle des Charlie Chaplin im Stück "Ein gewisser Charles Spencer Chaplin" (Foto) an – ein Engagement, auf das Bahro bis heute besonders stolz ist. "Ich bin Dieter Hallervorden sehr dankbar, dass er so viel Vertrauen in mein Talent setzt, diese große Herausforderung zu meistern", hieß es in einem Statement des Schlosspark Theaters Berlin, in dem das Stück seither aufgeführt wird.
Vor der Kamera machte Bahro bereits 1978 seine erste Erfahrung. Damals spielte er neben Peter Striebeck und Rosel Zech im Spielfilm "Verführungen" von Michael Verhoeven mit. Weitere Filmprojekte folgten, bis …
… ihn seine Agentin 1992 zum Casting von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" schickte. Völlig überzeugt war Bahro von dem Angebot der RTL-Serie zunächst nicht. Sollte er wirklich seine Theaterlaufbahn für eine Serienrolle hintenanstellen?
Schnell wichen die anfänglichen Bedenken der Überzeugung, mit der Rolle des Prof. Dr. Dr. Hans-Joachim Gerner alles richtig gemacht zu haben. Seit 1993 gehört Bahro nun schon dem GZSZ-Ensemble an. Und die Figur des intriganten Anwalts war schnell in aller Munde.
Das war vermutlichen seinen hinterhältigen Machenschaften geschuldet, für die Jo Gerner bis heute bekannt ist: Allen voran, die Entführung seines Sohnes Felix (später Dominik, gespielt von Raúl Richter), "den seine Mutter Claudia Löpelmann (Aelrun Goette) zur Adoption freigegeben hatte und der dann von Dr. Gundlach (Udo Thies, re.) adoptiert wurde", erklärte Bahro im April 2020 der "Bild"-Zeitung.
Die Entführung seiner eigenen Tochter Johanna beschrieb Bahro als "die wohl fieseste Verfehlung von Herrn Prof. Dr. Dr. Gerner". Nach einem Verhältnis mit Katrin Flemming (Ulrike Frank, li.) wurde sie von ihm schwanger, wollte das Baby jedoch abtreiben lassen. Gerner bot ihr deshalb zwei Millionen Euro an, damit sie das Kind bekommt und es ihm nach der Geburt übergibt. Als sich Katrin anschließend für Kind und Geld entschied, ließ Gerner seine Tochter Johanna (Charlott Reschke, 2.v.l.) entführen.
Neben Entführungen kennt sich Jo Gerner auch mit dem fälschlichen Einweisen in die Psychiatrie völlig gesunder Menschen aus. So wurde nicht nur Katja Wettstein (Alexandra Neldel) Opfer des Anwalts. Auch Christian Lehmann (Eric Stehfest, Foto) verlor einmal den Kampf gegen Gerner und landete schlussendlich in der Anstalt – Psychopharmaka inklusive.
Über die Jahre zeigte Jo Gerner aber immer wieder eine andere Seite von sich – die des liebevollen Familienvaters. Seine Imageverbesserung hat er mitunter seiner neuen Frau Yvonne (Gisa Zach, li.) zu verdanken, die in dem Anwalt einen völlig anderen Charakter zum Vorschein brachte. "Ich finde es ganz interessant, dass Gerner jetzt durch seine Frau Yvonne eine positive Wandlung durchlebt und auch privat etwas lockerer wird", erklärte Bahro 2020 im Interview mit RTL.
Sein altes Serien-Ich möchte Bahro nicht missen: "Allerdings mag ich auch den durchtriebenen und schlitzohrigen Gerner sehr gerne und hoffe, dass er in Zukunft auch wieder etwas von seinen früheren Fähigkeiten zeigen kann", gab der Schauspieler außerdem zu.
Fest steht, dass Jo Gerner nicht mehr aus dem GZSZ-Universum wegzudenken ist. Privat hat Bahro mit seinem Seriencharakter übrigens kaum etwas gemein: "Wenn, dann habe ich auf Gerner abgefärbt in den letzten Jahren. Kompromissfähigkeit und Altersweisheit fallen mir da direkt ein, auch eine gewisse Herzenswärme. Vielleicht ist Jo Gerner genau dadurch sympathischer geworden", verriet er der "Augsburger Allgemeinen" 2017 im Interview.
Heute gilt Bahro als wahres GZSZ-Urgestein. An Langeweile mangelte es dem Schauspieler bei RTL nie: "Nach wie vor habe ich sehr großen Spaß an der Serie. Ich lerne immer wieder neue Kollegen kennen und bleibe so stets in Kontakt mit der jüngeren Generation."
Seiner Serienrolle und seinem 60. Geburtstag zu Ehren, veröffentlichte der Schauspieler im September 2020 seine Biografie "Immer wieder Gerner – Mein Leben als Bösewicht der Nation". Den Schritt, zu GZSZ zu gehen, bereut Bahro bis heute nicht. Einen Wunsch hat der heute 60-Jährige aber noch offen: "Mein Traum wäre die Hauptrolle in einem Kinofilm", verriet er anlässlich seines Geburtstags im Interview mit "spot on news".