Die Toten Hosen: Der Wandel der Punkband im Laufe der Jahrzehnte

Mit der Dokumentation "Weil du nur einmal lebst - Die Toten Hosen auf Tour" kommen Deutschlands Aushänge-Punker ab 28. März ins Kino. Ein Rückblick auf eine Karriere, die so wohl niemand erwartet hätte. © spot on news

Die Toten Hosen - oder auch "Die Toten Hasen" wie sie auf ihrem ersten Konzert fälschlicherweise angekündigt wurden - gründeten sich 1982. Schon das erste Video der Band sorgte für Kontroversen: Es wurde in einer Kirche in Bayern gedreht, die danach neu geweiht werden musste.
Das Debütalbum der Band rund um Sänger Campino trägt den Titel "Opel-Gang" (1983) und war für den deutschen Punk eine wegweisende Platte, auch Bela B. und Farin Urlaub von Die Ärzte sollen begeistert gewesen sein.
Der Erfolg war beachtlich: Die Toten Hosen berichteten vor Ort von der Fußballweltmeisterschaft 1990, spielten als Vorband von U2, gingen selbst auf Europatour, wurden nach Amerika eingeladen, bekamen ihre eigene Radiosendung - und Campino wurde zum Posterboy des Punk.
In den Neunzigern brachten die Hosen mit "Opium fürs Volk" die erste Platte über ihr eigenes Label JKP heraus und hatten nunmehr alle Zügel selbst in der Hand.
Die Toten Hosen sind eingefleischte Fans des Fußballclubs Fortuna Düsseldorf. Ihr 1000. Konzert spielten sie 1997 im Düsseldorfer Rheinstadion. Es war einer ihrer größten Auftritte vor 65.000 Fans, doch 20 Jahre später bezeichnete Campino das Unglück, das sich dort ereignet hatte, als "Wendepunkt in unserer ganzen Gedankenwelt". Im Gedränge kam ein Mädchen ums Leben. Über anderthalb Jahre trat die Band nicht mehr in Deutschland auf.
Die Toten Hosen standen stattdessen in Neuseeland, Australien, Japan und den USA auf der Bühne. Es gelang ein Neustart. Die Punkrocker gingen in ihrer Karriere immer wieder auch ungewöhnliche Wege.
1998 zum Beispiel brachten sie unter dem Pseudonym Die Roten Rosen das Album "Wir warten auf's Christkind" heraus – mit rockigen Weihnachtsliedern und satirischen Stücken. Ende 2005 ging die Band mit Gerhard Polt und den Biermösl Blosn auf Deutschland-Tour. Dabei wurde auch das Kabarett-Programm "Abvent" gespielt.
Mit "Ballast der Republik" brachten die Hosen 2012 ihr 15. Studioalbum auf den Markt - und eroberten die Chartspitze in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Single "Tage wie diese" wurde bei der Echoverleihung zum "Hit des Jahres 2012" gekürt, doch damit nicht genug.
2012 traten sie mit "Tage wie diese" bei "Wetten, dass..?" auf, dem Song, zu dem sowohl die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2012 feierte als auch die CDU bei ihrem Wahlsieg 2013. Für den Auftritt ihrer Partei entschuldigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonisch bei Campino.
Die Toten Hosen engagieren sich seit jeher politisch und sozial. Beim "Wir sind mehr"-Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt in Chemnitz waren sie im Herbst 2018 mit dabei und standen zusammen mit Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß und Rodrigo Gonzalez von den Ärzten auf der Bühne.
Ab 28. März gibt es die Band im Kino zu erleben: In der Dokumentation "Weil du nur einmal lebst - Die Toten Hosen auf Tour", die auf der Berlinale 2019 Premiere feierte, erhalten Fans intime Einblicke hinter die Kulissen und sind ganz nah dran an Andi, Breiti, Campino, Kuddel und Vom Ritchie.