Das Publikum singt "Conchita"-Sprechchöre, und die internationale Presse bricht in Begeisterungsstürme aus: Conchita Wurst steht im Finale des Eurovision Song Contest, und alle sind im "Wurst-Fieber". Die österreichische ESC-Hoffnung gilt europaweit als heiße Anwärterin auf den Sieg.

"Tolle Wurst", "Umjubelte Conchita": Die internationale Presse überschlägt sich mit Beifall für Conchita Wursts Auftritt beim Eurovision Song Contest. Sogar das "Handelsblatt" - das nicht gerade für Berichte über Stars und Sternchen bekannt ist - lobte den Auftritt der Österreicherin: Mit einer "perfekt inszenierten Darbietung des Lieds 'Rise Like A Phoenix'" habe sie am Donnerstagabend beim zweiten Semifinale in Kopenhagen die Herzen der Zuschauer gewonnen.

Als letzte Kandidatin bekam Wurst an diesem Abend die erlösende Nachricht, dass sie am Samstag beim ESC-Finale dabei sein sein wird. Doch schon den ganzen Abend strahlte die "Kolumbianerin aus Wien" über allen, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt.

Alle lieben Conchita Wurst

Im Vorfeld des ESC gingen die Meinungen über Frau Wurst noch auseinander. Seit sie im zweiten Halbfinale ihre "an James-Bond-Hymnen erinnernde Ballade" ("Stern") gesungen hat, ist sich die Presse einig: Wurst ist Favoritin für das Finale am Samstag. In einer "Show voller musikalischer Mittelmäßigkeiten" konnte sie "mit Glamour und Würde punkten. Ihre Darbietung war eindeutig eine der besten von 16 Kandidaten im zweiten Halbfinale", urteilt "Spiegel Online".

Lobende Worte fanden die Medien auch für Wursts extravagante Optik: "Mit ihrem Auftritt im güldenen Glitzerfummel stahl die Wurst selbst den Akrobaten aus Griechenland die Schau", schreibt der "Stern" und fasst zusammen: "Kopenhagen ist im Wurst-Fieber." Die "Taz" erkennt in Frau Wurst einen Hauch von Hollywood: Sie erinnere an eine "triumphale Figur, die wie eine Oscar-Statue aussah".

Bis zuletzt hatte Conchita Wurst alias Tom Neuwirth mit homophoben Anfeindungen zu kämpfen - etwa aus Russland und Armenien, aber auch Österreich. Angesichts der Meldungen rücken diese kritischen Stimmen in den Hintergrund. "Kaiserin Conchita, die Erste" ("Stern") ist der ESC-Liebling der Presse.

"Nichts, was Conchita gefährlich werden könnte"

Im Finale am Samstag trifft Wurst auf ihre 25 Konkurrenten. Einige spekulieren schon jetzt über einem Wurst-Sieg und fragen sich, ob sie womöglich Udo Jürgens' Nachfolgerin wird. 1966 gewann der gebürtige Klagenfurter als bisher einziger Österreicher den Eurovision Song Contest.

Wenn es nach "Spiegel Online" geht, kann Conchita Wurst dem Finale ganz entspannt entgegen blicken: der "beherzten Gender-Benderin" könne musikalisch gesehen nichts ernsthaft gefährlich werden. Trotz des üblichen ESC-Patriotismus wäre ein Sieg von Conchita für das deutsche Magazin ein "schönes, wichtiges Signal".

Die Meinung der Presse schlägt sich auch in den Quoten der Wettbüros nieder: Wie die "Krone" berichtet rangiert Conchita Wurst inzwischen gemeinsam mit Schweden auf Rang eins. Trotz des internationalen Lobs bleibt Conchita Wurst bescheiden: "Der Sieg ist dann greifbar, wenn ich die Trophäe in der Hand habe."