Eigentlich sollte Sängerin Maruv für die Ukraine zum Eurovision Song Contest nach Tel Aviv fahren. Nachdem sie für "Verbindungen zum Agressorland" Russland scharf kritisiert wurde, zieht sie ihre Teilnahme jedoch zurück. Einen Ersatz findet die Ukraine nicht - und will nun komplett auf den Musikwettbewerb verzichten.

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Die Ukraine will dieses Jahr nicht am Eurovision Song Contest (ESC) teilnehmen und reagiert damit auf einen Skandal um die Gewinnerin des Vorentscheids. Das teilte die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt am Mittwoch in Kiew mit.

Der Schritt ist überraschend, da die Ex-Sowjetrepublik zu den Schwergewichten bei dem Musikwettbewerb gehört. 2016 hatte das Land sogar gewonnen.

Als Grund für die Absage führte die ukrainische Fernsehanstalt die "exzessive Politisierung des nationalen Vorentscheids" über die Teilnahme an.

Der Vorentscheid habe gezeigt, dass "im fünften Jahr des militärischen Konflikts" mit Russland die Verbindungen des Show-Business zum Nachbarland immer noch eng seien. Konkret beklagte die Fernsehanstalt, dass viele ukrainische Unterhaltungskünstler "Verbindungen mit dem Aggressorland" - also mit Russland - unterhielten.

"Für einen Teil der Gesellschaft ist diese Tatsache annehmbar, bei einem anderen Teil ruft sie Entrüstung hervor."

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Maruv: "Bin kein Schläger in der politischen Arena"

Eigentlich hatte die Ukraine sogar schon einen Beitrag für den diesjährigen "Grand Prix" in Tel Aviv bestimmt: Sängerin Maruv hatte sich im ukrainischen ESC-Vorentscheid mit dem auf Englisch und Deutsch gesungenen "Siren Song" (Sirenenlied) deutlich durchgesetzt.

Die aus der russisch geprägten Ostukraine stammende Anna Korsun, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, hat viele Fans in Russland. Dass sie in dem Nachbarland auch Konzerte gibt, wird jedoch scharf kritisiert. Nationalistische Politiker werfen ihr mangelnden Patriotismus vor.

Nach langen Verhandlungen mit der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt über einen Vertrag verzichtete die 27-Jährige am Montag auf die Teilnahme. Sie wolle sich nicht politisch instrumentalisieren lassen, erklärte sie. "Ich bin Musikerin und kein Schläger in der politischen Arena", schrieb die 27-Jährige bei Facebook.

Sie sei bereit gewesen, auf Auftritte in Russland zu verzichten. Als Bürgerin der Ukraine liebe sie ihr Land aufrichtig, jedoch "bin ich nicht bereit, mit Losungen aufzutreten, die meine Anwesenheit beim Wettbewerb in eine Promo-Aktion unserer Politiker verwandeln."

Die Anstalt warf Maruv vor, sich zu weigern, als "Kulturbotschafterin der Ukraine" und "Sprachrohr der öffentlichen Meinung der Ukraine" aufzutreten.

Kiew sieht sich seit der russischen Annexion der Halbinsel Krim vor fünf Jahren und der Unterstützung von Separatisten in der Ostukraine durch Moskau im Krieg mit dem Nachbarn.

Ukraine findet keinen Ersatzkandidaten

Die Suche nach einem Ersatz-Kandidaten für den ESC gestaltete sich jedoch schwierig. Mehrere ukrainische Musiker hatten erklärt, nicht für ihr Land auftreten zu wollen.

Die im Vorentscheid zweitplatzierte Gruppe Freedom Jazz verkündete wenig später ebenso ihren Verzicht. Am Mittwoch sagten schließlich auch die Drittplatzierten ab. "Wir brauchen keinen Sieg um jeden Preis. Unsere Mission ist es, die Menschen mit unserer Musik zu einen und nicht Zwist zu säen", teilte die Gruppe Kazka auf ihrer Facebook-Seite mit Blick auf die Absage der anderen beiden Musiker mit.

Der ESC findet vom 14. bis zum 18. Mai im israelischen Tel Aviv statt. (jwo/dpa/AFP)

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