Die Ärzte: Eine turbulente Bandgeschichte

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Die Ärzte sind DIE deutsche Punkband schlechthin und feiern bereits seit den 80er-Jahren große Erfolge. Nach (unbegründeten) Trennungsgerüchten in den letzten Wochen sind sie jetzt Headliner bei Rock am Ring und Rock im Park. Grund genug, die Geschichte der Band einmal Revue passieren zu lassen. © spot on news

Farin Urlaub (bürgerlich Jan Vetter, M.) und Bela B (Dirk Felsenheimer, l.) lernen sich 1982 in der Berliner Disco Ballhaus Spandau kennen. Zusammen mit dem Bassisten Sahnie (Hans Runge, r.) gründen sie noch im selben Jahr die Band Die Ärzte. Ein Name, der laut den Musikern keine tiefere Bedeutung hat und rein zufällig ausgewählt wurde.
1984 erscheint ihr erstes Album "Debil", ein Jahr später das zweite "Im Schatten der Ärzte", das auch erstmals in die Charts kommt.
1986 dann der erste große Zoff: Aufgrund von persönlichen Differenzen warfen Farin Urlaub und Bela B während der Arbeit am dritten Album ihren Bassisten Sahnie (Foto) aus der Band. Als Ersatz kam Live-Bassist Hagen Liebing alias "The Incredible Hagen".
Das vierte Album "Das ist nicht die ganze Wahrheit" (1988) sollte das vorerst letzte der Ärzte sein. Am 9. Juli 1988 findet in Westerland auf Sylt das vorläufig letzte Konzert der Ärzte statt, wo auch die gleichnamige Single "Westerland" endgültig zum Hit wird.
Nachdem Farin und Bela mit anderen Bands keinen Erfolg haben, finden sie 1993 aber wieder zueinander. Neu mit dabei ist seitdem Bassist Rodrigo González.
"BelaFarinRod" suchen nach ihrer Neugründung per Zeitungsanzeige nach einer Plattenfirma – und werden schließlich von Metronome unter Vertrag genommen.
Gemeinsam nehmen sie das Album "Die Bestie in Menschengestalt" auf. Besonders dank der Single "Schrei nach Liebe" - einem deutlichen Plädoyer gegen Rechtsextremismus - wird das Comeback ein riesiger Erfolg.
Zwischen Oktober 1993 und August 1994 spielen die Ärzte mehr als 150 Konzerte.
Das zweite Reunion-Album 1995 heißt "Planet Punk" - in etwa zu der Zeit gehen erstmals die Diskussionen los, wie "Punk" eine erfolgreiche Band wie die Ärzte eigentlich noch sein kann.
Die Antwort ist das aggressive Album "1, 2, 3, 4 – Bullenstaat!", das fast ausschließlich aus Coverversionen verschiedenster Punk-Songs besteht und nur auf Konzerten und bei den Fanclubs zu erwerben ist.
1998 erscheint "13" - mit der Erfolgssingle "Männer sind Schweine" - die selbst der Band etwas zu erfolgreich wird. Nachdem der Song sogar auf dem Oktoberfest gespielt wird, spielen die Ärzte ihn lange selbst nicht mehr.
Zu ihrem 20-jährigen Bestehen geben die Ärzte 2002 ein Konzert auf dem Mariannenplatz in der Hauptstadt. Im selben Jahr nehmen sie auch das legendäre "MTV Unplugged"-Album in einer Realschule auf.
Neben der Band haben alle Mitglieder auch zahlreiche Nebenprojekte: Farin Urlaub interessiert sich, wie sein Name schon andeutet, neben der Musik für Reisen und Fotografie und veröffentlicht vier Bildbände.
Außerdem ist er viel mit seinem Soloprojekt unterwegs, dem Farin Urlaub Racing Team. Von 2001 bis 2014 haben sie vier Alben herausgebracht.
Bela B dagegen ist seit 1980 immer wieder in Filmen wie "Nachts im Park" (2002, Foto) oder TV-Produktionen wie "Tatort" zu sehen. 2009 hat er sogar einen Cameo-Auftritt in Tarantinos "Inglourious Basterds".
2019 ist Bela B zusammen mit Lars Eidinger in der Serie "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" zu sehen, die auf der 69. Berlinale vorgestellt wird.
Auch Bela B ist musikalisch neben den Ärzten solo unterwegs: 2006 veröffentlicht er sein erstes von bisher vier Soloalben. Seine Stimme leiht er außerdem einigen Hörspielproduktionen wie 2005 "Venus im Pelz".
2019 erscheint außerdem sein Debütroman "Scharnow", die Geschichte eines sehr skurrilen Dorfes. Der "etwas andere Heimatroman" wird von Kritikern und Fans begeistert aufgenommen.
Rodrigo "Rod" González dagegen arbeitet als Produzent für diverse Bands und hat eine Plattenfirma namens RodRec, bei der unter anderem Abseits und Knorkator unter Vertrag stehen.
Seit 2011 ist Rod zudem Mitglied der Band Mas Shake!, die sich auch "die Südamerikanische Beat Invasion aus Berlin" nennt. 2016 begibt sich der gebürtige Chilene in der Dokumentation "El Viaje" auch auf musikalische Spurensuche durch die chilenische Musikszene.