Zu viel Haut, zu wenig Stoff: Der Bikini - Die Geschichte eines Skandals

1946 entworfen, aber bis in die frühen 60er Jahre verpönt: Der Bikini hat eine lange, skandalträchtige Geschichte hinter sich, aber dennoch zahlreiche prominente Verehrerinnen. Am 5. Juli jährt sich die Präsentation des ersten Bikinis zum 74. Mal. Ein Blick auf den Werdegang des Zweiteilers.

Die Geschichte des Bikinis beginnt wohl anders als erwartet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und den Abwürfen der ersten beiden Atombomben, beschließen die USA unter Präsident Harry S. Truman weitere Tests der neuartigen Waffe. Am 1. Juli 1946 werden die ersten Testbomben...
... über dem Bikini Atoll abgeworfen. Zahlreiche weitere Tests folgen noch im selben Jahr.
Die daraus resultierenden Schlagzeilen macht sich ein französischer Designer zunutze.
Louis Réard, Designer für Bademode, beschließt seinen neuartigen Entwurf eines zweiteiligen Badeanzuges kurzerhand nach dem berühmt berüchtigten Atoll zu benennen: Der Bikini ist geboren. Der Name soll die gesellschaftliche Sprengkraft des Kleidungsstücks symbolisieren. Hier sieht man den Designer im Jahr 1974.
Am 5. Juli 1946 - nur vier Tage nach dem ersten Atomtest auf dem Atoll - präsentiert Réard seinen neuen Entwurf. Da das Design ihnen zu freizügig ist, weigern sich sämtliche Models den Bikini zu präsentieren. Stattdessen trägt ihn die damals 19-jährige Nackttänzerin Micheline Bernardini über den Laufsteg. Das Publikum ist empört von so viel weiblicher Haut. In ihrer Hand hält Bernardini übrigens ein Schächtelchen, in dem man das gesamte Kleidungsstück problemlos unterbringen kann.
Tatsächlich mutet der Entwurf des ersten Bikinis auch heute noch revolutionär an, steht er doch im kompletten Gegensatz zu der doch recht konservativ gehaltenen Bademode der 1920er und 30er Jahre oder...
...den körperverhüllenden Schnitten Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts - hier etwa zu sehen auf einer französischen Anzeige für Bademode um die Jahrhundertwende.
Bis heute gilt Réard als Vater des Bikinis. Er bringt zahlreiche Designs auf den Markt. Hier tragen Models 1951 Kreationen des Designers auf seiner eigenen Bademoden-Show.
Obwohl bereits in den 50er Jahren Stars in dem gewagten Kleidungsstück über den Strand flanieren, bleibt der Bikini bis in die frühen 60er Jahre verpönt. An manch einem Strand wird er sogar verboten. Seine Popularität ist jedoch nicht aufzuhalten. Kein Wunder: Hollywoods Elite liebte den frechen Zweiteiler. Hier sieht man die junge Marilyn Monroe 1951 in einem gepunkteten Exemplar.
Ein Detail, das für besondere Provokation sorgt: Der Bauchnabel der Trägerin ist sichtbar. Damals eine große Sittenwidrigkeit. Neben Bikini-Liebhaberin Marilyn Monroe zählen auch andere weibliche Stars zu den frühen Fans des Zweiteilers.
Brigitte Bardot spielt 1952 sogar in einem Film mit, dessen Namensgeber das revolutionäre Kleidungsstück ist: "The Girl in the Bikini" (deutscher Titel: "Sommernächte in Manina").
Hier sieht man die Schauspielerin bei den Dreharbeiten zu "Privatleben" 1961 in einem anderen Modell.
Mit seinem Auftritt in einem 007-Film etabliert sich der Bikini vollkommen in der Gesellschaft. An der hinreißenden Schweizer Schauspielerin Ursula Andress avanciert der Zweiteiler 1962 zum heimlichen Star des Films "James Bond jagt Dr. No". Der Moment in dem Andress' Charakter Honey Ryder den Wogen des Meeres entsteigt, bleibt ikonisch und ist seinerzeit definitiv provokativ.
Ende der 60er gibt sich auch die deutsche Schauspielerin Romy Schneider die Ehre in dem freizügigen Zweiteiler. In Jacques Derays Film "Der Swimmingpool" trägt sie größtenteils Badekleidung.
In den 70er Jahren hat sich der Zweiteiler bereits etabliert. Modedesigner experimentieren mit auffälligen Mustern und gewagten Schnitten. Hier trägt die britische Schauspielerin Lesley-Anne Down einen Bikini in angesagtem Muster.
Gegen Ende der 70er und Anfang der 80er sind besonders freizügige Modelle mit dünnen Trägerchen in Mode, wie Model Iman hier präsentiert.
Designer experimentieren während der 80er mit knalligen Farben, Schleifchen oder Triangel-Oberteilen.
Hier flaniert Supermodel Naomi Campell während der 90er in einem knallblauen Modell von Chanel über den Laufsteg.
Ein weiterer ikonischer Filmmoment mit einem weiteren ikonischen Bondgirl: 2002 ensteigt Halle Berry in "Stirb an einem anderen Tag" als NSA-Agentin Jinx den Wellen in diesem orangen Triangel-Bikini mit Waffelgürtel - und bleibt Kino-Zuschauern bestens in Erinnerung.
Auch diese Hollywood-Dame bringt es mithilfe eines Bikinis etwa zur gleichen Zeit zu internationaler Bekanntheit. Als "Lara Croft" macht Angelina Jolie das Wasser in diesem schlichten schwarzen Modell unsicher.