Begriffe zum Thema Flüchtlinge gehören wieder zu den Favoriten: Sprachwissenschaftler wollen an diesem Dienstag ab 10:00 Uhr das "Unwort des Jahres 2016" bekanntgeben. Als aussichtsreich gelten Schlagworte wie etwa "Umvolkung" und "Rapefugee" - Letzteres ist eine Kombination aus "Rape" (Vergewaltigung) und "Refugee" (Flüchtling).

Diese Bezeichnungen entsprechen den Kriterien und sind häufig vorgeschlagen worden. Die sprachkritische Jury entscheidet aber unabhängig. Das Gremium richtet sich nach Angaben der Sprecherin Nina Janich nicht nach der Häufigkeit der Vorschläge.

Unwort des Jahres 2015 war "Gutmensch"

Bereits für 2015 war mit "Gutmensch" ein Begriff zum "Unwort" gewählt worden, der aus der Flüchtlingsdebatte stammt.

Die "Unwort"-Jury besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten. Die Aktion mit Sitz in Darmstadt will für Sprache sensibilisieren und auf undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden Gebrauch aufmerksam machen.

Neben dieser Jury wählt davon getrennt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden das "Wort des Jahres". Für 2016 entschied sie sich für den Begriff "postfaktisch".

"Nafri" und "Fake News" sind Unwort-Kandidaten

Für das "Unwort des Jahrs 2016" sind auch zwei vor kurzem häufig genannte Begriffe eingesendet worden: die Schlagworte "Nafri", im Polizeijargon für "nordafrikanischer Intensivtäter" verwendet, sowie "Fake News" für absichtliche Falschinformationen. Sie dürften bei der Auswahl laut Janich aber eher nicht in der engeren Wahl stehen.

Die "Unwort"-Aktion gibt es seit 1991. Für 2016 sind 1.064 Einsendungen mit 594 verschiedenen Vorschlägen eingegangen. 2015 hatte es 1.644 Einsendungen gegeben, mehr als in den Jahren 2014 (1246) und 2013 (1340).

Zum "Unwort des Jahres 2014" war die Parole "Lügenpresse" gewählt worden. Sie wird vor allem vom fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis genutzt. Im Jahr 2013 war "Sozialtourismus" das "Unwort", davor "Opfer-Abo" (2012) und "Döner-Morde" (2011).© dpa