Die Unwörter der letzten Jahre

Das Unwort des Jahres 2018 lautet "Anti-Abschiebe-Industrie". Die sprachkritische Aktion gibt es schon seit 1991 und soll die Gesellschaft auf Formulierungen im alltäglichen Sprachgebrauch aufmerksam machen, die gegen die Humanität verstoßen oder schlicht und einfach nicht angemessen sind. Diese Unwörter wurden in den letzten Jahren schon auserkoren. © spot on news

2018 – "Anti-Abschiebe-Industrie": CSU-Politiker Alexander Dobrindt verwendete den Begriff im Mai 2018 im Rahmen der Flüchtlingspolitik. Die Jury argumentiert: Das Wort unterstelle Menschen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützen, auch kriminell gewordene Flüchtlinge schützen und damit in großem Maßstab Geld verdienen zu wollen.
2017 – "alternative Fakten": Wer kennt Donald Trump und seine "alternative Facts" nicht? Damals war es die einstige Beraterin des US-Präsidenten, Kellyanne Conway, die den Begriff in einem TV-Interview verwendete. Die Jury sieht in dem Ausdruck den unschönen Versuch, "Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen".
2016 – "Volksverräter": Den Begriff "Volksverrat" gibt es schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts. In diesem Jahr war er hauptsächlich im Sprachgebrauch der Alternative für Deutschland (AfD) und Pegida zu finden. In den Augen der Jury sei der Gebrauch undemokratisch und ein "typisches Erbe von Diktaturen".
2015 – "Gutmensch": Personen, die sich freiwillig in der Flüchtlingshilfe engagieren, wurden in diesem Jahr mehrfach als sogenannte Gutmenschen bezeichnet. Ihre Hilfsbereitschaft wurde zumeist als naiv und dumm abgetan.
2014 – "Lügenpresse": Das hat man in diesem Jahr ganz schön häufig gehört und gelesen. Die Jury argumentierte: Vielen, die dieses Wort benutzen, sei vermutlich gar nicht bewusst, dass es im Ersten und Zweiten Weltkrieg zum alltäglichen Sprachgebrauch gehörte, um Dritten übel nachzureden oder sie zu verleumden.
2013 – "Sozialtourismus": Zugegeben, Armutszuwanderung und Freizügigkeitsmissbrauch sind ebenfalls keine schmeichelnden Worte, doch Sozialtourismus ist laut Jury dann doch zu perfide. Tourismus ziele auf eine zur "Vergnügen und Erholung dienende Reisetätigkeit" ab, doch damit habe Migration in den meisten Fällen nichts zu tun.
2012 – "Opfer-Abo": Der Ausdruck stammt von Meteorologe Jörg Kachelmann. Anderthalb Jahre nach seinem Freispruch meinte er, dass Frauen grundsätzlich ein Opfer-Abo hätten. Die Jury argumentierte, dass die Bezeichnung Frauen unterstellen würde, sexuelle Gewalt lediglich zu erfinden.
2007 – "Herdprämie": Nicht jedes Kind wird in den Kindergarten oder zur Schule geschickt. Eltern, die ihren Nachwuchs zuhause auf- und erziehen, erhalten vom Staat finanzielle Unterstützung. Die Herdprämie ist eine abwertende Bezeichnung für dieses Betreuungsgeld.
2001 – "Gotteskrieger": Nach den Terrorakten vom 11. September gewählt, aber auch heute noch präsent. Die Umschreibung soll auf Menschen zutreffen, die mit Gewalt ihr Verständnis von Religion gegen andere durchzusetzen versuchen. Die Jury meint: "Kein Glaube an einen Gott gleich welcher Religion […] kann einen Krieg oder gar Terroranschläge rechtfertigen."
1997 – "Wohlstandsmüll": Der einstige Verwaltungspräsident von Nestlé, Helmut Maucher, machte sich in diesem Jahr nicht sonderlich beliebt. Wen er als Wohlstandsmüll bezeichnete? "Leute, die saufen, Drogen nehmen, sich abgemeldet haben", also Menschen, die nicht willens oder nicht in der Lage waren, zu arbeiten.
1996 – "Rentnerschwemme": Ganz klarer Fall von Altersdiskriminierung, meint die Jury. Mit dem Begriff wird auf die Umkehr der Alterspyramide, also auf die Überalterung der deutschen Bevölkerung abgezielt. Wirklich charmant ist diese Ausdrucksweise nicht.
1991 – "ausländerfrei": Bei den Ausschreitungen in Hoyerswerda im September 1991 fanden rassistisch motivierte Übergriffe statt. Im Anschluss darauf wurde die sächsische Stadt in den Parolen der Neonazis als die erste ausländerfreie Stadt Deutschlands bezeichnet.